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Kraftwerk Alpbach: Vision wird Wirklichkeit

Nachdem im Oktober die Konzession vergeben wurde, konnte gestern nun die Aktiengesellschaft für das Kraftwerk Erstfeldertal unter dem Vorsitz von Werner Jauch gegründet werden. Der Baubeginn ist für Mitte 2019 geplant.
Florian Arnold

Dass am Alpbach im Erstfeldertal einst im grossen Stil Strom durch Wasserkraft gewonnen wird, war vor gut einem Jahr noch eine Utopie. Nachdem sich der politische Gegenwind – die Erstfelder Bevölkerung fürchtete um ihre Trinkwasserquellen – etwas gelegt hatte, schien dem Projekt schliesslich die wirtschaftliche Basis dahinzuschmelzen. Denn die Zusage für die «kostendeckende Einspeisevergütung» (KEV) der Gemeindewerke Erstfeld lief Ende 2017 aus.

Umso feierlicher konnte gestern Mittwoch die «Kraftwerk Erstfeldertal AG» gegründet werden, wie den Medien gegen Abend mitgeteilt wurde. «Das Kraftwerk Erstfeldertal ist einen entscheidenden Schritt weiter und die sehr anspruchsvollen Projektziele für dieses Jahr wurden vollumfänglich erreicht», schreibt die AG.

Seit 100 Jahren ein Thema

Bereits 1918, also vor 100 Jahren, wurden erste Stauversuche am Fulensee unternommen. In den 1950er-, 1960er- und auch 1980er-Jahren rückte der Alpbach wieder in den Fokus der Energiegewinnung. Es wurden mehrere Projektstudien zur Nutzung des Bachs erstellt. Vor rund zehn Jahren schliesslich wurden nochmals verschiedene Projekte zur Wasserkraftnutzung im Erstfeldertal ausgearbeitet. Trotz des grossen Potenzials blieb die Vision eines Kraftwerks Erstfeldertal sehr lange ein Wunsch und drohte gar zu platzen. Es waren vor allem Bedenken zum Schutz des Trinkwassers, die in den vergangenen Jahren ein Projekt für ein Wasserkraftwerk in weite Ferne rücken liessen. (pd/zf)

Ab Ende 2017 ging es Schlag auf Schlag

Ohne Bemühungen, die Zusage für die KEV zu verlängern, wäre man heute nicht an diesem Punkt angekommen. Dies gelang praktisch in letzter Minute, Ende Dezember 2017. «Das war der Startschuss für die Wiederbelebung des Projekts und einen damit verbundenen Wettlauf gegen die Zeit», schreibt die AG. Damit die KEV-Zusage nicht doch noch verfiel, mussten bis Ende 2018 die Konzession und die Baubewilligung für das Projekt vorliegen. «Dieser Prozess nimmt in der Regel mehr als zwei Jahre in Anspruch.»

Ab Jahresende 2017 ging es Schlag auf Schlag voran mit dem Projekt «Kraftwerk Erstfeldertal». Aus dem Fast-Stillstand nahm es rasch und rasant Fahrt auf. Im März 2018 einigten sich die Projektpartner über die neue Projektorganisation. Am 23. März reichten sie bereits das überarbeitete Konzessionsgesuch ein. Im Juni konnten wichtige Einigungen mit Direktbetroffenen erzielt werden. Ende Juli wurde das Baugesuch zur Vorprüfung eingereicht. Im August konnten sich die Träger des Projekts mit den Umweltschutzorganisationen einigen. Am 3. Oktober erteilte der Urner Landrat dem Projekt die Konzession ohne Gegenstimme. Am 19. Oktober wurde das Baugesuch publiziert und aufgelegt. Da keine Einsprachen eingingen, erhielt das Projekt Kraftwerk Erstfeldertal am 19. November schliesslich die Baubewilligung.

Auf Ferien und Freizeit verzichtet

Dieser Prozess im Zeitraffer, der einen Projektfortschritt bis hin zur Baubewilligung in weniger als der Hälfte der sonst üblichen Zeit möglich machte, sei eine einmalige und aussergewöhnliche Leistung, heisst es in der Mitteilung. «Wir wurden am Anfang fast belächelt, und unser Vorhaben wurde als nahezu unmöglich und zum Scheitern verurteilt taxiert», erklärt Werner Jauch, Verwaltungsratspräsident der Kraftwerk Erstfeldertal AG. «Es war tatsächlich ein sehr grosser Effort von allen Beteiligten nötig, damit das Projekt nicht am äusserst engen Zeitplan scheiterte.» Die Projektmitarbeitenden hätten unzählige Überstunden geleistet und auf Ferien und Freizeit verzichtet. «Sonst hätte es nicht gereicht.»

