Eine Urnerin macht Wählen zu einer spassigen Angelegenheit

Mit spielerischen Anreizen und neutralen Informationen möchte Sophie Walker junge Wähler an die Urne locken.

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Sophie Walker hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Wahlapp entwickelt.

Sophie Walker hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Wahlapp entwickelt.

Bild: PD

(ml) Die Wahlbeteiligung in der Schweiz ist zu tief, findet die Urner Design-Studentin Sophie Walker. Dem möchte sie entgegenwirken – in Form einer digitalen Wahlhilfe mit spielerischen Elementen. Daraus ist das Projekt CH+ entstanden, welches Walker im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste in Zusammenarbeit mit Experten aus der Politik und der Spielindustrie entwickelt.

Die Zielgruppe sind junge Personen, die zum Wählen motiviert werden sollen. Während der Wahlen im Kanton Uri Anfang März wird die Anwendung erstmals im grösseren Rahmen getestet. In Anbetracht des neuen Wahlsystems in Uri wird das Wählen gerade für unerfahrene Wählerinnen und Wähler erschwert, wie Walker im Konzept zu ihrem Projekt beschreibt. Aufgrund des neu eingeführten Doppelten Pukelsheim wird die Zahl der Kandidaten in Altdorf, Bürglen, Erstfeld und Schattdorf erhöht und der Wahlkampf verstärkt sich.

Junge wünschen sich digitale Wahlunterstützung

Sophie Walker erachtet die tiefe Wahlbeteiligung in der Schweiz als Problem. Die politische Mitsprache liegt ihr am Herzen. Dies kommt insbesondere daher, dass sie grosse Teile ihrer Jugend als Auslandschweizerin erlebt hat. Dabei konnte sie Einblicke in Systeme erhalten, in denen die Bevölkerung weniger Mitsprachemöglichkeiten hat als in der Schweiz.

«Demokratie – besonders direkte Demokratie – funktioniert nur, wenn sie von der Bevölkerung getragen wird», schreibt Walker im Konzept. Damit dies gewährleistet ist, will sie eine Hilfe bieten, denn «in unserer eng vernetzten, sich rasant ändernden Welt fühlen sich viele Wählerinnen und Wähler von der Komplexität des politischen Diskurses überwältigt». Junge Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, wünschen sich mehr digitale Unterstützung, lässt sich im Konzept lesen.

Deshalb kommt die Wahlhilfe von Sophie Walker als digitale Anwendung daher. Sie soll die Nutzer während der Wahlen bei der politischen Meinungsbildung und dem Entscheidungsprozess unterstützen. Im Projekt CH+ werden neutrale Informationen mit spielerischer Kommunikation verbunden.

Damit baut die App für Internetbrowser auf dem Ansatz der «Serious Games» auf. Dies sind Spiele, die neben dem Unterhaltungsaspekt auch Inhalte vermitteln. Man kennt sie beispielsweise als Lernspiele in der Schule oder als Rehabilitationsspiele in der Gesundheitsbranche. Die Anwendung von Sophie Walker ist kein Spiel, es werden jedoch Spielelemente als Motivationsmechanismen eingesetzt. Daher handelt es sich beim Projekt CH+ um eine sogenannte «Gamifizierung».

Die Experten aus der Spielindustrie und der Politik wurden beim Entwicklungsprozess immer wieder mit einbezogen. Auch von wissenschaftlicher Forschung wurde die Arbeit begleitet. Zu einem grossen Teil wurde die App jedoch von den Wählerinnen und Wählern geprägt. Dazu führte Walker während der nationalen Wahlen Umfragen mit 500 Personen durch. Dabei konnten diese auch die Funktionen mitbestimmen. Ein Prototyp der Anwendung wurde in 15 individuellen Testsitzungen von jeweils 30 bis 60 Minuten getestet.

Auch in Zukunft soll die App von Wahl zu Wahl weiterentwickelt und besser an die Bedürfnisse der Wählerinnen und Wähler angepasst werden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsstudio Opinion Games. Damit das Projekt aber überhaupt weitergeführt werden kann, werden weitere finanzielle Mittel benötigt. Bisher wurde die Entwicklung hauptsächlich durch das 6000 Franken Preisgeld der «Swiss Student Sustainability Challenge» der Fachhochschule Nordwestschweiz finanziert, bei der Walker den 2. Platz belegt hatte. Die Daten stammen von Smartvote.

Projekt fördert Verständnis für das Milizsystem

Im Kanton Uri stösst das Projekt auf Zuspruch. «Das Projekt CH+ testet Grenzen der Kommunikation und der Wählerschaft auf eine innovative, kreative Art. Ich finde es ein spannendes Unterfangen und begrüsse es, dass eine solche Initiative aus der jungen Generation kommt», wird Markus Stalder, alt Ständerat des Kantons Uri im Konzept zitiert. Finanzielle Unterstützung erhielt Sophie Walker auch von der Gemeinde Altdorf sowie dem Amt für Kultur und Sport. Der Amtsvorsteher und Kinder- und Jugendbeauftragte des Kantons, Ralph Aschwanden, begründet dies damit: «Engagements wie CH+ sind wichtig, um das Verständnis von jungen Erwachsenen für unser Milizsystem zu fördern.