Uri

EWA-Gruppe überschreitet erstmals die 100-Millionen-Grenze

Das Marktumfeld war anspruchsvoll, das Ergebnis lässt sich sehen. Die Investitionen liegen bei rund 32 Millionen Franken.

Markus Zwyssig
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Von links: Regierungsrat Roger Nager, Rolf Infanger, Präsident der Korporation Uri und Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWA bei der Einweihung des Kraftwerks Schächen.

Von links: Regierungsrat Roger Nager, Rolf Infanger, Präsident der Korporation Uri und Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWA bei der Einweihung des Kraftwerks Schächen.

Bild: Urs Hanhart (19. September 2020)

«Es war ein herausforderndes, anspruchsvolles Geschäftsjahr», sagte Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung der EWA-Gruppe, am Freitag vor den Medien. Trotzdem wurde ein solides Unternehmensergebnis erzielt. Die Gesamtleistung überschritt erstmals in der Unternehmensgeschichte mit 101,7 Millionen Franken die 100-Millionen-Franken-Schwelle. Das Geschäftsjahr war geprägt von Investitionen von rund 32 Millionen Franken. Damit wurde das Niveau des Vorjahrs gehalten. Das ist auch erfreulich für die einheimische Wirtschaft. «Rund 80 Prozent, also der mit Abstand grösste Teil dieser Investitionen, bleibt in Uri», sagte Jauch. Die gesamte Wertschöpfung der EWA-Gruppe belief sich im Geschäftsjahr 2019/20 auf 45,7 Millionen Franken.

Die Inbetriebnahme des KW Schächen, die früher als geplant erfolgte, schuf zusammen mit einer hohen Verfügbarkeit der Anlagen von über 99 Prozent und einer optimalen Bewirtschaftung die Basis für einen neuen Höchstwert bei der Stromproduktion mit 301 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht einem Plus von 15,3 Prozent. Mit dem Kraftwerk Erstfeldertal, das im 19. November erstmals ans Netz ging und dem Kraftwerk Palanggenbach, für das im Juli der Spatenstich erfolgte, wird EWA die Wasserkraft noch verstärkt ausbauen können. Neben den Wasserkraftwerken hat EWA auch die Stromproduktion mit Fotovoltaikanlagen stark ausgebaut.

Werner Jauch, Vorsitzender der EWA-Geschäftsleitung, bei den Wärmepumpen in der neuen Überbauung Winterberg in Altdorf.

Werner Jauch, Vorsitzender der EWA-Geschäftsleitung, bei den Wärmepumpen in der neuen Überbauung Winterberg in Altdorf.

Bild: PD (Altdorf, 3. Dezember 2020)

Mit 75 Lernenden grösster Ausbildungsbetrieb im Kanton Uri

Der gute Geschäftsgang wirkt sich auch auf die Mitarbeiterzahlen positiv aus. Die EWA-Gruppe zählt 343 Mitarbeiter. Das sind 10 Personen mehr als im Vorjahr. «Wir konnten in den vergangenen 5 Jahren im Schnitt jährlich 10 neue Stellen schaffen», sagte Jauch nicht ohne Stolz. «Und wir bilden als Uris grösster Ausbildungsbetrieb aktuell 75 Lernende in 12 verschiedenen Berufen aus. Zusammen mit 9,4 Millionen Franken Leistungen an die öffentliche Hand erbringen wir einen wichtigen Beitrag an die Urner Volkswirtschaft.»

Stromausfall vom 10. Februar: «Gravierende Störung»

Werner Jauch kam auch auf den Blackout vom 10. Februar zu sprechen. In Gurtnellen riss während des Sturms Sabine ein Leiterseil der 220-Kilovolt-Leitung von Swissgrid zwischen dem Unterwerk Göschenen und dem Unterwerk Plattischachen. Ein Erdschluss löste in der Folge einen kleinflächigen Waldbrand aus. Als Folge des Schadens gab es automatische Ausschaltungen der 220-kV-Leitungen von Swissgrid zwischen Ingenbohl und Plattischachen, zwischen Mettlen und Plattischachen sowie zwischen Ingenbohl und Mettlen.«Beim Stromausfall im ganzen Kanton handelte es sich um eine sehr gravierende Störung», so Jauch. «Dass der ganze Urner Ring der Energieversorgung ausfällt, ist sehr untypisch». Das Ereignis sei denn auch von Swissgrid genau untersucht worden.

Das EWA-Know-how in der Elektrogebäudetechnik fliesst in die Infrastruktur-Grossprojekte in Uri ein: Beim neuen Kantonsspital, bei der Basis 57 oder bei der neuen Urner Kantonalbank am Bahnhof Altdorf ist EWA federführend in Arbeitsgemeinschaften zusammen mit anderen Urner Unternehmen tätig.

«Die Nutzung der Wasserkraft bleibt die Basis für die Stromproduktion», versicherte Jauch. Aber auch die effiziente Nutzung der Energie ist für das Unternehmen ein wichtiges Ziel. So hat EWA in der neuen Überbauung Winterberg in Altdorf eine weitere dieser integrierten Gesamtenergielösungen realisiert. Neben «URstrom» aus erneuerbarer Quelle ist erneuerbare Wärme und Kälte bei diesen Lösungen ein zentrales Thema. «Wir wollen die Energiewende aktiv vorantreiben», so Jauch. «Unser Ziel ist die CO2-freie Energieversorgung von Gebäuden.» Erreicht werden soll dies mit «URstrom»-Produkten, Fotovoltaikanlagen, erneuerbarer Wärme und Kälte mittels Wärmepumpen, E-Mobilität bis hin zum E-Carsharing.

EWA setzt auch auf die Energiegewinnung aus Wasserstoff

Die EWA-Gruppe interessiert sich für die Energieanwendungen mit Wasserstoff und das Betreiben einer sogenannten Power-to-Gas-Anlage. «Wir haben weitere technische Studien durchgeführt und arbeiten hierzu auch mit der Hochschule Luzern zusammen», so Jauch. Derzeit sei die Nachfrage noch zu klein. «Unser Ziel ist es aber, das Projekt weiter voranzutreiben. In zwei bis drei Jahren könnten wir bereit sein.» Der Wasserstoffmarkt befindet sich noch im Aufbau und werde vor allem aus dem asiatischen Raum getrieben. «Herausforderung ist es, im richtigen Moment auf die richtige Produktionstechnologie zu setzen.»