Das grösste Urner Kulturhaus steht vor ungewissen Zeiten

Das Theater Uri schliesst die Rechnung trotz Corona mit einem Gewinn ab. Im Budget wird aber ein Minus prognostiziert.

Markus Zwyssig
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Philipp Sicher: «Im Theater Uri wird alles gemacht, um ein kulturelles Weiterleben einigermassen zu ermöglichen.»

Philipp Sicher: «Im Theater Uri wird alles gemacht, um ein kulturelles Weiterleben einigermassen zu ermöglichen.»

Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 22. Oktober 2020)

Philipp Sicher, Präsident des Forums Theater Uri, verglich an der GV die Situation im vergangenen März mit einem Crashtest in der Automobilindustrie: in voller Fahrt gestoppt, hin und her geschüttelt, und zwar so, dass man nicht mehr weiss, wo einem der Kopf steht. Auch das Theater Uri wurde ausgebremst. Inzwischen ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. «Vieles wurde dank der unterstützenden Airbags und Pflaster überbrückt. Aber leider ist das Virus nicht nur ein Crashtest», so Sicher. «In der Zwischenzeit haben wir Massnahmenpläne und Sicherheitskonzepte erarbeitet.» Im Theater Uri werde alles gemacht, um ein kulturelles Weiterleben einigermassen zu ermöglichen. Sicher bedankte sich beim Vorstand und bei der Leitung des Theaters Uri mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Trägerschaften, Partner und Sponsoren würden das Haus grosszügig unterstützen.

Michel Truniger: «An einen normalen, unbeschwerten Theateralltag können wir bis heute nicht denken.»

Michel Truniger: «An einen normalen, unbeschwerten Theateralltag können wir bis heute nicht denken.»

Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 22. Oktober 2020)

Mehr als 40 Veranstaltungen sind ausgefallen

Michel Truniger, Leiter im Haus für Kunst Uri, zeigte auf, dass über 40 Veranstaltungen im Theater Uri nicht stattfinden konnten. «An einen normalen, unbeschwerten Theateralltag können wir bis heute nicht denken.» Jetzt sei man bereits wieder an einem Punkt, an dem das Pendel in alle Richtungen schlagen könne. «Im Moment können wir mit erhöhten Schutzmassnahmen den Betrieb noch aufrechterhalten», so Truniger. Wie lange noch, stehe in den Sternen. Die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit und des Kantons Uri würden konsequent umgesetzt. Im Haus gilt für alle Veranstaltungen eine Maskenpflicht. Zudem wurde die Bar geschlossen.

Finanzchef Markus Baumann blickte auf ein turbulentes Jahr zurück. Bei einem Aufwand von 912'128 Franken und einem Ertrag von 945'397 Franken resultiert in der Jahresrechnung 2019/2020 ein Gewinn von 33'268 Franken. «Das ist sehr erfreulich», sagte Baumann. So verzeichnete man im vergangenen Herbst und Winter im Haus bei den Eigenveranstaltungen sehr gute Besucherzahlen. Trotz Einbruch wegen Corona wurden schliesslich 39'000 Franken mehr als erwartet erwirtschaftet. Bei den Gastveranstaltungen waren es – vor allem coronabedingt – 33'000 Franken weniger als budgetiert. Die Jahresrechnung schliesst jeweils Ende Juni. Die Zahlen wurden einstimmig gutgeheissen.

Für das Budget 2020/2021 wird mit einem Verlust von 16'100 Franken gerechnet. Bei den Veranstaltungen wurde sehr verhalten budgetiert. Bei der Bar wird mit einem Minus von 30 Prozent gerechnet.

Marlies Rieder vom Gemeinderat Altdorf zeigte sich beeindruckt, wie im Theater Uri die Coronakrise gemeistert wird. Sie hoffe, dass es, wenn es auch zurzeit nicht so aussehe, bald vorwärtsgehe und der unbeschwerte Theatergenuss möglich werde.

Ausfallentschädigungen im Kulturbereich

Als der Bund Ausfällentschädigungen gesprochen hat, stellte er die Bedingung, dass der Kanton denselben Betrag gibt. Innerhalb einer Woche wurde eine halbe Million Franken aus dem Budget des Kantons Uri gesprochen. Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport, zeigte sich darüber sehr erfreut. «Das ist ein grosses Zeichen für den Wert, den der Landrat und der Regierungsrat der Kultur in Uri beimessen.» Nun gibt es ein Covid-19-Gesetz und dazu eine Kulturverordnung. Die Ausfallentschädigungen bedingen ebenfalls wieder, dass der Kanton seinen Beitrag leistet. Ein entsprechender Antrag soll im Rahmen des Kantonsbudgets beraten werden.

Uri ist neben Schwyz der einzige Kanton, der noch kein Kulturförderungsgesetz hat. Das soll sich nun ändern. Die Vernehmlassung zum entsprechenden Gesetzesentwurf wurde abgeschlossen. Das Echo sei fast ausnahmslos positiv gewesen – mit ein paar Vorbehalten, so Aschwanden. Das Gesetz wird im kommenden Jahr dem Landrat vorgelegt. Sagt dieser Ja, entscheidet das Volk darüber.

Das Trio Luna del Alba präsentiert sich mit viel Leidenschaft.

Das Trio Luna del Alba präsentiert sich mit viel Leidenschaft.

Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 22. Oktober 2020)

Im Anschluss an die Generalversammlung lud das Forum Theater Uri seine Mitglieder und Gäste zu einem Flamencoabend voller Leidenschaft ein. Auf der Bühne präsentierte sich das Trio Luna del Alba mit Flamencosängerin Esrin Sossai, Gitarrist Daniel Portmann und Flamencotänzerin Ladina Bucher.

Flamencotänzerin Ladina Bucher.

Flamencotänzerin Ladina Bucher.

Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 22. Oktober 2020)