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Älplerwunschkonzert-Moderator: «Einmal im Jahr ist für mich okay»

Beat Tschümperlin hat gestern zum 15. Mal das Älplerwunschkonzert moderiert. Dass es im Festzelt lauter werden kann als bei einem Rockkonzert, darauf hat sich der Radiomann mittlerweile eingestellt.
Bruno Arnold
Beat Tschümperlin hat das Älpler-Wunschkonzert bereits zum 15. Mal moderiert. (Bild: Paul Gwerder (Urnerboden, 6. August 2018))

Beat Tschümperlin hat das Älpler-Wunschkonzert bereits zum 15. Mal moderiert. (Bild: Paul Gwerder (Urnerboden, 6. August 2018))

Das Älplerwunschkonzert auf dem Urnerboden hat für Älpler und Volksmusikfreunde längst den Status eines Feiertags. Das Erfolgsrezept ist relativ einfach: Man nehme zwei urchige Ländlermusikformationen und einen Jodlerklub. Fertig. Am ersten Montag im August werden aber jeweils nicht nur Grussbotschaften live über den Äther verbreitet, auf dem Urnerboden präsentiert sich dann auch eine lebendige Älplerszene. Auch die gestrige 27. Auflage lockte weit über 2000 Leute auf die grösste Schweizer Kuhalp.

Das Älplerwunschkonzert auf dem Urnerboden ist seit den 1990er-Jahren fester Bestandteil des Sommerprogramms von Schweizer Radio SRF. Zum 15. Mal moderierte gestern Beat Tschümperlin die Sendung aus dem Festzelt, wiederum gemeinsam mit seiner Radiokollegin Christine Gertschen. «Dieser Anlass ist dank seiner langen Tradition zu einer echten Kultveranstaltung geworden», sagt Tschümperlin. «Älplerwunschkonzert Urnerboden: Das ist inzwischen ein Begriff, eine eigentliche Marke.» Dies sei wohl auch der Hauptgrund dafür, dass Radio SRF am Standort ennet des Klausenpasses festhalte, obwohl man auch andernorts in der Schweiz Interesse hätte, diesen Anlass durchzuführen. «Es wäre einfach nicht mehr das Gleiche», ist der Moderator überzeugt.

Weit über 2000 Personen sind zum Älplerwunschkonzert auf den Urnerboden gereist, um dort zu tanzen und zu feiern. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Auch die 27. Auflage des Älplerwunschkonzerts auf dem Urnerboden stand ganz im Zeichen der Folklore. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Tanz und Geselligkeit - das suchen und finden die Besucher am Älplerwunschkonzert auf dem Urnerboden. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Mitglieder der einheimischen Vereine sind für die Festwirtschaft am Älplerkonzert auf dem Urnerboden besorgt. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Bereits am Nachmittag herrscht im Festzelt auf dem Urnerboden jeweils Hochbetrieb und ausgelassene Stimmung. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Beat Tschümperlin bei der Arbeit am Regiepult. Zum 15. Mal moderiert er das Älplerwunschkonzert auf Radio SRF. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Auch Älplerprodukte werden auf dem Urnerboden angeboten. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
Am Markt am Älplerwunschkonzert dürfen auch Produkte mit dem Uristier nicht fehlen. (Foto: Paul Gwerder, 6. August 2018)
8 Bilder

So war das Älplerwunschkonzert auf dem Urnerboden

Einheimische und Radioteam verstehen sich blind

Und noch etwas ganz Wichtiges spreche für Kontinuität: «Die ‹Ürnerbeedäler› und wir von Radio SRF verstehen uns blind. Jeder weiss genau, was er wann, wie und wo zu tun hat», so Tschümperlin. Das heisst: Die Mitglieder der einheimischen Vereine organisieren die Infrastrukturen, besorgen den Aufbau und den Rückbau derselben und sind für den Betrieb der Festwirtschaft und den Parkdienst verantwortlich. Das SRF-Team sorgt für die Beschallung und wählt die Formationen aus, die im Festzelt und in der Kirche auftreten.

