Eishockey
Der HC Ambri-Piotta steht vor epochalem Wandel

Die Valascia ist Geschichte und Ambri zügelt diesen Sommer in die neue Arena. Als erster nationaler Sportverein lanciert er die digitale Ambri-Aktie.

Ruedi Wechsler
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Der HC Ambri-Piotta beim letzten Spiel gegen den HC Fribourg-Gotteron im alten Stadion Valascia.

Der HC Ambri-Piotta beim letzten Spiel gegen den HC Fribourg-Gotteron im alten Stadion Valascia.

Bild: Michela Locatelli/ Freshfocus (5. April 2021)

6775 lautet die Postleitzahl von Ambri. Das ist auch die Zahl des Fassungsvermögens des neuen Stadions. Da die Poststelle in Ambri bald geschlossen wird, will der HCAP die Postagentur im neuen Stadion weiterführen. Weil die neue Valascia ausserhalb des Dorfes auf dem ehemaligen Militärflugplatz gebaut wird, möchte der Verein das Dorf so zu sagen im Stadion integrieren. Deshalb haben sich die Biancoblù entschieden, 6775 Aktien für die neuen Eigentümer zeichnen zu lassen.

Der HCAP bereitet sich auf einen epochalen Wandel vor. Der Umzug auf die andere Talseite, in den von Stararchitekt Mario Botta entworfenen multifunktionalen Bau, ist eine riesige Herausforderung. Die wirtschaftliche Situation bleibt angespannt, fehlen doch die Einnahmen aus Hospitality, Gastronomie und Ticketing der letzten Saison. Vor dem ersten Puckeinwurf in der neuen Arena werden Altlasten und Schulden bereinigt und ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Kapitalerhöhung dient dazu, den Jugendsektor zu unterstützen und eine wettbewerbsfähige und prosperierende Zukunft des Teams zu garantieren. Nicht nur die neue Arena wird ein erdbebensicheres Fundament erhalten, auch der Klub soll mit dieser Aktion die Sicherheit für den soliden finanziellen Grundstein erhalten.

Adrian Gassmann, Chief Marketing Officer HCAP, spricht von einer grossen Solidarität im Verein.

Adrian Gassmann, Chief Marketing Officer HCAP, spricht von einer grossen Solidarität im Verein.

Bild: PD

Dramatische Situation

Adrian Gassmann, Chief Marketing Officer, spricht von einer angespannten Situation: «Bis heute haben wir betreffend der A-fonds-perdu-Beiträge weder einen Entscheid noch Gelder aus Bundesbern erhalten. Diese Gelder würden für etwas Entspannung sorgen.» Alle Angestellten des Vereins ab einem Jahreseinkommen von über 84'000 Franken verzichteten freiwillig auf einen Teil des Lohns. Die Solidarität unter den Spielern und im Verein sei riesig. Somit konnten bis heute immer alle Löhne überwiesen werden.

Anfangs der Pandemie wurde ein Notkredit gesprochen und aktiviert, der den Sommer und den Saisonstart 2020 ermöglichte. Die A-fonds-perdu-Beiträge werden für die Rückzahlung dieses Kredits benötigt. Sie kompensieren das fehlende Ticketing während dieser Saison. Zur Frage, warum der digitale Weg zur Aktienzeichnung eingeschlagen wurde, sagt Gassmann: «Wir erreichen damit ein breites Publikum auf der ganzen Welt. Personen aus Deutschland, Italien, Südafrika und den USA sind bereits neue und stolze Besitzer von Ambri-Aktien», so Gassmann. «Die Zeichnung ist gut angelaufen und bis heute haben wir 30 Prozent der Aktien verkauft. Die Aktion läuft noch bis im Oktober 2021.»

Kartenverkauf für Saison 2021/22 ist erfolgreich gestartet

Der Verwaltungsrat entschied an der Generalversammlung 2019 den Nennwert einer Aktie von 25 auf 75 Franken zu erhöhen. Auch der Kartenverkauf für die Saison 2021/22 ist erfolgreich gestartet und dazu äussert sich Adrian Gassmann erfreut: «Langjährige Abonnenten sicherten sich bereits ihren Sitzplatz und wünschen noch mehr Karten für ihr Umfeld. Der Komfort im Neubau scheint die Fans zu beflügeln. Unser Minimalziel bis zum Start der neuen Saison ist der Verkauf von 3500 Abos.» Die Bauleitung sei zum heutigen Zeitpunkt sehr angespannt und gefordert. Es gilt, den Termin- und Zeitplan sowie das Budget einzuhalten, ergänzt Adrian Gassmann.

Der HCAP ist national der erste Sportverein, der mit einer innovativen Initiative sein Kapital durch die Ausgabe von digitalen Aktien, die auf Blockchain-Technologie basieren, erhöht. Er bietet der weissblauen Fangemeinde ein sogenanntes «Equity Crowdfunding» an, unter der Plattform daura.ch.