Ein weiterer Erfolgsfaktor für das Projekt sei die langjährige Erfahrung und das umfassende Know-how in allen Bereichen des Kraftwerkbaus. «Aus unseren zahlreichen Kraftwerksprojekten kennen wir die einzelnen Schritte der Projektierung und des Bewilligungsverfahrens ganz genau», führt Werner Jauch aus. «Wir wissen, wie die Schritte ineinandergreifen, wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen oder wer die wichtigen Anspruchsgruppen sind.» Beim Kraftwerk Erstfeldertal sei ihnen zugutegekommen, dass 2008 schon Vorarbeit geleistet wurde, auf die man zurückgreifen konnte.

Klare Mehrheiten für das Kraftwerk

Ausschlaggebend für die Wiederbelebung des Projekts sei auch gewesen, dass die Bevölkerung von Erstfeld und alle anderen Beteiligten sich mehrheitlich hinter das neu ausgearbeitete Projekt stellten. «Die Erstfelder Stimmbürger gaben dem Projekt in einer Gemeindeabstimmung im Juni deutlich grünes Licht», erklärt Peter Dittli, Vizepräsident des Verwaltungsrats der KW Erstfeldertal AG.

«Die Einigungen mit den Direktbetroffenen und den Umweltorganisationen waren weitere wichtige Bausteine.» Auch der Urner Landrat erteilte im Oktober 2018 die Konzession ohne Gegenstimme. «Das bestärkte uns darin, dass wir mit dem Projekt richtig liegen», führt Werner Jauch aus. «Aus der Vision Kraftwerk Erstfeldertal kann damit nach gut 100 Jahren bewegter Geschichte doch noch Realität werden.»

Neue AG ist ein Gemeinschaftswerk

Das Kraftwerk Erstfeldertal ist ein Gemeinschaftswerk. Gestern Mittwoch haben die beteiligten Partner EWA, Gemeindewerke Erstfeld, Kanton Uri und Korporation Uri die Kraftwerk Erstfel-dertal AG offiziell gegründet. Anschliessend an die Gründungsversammlung fand bereits die erste Sitzung des Verwaltungsrats der KW Erstfeldertal AG statt. Präsidiert wird der Verwaltungsrat von Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung EWA. Vizepräsident ist Peter Dittli, Geschäftsführer Gemeindewerke Erstfeld. Mitglieder sind Rolf Müller, Generalsekretär Amt für Finanzen Kanton Uri, Kurt Schuler, Verwalter Korporation Uri, sowie Ruedi Cathry, Leiter Installation EWA.

36 Millionen Franken werden investiert

Die Bauarbeiten für das Kraftwerk Erstfeldertal sollen bereits im Juni 2019 beginnen, die Inbetriebnahme der Winterturbine ist für Dezember 2020 geplant. «Wir investieren 36 Millionen Franken in das Kraftwerk Erstfeldertal», erklärt Verwaltungsratspräsident Werner Jauch. «Im Betrieb wird es Strom für rund 7200 Haushalte liefern.» Die Energiestrategie des Kantons Uri wird dieses Jahr zehn Jahre alt. «Der Ausbau der Wasserkraft ist darin eine zentrale Stossrichtung. Das Kraftwerk Erstfeldertal unterstützt zusammen mit den anderen neuen Kraftwerken Bristen, Gurtnellen, Schächen und Palanggenbach diese Strategie und auch die Energiestrategie des Bundes», so Jauch. «Diese Kraftwerke sind wichtige Säulen einer erneuerbaren und sicheren Energieversorgung.»

Darüber hinaus seien die Kraftwerke auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Kanton Uri. Das gilt auch für das Kraftwerk Erstfeldertal. «Der überwiegende Teil der Wertschöpfung soll in und für Uri realisiert werden», führt Werner Jauch aus. «Das Kraftwerk wird pro Jahr rund 500000 Franken Wasserzinsen generieren und für zusätzliche Steuereinnahmen für die Gemeinde Erstfeld und den Kanton Uri sorgen. Und schliesslich sichert das Projekt auch bestehende Arbeitsplätze.»

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