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Urnerboden-Alpfahrt:
Kuh Elka gibt den Takt vor

Seit Mittwoch, 6. Juni, sind rund 1200 Kühe auf dem Urnerboden, der grössten Kuhalp der Schweiz. Die Familie Marty aus Altdorf geht den langen Weg mit ihren Kühen noch immer zu Fuss.
Christof Hirtler
Das Sennten der Famillie Marty passiert die Schneefelder nach der Klausenpasshöhe. (Bild: Christof Hirtler, Klausenpass, 5. Juni 2018)

Das Sennten der Famillie Marty passiert die Schneefelder nach der Klausenpasshöhe. (Bild: Christof Hirtler, Klausenpass, 5. Juni 2018)

Dienstag 5. Juni 2018, 11 Uhr: Vortag der Alpfahrt auf den Urnerboden. Auf der Klausen-Passstrasse ist viel Verkehr unterwegs: Geländewagen mit Viehanhängern, der Besamer von Swissgenetics, ein Eichhof-Lastwagen, der Bus des Lebensmittelgeschäfts Simmen, aber auch Viehtransporter der Firmen Gisler und Zgraggen.

Die Familie Marty – Pia, Nina, Karl, Toni und Alexander – sowie einige Helferinnen und Helfer sind bereits seit 4 Uhr morgens unterwegs. Vorfahren nennt man das: In zwei Etappen geht es zu Fuss mit den Tieren auf den Urnerboden, «ds Alp fahrä» wie früher. Am offiziellen Alpfahrtstermin vom Mittwoch, 6. Juni, sind die Martys so rechtzeitig auf dem Urnerboden und verlieren keinen Alptag.

17 Kühe sind zu Fuss unterwegs

Die Martys sind die einzigen, welche die Strecke vom Urner Talboden auf den Urnerboden mit ihren Kühen noch immer zu Fuss bewältigen. 17 Kühe sind an der Alpfahrt 2018 dabei. Elka, die Kuh mit der grössten Treichel, geht die ganze Strecke voraus – schön langsam, stetig vorwärts, ohne Hektik. Pia hat den Picknickkorb dabei, mit Schinkenbrötchen, Urner Kaffee, Cola, Citro und Grapefruit. Während die Kühe grasen, reichts für eine Stärkung und einen kleinen Schwatz.

1500 Höhenmeter sind zu bewältigen, 27 Kilometer lang ist die Strecke, oft geht’s über Asphalt, aber wann immer möglich «diretissima»: über die Witterschwanden-Gasse nach Spiringen, über die Getschwiler-Gasse nach Urigen und nach der Passhöhe über die Schneefelder Richtung Vorfrutt. Alexander fährt mit dem Traktor und dem Viehanhänger über die kurvenreiche Passstrasse, transportiert vier Kälber und zwei Kühe. Um 13.30 Uhr erreichen die Martys mit ihren Kühen das Tagesziel, die Klus zwischen Passhöhe und Urnerboden.

Die letzten Meter zum Geniessen

Mittwochmorgen, 6. Juni, 4.30 Uhr, Balm am Klausenpass: Der Mond hängt wie ein heller Lampion über dem Clariden. Blau leuchtet der Gletscher, in den Ställen brennen Lichter. Fahrtreicheln sind zu hören, ein Sennten ist bereits unterwegs. In der Klus treiben die Martys kurz vor 6 Uhr die Kühe aus dem Stall. Es ist nicht mehr weit. Nur noch ein paar Kehren, an der Jägerbalm vorbei, durch den Wald. Bei der Waldhütte zeigt sich die weite Ebene des Urnerbodens.

Um 6.45 erreichen die Treiber und das Sennten ihr Ziel, die Marty-Hütte im Obersten Wang. Um 7 Uhr stehen beim «ausrangierten» Hotel Tell an der Passstrasse auf dem 1372 Meter über Meer gelegenen Urnerboden einige Pensionierte mit Feldstechern. Sie kommentieren die ankommenden Sennten, kennen jeden Älpler mit Übernamen. Grüsse fliegen hin und her, ein kurzer Schwatz.

Alpsommer hat definitiv begonnen

Bei der Alpkäserei fahren derweil ein paar Älpler mit Anhängern vor, liefern Milch ab. Um 8 Uhr öffnet der Laden. Im Frühsommer ist die tägliche Milchmenge enorm: Von den 17'000 Kilogramm Milch werden täglich 12'000 Kilogramm in der Alpkäserei Urnerboden verkäst und zu weiteren Alpprodukten verarbeitet. Der Überschuss, rund 5000 Kilogramm Milch, wird zur Caseificio del Gottardo nach Airolo transportiert. Der Alpsommer 2018 auf dem Urnerboden hat definitiv begonnen.

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