EISHOCKEY: «Für Ambri beginnt die Saison jetzt neu»

Trainerwechsel, finanzielle Sorgen, neues Stadion: Ambri-Präsident Filippo Lombardi spricht über die Situation des Klubs und die Rolle des Kantons Uri.

Sven Aregger
Drucken
Teilen
Filippo Lombardi: «Die entscheidenden Monate fürs neue Stadion stehen noch bevor.» (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Filippo Lombardi: «Die entscheidenden Monate fürs neue Stadion stehen noch bevor.» (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Der Saal des Hotels Waldstätterhof in Brunnen ist am Samstagabend in blaues Licht getüncht – ganz im Sinne der Biancoblu. Ein Saxofonist spielt jazzige Melodien, während sich Spieler, Funktionäre und Sponsoren in edlem Zwirn um die Tische gruppieren. Mitten unter den Leuten steht der neue Trainer Hans Kossmann und sagt mit einem Schmunzeln: «Ich bin froh, dass ich heute Deutsch reden kann, mein Italienisch ist nämlich noch nicht so toll.»

Mit der zweiten Gala in Brunnen will der HC Ambri-Piotta seine Beziehungen zur Deutschschweiz verstärken. In gediegener Dinner-Atmosphäre führt Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi durch den Abend, der mit Comedy und Livemusik aufgepeppt wird. Ambri-Präsident Filippo Lombardi trifft verspätet ein, der Tessiner CVP-Ständerat hat an einer Wahlkampfveranstaltung teilgenommen. Er begrüsst zuerst alle Gala-Gäste persönlich, vor dem Essen nimmt er sich aber noch Zeit für ein Interview.

Filippo Lombardi, Ambri-Piotta hat sportliche und finanzielle Sorgen. Macht Ihnen die Arbeit als Präsident noch Spass?

Filippo Lombardi: Spass und Sorgen sind bei Ambri immer miteinander verbunden. Sobald wir jeweils ein Problem gelöst haben, ist der Spass wieder da.

Ein Problem lösten Sie kürzlich mit dem Trainerwechsel ...

Lombardi: ... und das stimmt mich sportlich wieder zuversichtlich. Ich spüre, dass die Mannschaft gut darauf reagiert.

Hans Kossmann, als harter Hund bekannt, ersetzt Serge Pelletier nach harzigem Saisonstart. Was erwarten Sie von ihm?

Lombardi: Ein neuer Trainer bringt neue Energie und neue Impulse. Abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Arno Del Curto beim HC Davos gibt es Zyklen in der Zusammenarbeit zwischen Trainer und Mannschaft. Nach einigen Jahren braucht es oft eine Veränderung, das ist auch in Ambri so. Wir erwarten von Kossmann eine härtere und präzisere Detailarbeit und eine bessere technische Vorbereitung auf dem Eis. Jetzt müssen wir die Nationalmannschaftspause gut nutzen.

Sind die Playoffs realistisch?

Lombardi: Wenn wir die Tabelle anschauen, sind sie sehr realistisch. Aber es wird kein Spaziergang, wir müssen kämpfen. Für uns beginnt die Saison jetzt neu.

Im vergangenen Jahr hat der Klub einmal mehr einen Millionenverlust verbucht. Wird Ambri mit dem neuen Stadion wieder schwarze Zahlen schreiben können?

Lombardi: Das kann ich nicht versprechen. Aber die Erfahrungen der anderen Klubs, die neue Stadien gebaut oder sie renoviert haben, zeigen, dass es möglich ist, 2 bis 3 Millionen Franken Mehreinnahmen zu generieren. Das war der Fall in Rapperswil, in Zug, Langnau und Biel. Und in Fribourg und Genf sehen die Prognosen ähnlich aus. Damit würde sich unsere finanzielle Lage endlich verbessern.

Im Gegenzug befürchten Fans, dass der Mythos Ambri mit der altehrwürdigen Valascia verloren geht.

Lombardi: Das glaube ich nicht. Gemeinsam mit unserem Architekten Mario Botta achten wir darauf, dass wir ein kompaktes Stadion bauen, in dem die Fans nach wie vor eine Einheit bilden können.

Aufgrund von Liga-Bestimmungen muss das neue Stadion auf die Saison 2018/19 in Betrieb gehen. Botta hat für die Projektierung ein Direktmandat erhalten, damit aus Zeitgründen auf einen Architekturwettbewerb verzichtet werden konnte. Wie wird der Stararchitekt finanziert?

Lombardi: Bottas Projektierung wird von privaten Gönnern bezahlt. Diese Kosten fliessen also nicht in die Rechnung des Stadionbaus. Allerdings erhalten wir keine Subventionen. Das war die Bedingung, dass wir Botta ein Direktmandat geben und auf eine Ausschreibung verzichten konnten.

Im Frühling sollen die Bauarbeiten beginnen. Was kann dem 45 Millionen Franken teuren Sportkomplex noch in die Quere kommen?

Lombardi: Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende Jahr die Baubewilligung erhalten. Sobald die Bewilligung vorliegt, können wir die Vorgespräche für die Finanzierung in Verträge umwandeln. Die entscheidenden Monate stehen uns also noch bevor. 40 Prozent sollen von der öffentlichen Hand finanziert werden, der Rest über Sponsoring. Die Aussichten sind gut, aber noch fehlen die Verträge.

Was passiert mit dem Stadion, wenn Ambri absteigen sollte?

Lombardi: Diese Frage stellt sich nicht. (schmunzelt)

Neben Ambri buhlen im Tessin auch der HC Lugano und der FC Lugano um Sponsoren im Probebetrieb. Es dürfte schwierig sein, neue Partner zu finden.

Lombardi: Der Wettbewerb um finanzielle Ressourcen ist tatsächlich gross. Ich bin immer etwas neidisch, wenn ich etwa die privilegierte Lage des HC Fribourg-Gottéron sehe, welcher der einzige NLA- und NLB-Klub im ganzen Kanton ist – und zwar im Hockey und im Fussball. Das Sponsoring ist auf einen Verein konzentriert, das macht es natürlich einfacher.

Ambri hat seine Beziehungen zur Deutschschweiz lange vernachlässigt. Erst jetzt werden sie wieder vermehrt gepflegt, zum Beispiel mit der Gala in Brunnen. Was lässt sich damit erreichen?

Lombardi: Langsam entwickelt sich in der Zentralschweiz eine wirtschaftliche Gemeinschaft rund um den HC Ambri-Piotta. So haben wir das Sponsoring bereits beachtlich steigern können. Wir wissen, dass wir in der deutschen Schweiz mehr tun müssen. Es gibt noch viel Potenzial. Gerade mit dem neuen Stadion wird es einfacher sein, Sponsoren zu finden. Deswegen kommt die Halle zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Bedeutung hat der Kanton Uri mit seinen vielen Ambri-Fans für den Leventiner Verein?

Lombardi: Wir spüren die enorme Sympathie, viele Urner unterstützen unser Team in der Valascia. Aber wie die Leventina ist der Kanton Uri kein wirtschaftliches Schwergewicht. Wir müssen in der ganzen Zentralschweiz Sponsoren holen, ja sogar bis nach Zürich. Der Kanton Uri ist für uns wichtig als Brücke zur restlichen Deutschschweiz.
 

Sven Aregger