Das Älplerwunschkonzert wird auf Radio SRF 1 und SRF Musikwelle ausgestrahlt. Im Festzelt trifft man Leute aus fast allen Kantonen an. «Dieser Tatsache versuchen wir bei der Wahl der Formationen, die auf dem Urnerboden auftreten, gerecht zu werden», erklärt Tschümperlin. «Engagiert werden deshalb Formationen aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz.» Gestern waren es das Ländlertrio Echo vom Lizä aus der Innerschweiz, das Berner Schwyzerörgeliquartet Urwurzu und der Jodlerklub Teufen aus dem Appenzellerland. «Die Besucher wollen urchige und ‹tänzige› Musik», weiss der Moderator. «Es darf ‹rumplä, tätschä, johlä, pohlä und chlepfä›. Konzertante Musik hätte am Älplerwunschkonzert keine Chance.»

Mehr Dezibel gemessen als bei Rockkonzert

Bereits am Nachmittag herrscht im Festzelt auf dem Urnerboden jeweils Hochbetrieb und ausgelassene Stimmung. Der Lärm steigt parallel mit der Zunahme des Bier-, Wein- und Kaffee-Schnaps-Verkaufs an. Und dieser Lärmpegel ist denn auch bei der abendlichen Radio-Livesendung das grösste Problem – für die Techniker von Radio SRF und für die Moderatoren. Das ist verständlich, wenn man weiss: Beim Älplerwunschkonzert wurden auch schon mehr Dezibel gemessen als beim Konzert einer Rockband. Ruhiger wird es im Festzelt höchstens, wenn zum Abschluss der Livesendung der Betruf vorgetragen wird, in diesem Jahr von Roland Bischof aus Stein im Appenzellerland. «Da spürt man den Respekt und die Achtung vor der Pflege des Brauchtums», so Tschümperlin. Doch danach gibt es wieder Rambazamba bis in die frühen Morgenstunden.

«Dass uns die Leute während der Livesendung aufmerksam zuhören, müssen wir vergessen», weiss der Moderator. «Small Talk könnten Kollegin Christine Gertschen und ich nicht machen. Wir verstehen einander kaum, schauen einander deshalb genau auf die Lippen. Auch die auftretenden Jodler hören einander auf der Bühne kaum mehr. Solche Auftritte sind natürlich undankbar», so Tschümperlin. Deshalb wurden die Vorträge des Jodlerklubs Teufen gestern Abend erstmals nicht mehr live aus dem Festzelt, sondern aus der Pfarrkirche ausgestrahlt – vermischt mit Festzelt-Ambiente.

«Nur wenige Leute kommen wirklich allein der SRF-Livesendung wegen auf den Urnerboden», glaubt Tschümperlin. «Das Radio hat hingegen zur Popularität des Anlasses beigetragen», ist der Moderator überzeugt. «Die jungen Besucher kommen viel mehr des Fests wegen oder gehen auf dem Urnerboden auf Brautschau.»

Nach zwei Stunden richtig ausgepowert

Der 65-jährige Beat Tschümperlin hat nach seinem Studium der Rechtswissenschaften fünf Jahre als Jurist gearbeitet. Danach hat er zum Radio gewechselt. Seit Ende Mai ist er offiziell pensioniert. Der versierte Kenner der Volksmusik- und Schwingerszene übernimmt aber nach wie vor die Moderation von Liveausstrahlungen. Neben dem Älplerwunschkonzert moderiert er etwa Sendungen wie «Zoogä-n-am Boogä» oder «Potzmusig». «Solange ich gefragt werde, tue ich das gerne.» Auf das Wunschkonzert auf dem Urnerboden freue er sich jedes Jahr wie ein kleines Kind. «Nach der zweistündigen Livesendung bin ich jeweils richtig ausgepowert», erzählt er. «Und nach den anschliessenden Stunden im Festzelt jeweils auch ‹völlig uff dä Weggä›», sagt der Küssnachter. «Jeden Montag möchte ich diesen Stress nicht, aber einmal im Jahr ist das okay», betont er. «Ich brauche jeweils schon einige Monate, um die Spannung wieder aufzubauen. Doch die Faszination Urnerboden lässt mich einfach nicht los. Der Kontrast zwischen der Wucht des Publikums, die einem im Festzelt begegnet, und der andächtigen Ruhe bei den Jodlerkonzerten in der Kirche im Anschluss an die Livesendung ist einfach einmalig, beeindruckend und wunderschön. Das möchte ich nicht missen.»

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