Energie: Uri nutzt das Potenzial des Urnersees noch zu wenig

Eine Broschüre zeigt die Nutzung des Vierwaldstättersees auf. Was andernorts bereits Erfolg hat, muss in Uri erst noch Abnehmer finden.

Florian Arnold
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Der Urnersee könnte auch für die Wärmegewinnung genutzt werden. Noch fehlen Projekte.

Der Urnersee könnte auch für die Wärmegewinnung genutzt werden. Noch fehlen Projekte.

Bild: PD

Der Vierwaldstättersee birgt nicht nur Potenzial, was den Tourismus angeht. Er ist auch ein idealer Energielieferant. Wie man dieses Potenzial ausschöpft, zeigt ein Projekt am Luzerner Seebecken: Bald schon sollen 3700 Haushalte damit ökologisch beheizt werden. Und so funktioniert's: Nach demselben Prinzip, wie Wärmepumpen arbeiten, wird Wasser aus 30 bis 40 Metern Tiefe zu einer Wärmezentrale befördert. Dieses hat das ganze Jahr über eine konstante Temperatur. Über Wärmetauscher wird schliesslich die Energie in die Haushalte verteilt. Im Sommer kann damit auch gekühlt werden. Näher beleuchtet wird das Projekt in der neuen Broschüre der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee, die nun erschienen ist.

Auch am Urnersee besteht ein grosses Potenzial für derartige Projekte, sagt Alexander Imhof, Vorsteher des Amts für Umweltschutz. Laut Berechnungen von 2014 hätte der Urnersee ein Wärmepotenzial, mit dem der gesamte Bedarf des Kantons Uri beinahe doppelt abgedeckt werden könnte, ohne dass sich die Seetemperatur signifikant verändern würde. Zudem hat die Firma Oeko Energie 2016 das Potenzial einer Realisierung in Flüelen ausgelotet, kam allerdings zum Schluss, dass ein Projekt nicht wirtschaftlich sei. Auf Nachfrage heisst es, die Idee behalte man im Hinterkopf. Wenn sich die Situation in Sachen Fördergelder ändere oder ein Investor auftauche, könne man die Idee wieder aufgreifen. Auf einen Vorstoss von alt Landrat Christoph Schillig (Grüne, Flüelen) hatte die Urner Regierung untersucht, ob eine Erschliessung bis nach Altdorf Sinn machen würde. Sie kam jedoch ebenfalls zum Schluss, dass dies nicht wirtschaftlich sei.

«Der Bau einer Anlage macht natürlich nur Sinn, wenn viele Nutzer daran angeschlossen werden können und sich diese in der Nähe des Ufers befinden», erklärt Alexander Imhof. Potenzial sieht er deshalb bei grösseren Überbauungen und Erschliessungen in den Seegemeinden. Dass beispielsweise eine neue Sporthalle, wie sie in Flüelen angedacht ist, mit einer solchen Anlage beheizt oder gekühlt werden könnte, schliesst Imhof nicht aus. «Aber dort lässt sich der Bedarf wohl auch mit einer Solar- oder Fotovoltaikanlage abdecken, da für eine Sporthalle nicht allzu viel Wärme benötigt wird.»

Im jährlich erscheinenden Magazin der Aufsichtskommission des Vierwaldstättersees (AKV) wird ausserdem aufgezeigt, wie die Anrainerkantone des Sees für eine ökologische Aufwertung sorgen. Paradebeispiel dabei ist das Urner Reussdelta. Auch in Obwalden wird derzeit ein spannendes Projekt umgesetzt: Am Südufer des Alpnachersees werden wertvolle Flachwasserzonen und auch Flachmoore geschaffen. Dafür werden im Bereich der Mündungsbucht der Sarneraa gezielte Seeschüttungen vorgenommen. Verwendet wird sauberes Ausbruchmaterial von Grossbaustellen. Die AKV wirkt unterstützend, zum Beispiel mit der koordinierten Erhebung von erforderlichen Grundlagendaten.

Aufsichtskommission Vierwaldstättersee

Eine Hauptaufgabe der Aufsichtskommission ist der Gewässerschutz rund um den Vierwaldstättersee. Für die thermische Nutzung des Wassers hat die AKV Richtlinien verabschiedet, damit das Ökosystem See auf lange Sicht geschützt bleibt.

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