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Entwicklung in Andermatt: Tristesse weicht einer Aufbruchsstimmung

Wie denkt Andermatt fünf Jahre nach der Eröffnung des «The Chedi» über seine Transformation? Hat diese überhaupt stattgefunden? Und zu welchem Preis? Diese und weitere Fragen wurden an einer Podiumsdiskussion erörtert.
Urs Hanhart
Im Kino Leuzinger in Altdorf diskutieren Joel Regli (von links), Max Germann und Heidi Z’graggen in einer Podiumsrunde über die Entwicklung in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 26. Juni 2019)

Im Kino Leuzinger in Altdorf diskutieren Joel Regli (von links), Max Germann und Heidi Z’graggen in einer Podiumsrunde über die Entwicklung in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 26. Juni 2019)

Vertreter der Produktionsfirma des Dokfilms «Andermatt – Global Village» gingen am vergangenen Mittwoch, 26. Juni, zusammen mit einer Klasse der Kantonsschule Wil (SG) der Frage nach, was sich seit der Eröffnung des Luxushotels The Chedi im Ort verändert hat.

Die Schüler führten Interviews mit Dorfbewohnern und bearbeiteten anschliessend ihre Text- und Videobeiträge. Ursprünglich sollte am selben Abend im Kino Leuzinger in Altdorf eine Auswahl davon präsentiert werden. Allerdings wurde daraus nichts. Es gab nur eine ganz kurze Sequenz zu sehen. Stattdessen stand eine öffentliche Podiumsdiskussion im Zentrum, an der sich Heidi Z’graggen, Regierungsrätin, Max Germann, Architekt «The Chedi», Stefan Kern, Kommunikationschef Andermatt Swiss Alps, Joel Regli, Gastrounternehmer, und Leonidas Bieri, Regisseur des Streifens «Andermatt – Global Village», beteiligten. Mit einbezogen wurden auch die Schüler. Sie konnten Fragen stellen und Inputs liefern. Die Schüler-Beiträge sollen schon bald auf www.gobate.org zu sehen sein.

Angst vor dem St. Moritz-Effekt

Z’graggen wies darauf hin, dass vor der Ära Sawiris in Andermatt Abwanderung, Tristesse und Traurigkeit geherrscht hätten. Heute sei die Situation ganz anders. «Die Bevölkerung hat wieder Selbstvertrauen bekommen», betonte die Regierungsrätin. «Es ist auch im Dorf wieder investiert worden. Das hat für Impulse gesorgt und das Dorf vorwärtsgebracht.» In den vergangenen Jahren sei sehr viel Positives entstanden. Das Grossprojekt von Samih Sawiris sei ein Glücksfall für Andermatt und das ganze Urserntal. Bieri meinte, der Bevölkerung sei seinerzeit gar nichts anderes übrig geblieben, als dem Projekt zuzustimmen – getreu dem Motto «Vogel friss oder stirb».

Bei seinem jüngsten Besuch in Andermatt habe er festgestellt, dass der Verdrängungsmechanismus durchs Geld ein Problem sei. Man befürchte einen St. Moritz-Effekt, dass sich die Einheimischen das Leben im Dorf nicht mehr leisten könnten. «Ich sehe momentan keine Lösung dieses Problems», so Bieri. Es brauche flankierende Massnahmen. Z’graggen gab zu bedenken, dass es die Bevölkerung selber in der Hand habe, die Quote für den Erstwohnungsanteil, der momentan bei 50 Prozent liegt, zu erhöhen. Regli sagte, dass gemäss seiner Einschätzung die positiven Aspekte durch das Tourismusprojekt überwögen. «Im Moment ist der Druck noch nicht so gross wie andernorts. Aber wir müssen aufpassen, dass sich das nicht ändert und die Einheimischen weiterhin Platz haben», so der Gastrounternehmer.

Skigebiet vor der Pleite gerettet

Kern machte darauf aufmerksam, dass die Mehrheit der Ferienwohnungskäufer Schweizer seien. 45 Prozent seien Ausländer. Darüber hinaus stellte er klar: «‹Andermatt Swiss Alps’ (ASA) ist zwar die grösste Investorin. Aber es ist bei weitem nicht so, dass sie die ganze Gemeinde unter Kontrolle hat», so Kern. «Das einzige, was die ASA kontrolliert, ist das Skigebiet. Gott sei dank, denn sonst wäre es schon längst pleite.»

Germann brachte mit den globalen Einflüssen bei der Architektur noch einen anderen Aspekt aufs Tapet. Die Schweizer Architekten hätten eine Innensicht und eine Botschaft. Genau dies wolle das Projekt aber nicht. Berücksichtigt werde auch die Aussensicht der Schweiz. «Wir hatten einen bereichernden Austausch mit Kollegen aus der ganzen Welt. Das war einer der grossen globalen Effekte dieses Projekts», so Germann.

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