Projekt Meyerhof soll mit fast 387'000 Franken unterstützt werden

Der Landrat befindet über einen Kantonsbeitrag an die Restaurierung des ehemaligen Hotels in Hospental. Damit werden denkmalpflegerische Massnahmen unterstützt. Gerechnet wird insgesamt mit Kosten von über 10 Millionen Franken.

Markus Zwyssig
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Das ehemalige Hotel Meyerhof in Hospental wird saniert.

Das ehemalige Hotel Meyerhof in Hospental wird saniert.

Pd / PD

Das ehemalige Hotel Meyerhof in Hospental steht seit Jahren leer und droht zu zerfallen. Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte. 1861 fertiggestellt, gehört es zu den ältesten Hotelbauten im Urserntal. Gleichzeitig ist es in der Region das einzige historische Hotel, das praktisch in originalem, wenn auch beschädigtem Zustand bis heute erhalten geblieben ist. Die Gamma AG Immobilien, Schattdorf, als Liegenschaftseigentümerin beabsichtigt, das Gebäude zu restaurieren und umzubauen.

Im Erdgeschoss mit seiner historisch bedeutsamen Ausstattung und der Veranda ist eine Gastronomie- beziehungsweise Gewerbenutzung vorgesehen. In den Ober- und Dachgeschossen sollen in der historischen Struktur zehn 2½-Zimmer-Wohnungen und drei 3½-Zimmer-Wohnungen entstehen und als Ferienwohnungen verkauft werden. Justizdirektor Daniel Furrer spricht auf Anfrage von einem «kulturhistorisch wichtigen Projekt und von einer Aufwertung für Hospental». Damit werde eine lange Leidensgeschichte beendet. «Es ist ein Zeichen des Aufschwungs, welcher nicht nur in Andermatt mit seinem Tourismusresort zu spüren ist.» Vom Projekt in Hospental profitiere die ganze Region. Die private Initiative stosse auf Anklang. Bereits seien einige Verkäufe von Wohnungen im Amtsblatt publiziert worden.

Objekt von regionaler Bedeutung steht unter Denkmalschutz

Die kommunalen Behörden können gestützt auf das Zweitwohnungsgesetz in geschützten oder Ortsbild-prägenden Bauten neue Wohnungen ohne Nutzungsbeschränkung bewilligen. Der Regierungsrat hat im Juli 2007 die Justizdirektion angewiesen, mit der Liegenschaftseigentümerin und der Gemeinde Hospental das Verfahren zum Erlass von Schutzzielen und Schutzmassnahmen für das Hotel Meyerhof einzuleiten. Die Rahmenbedingungen wurden in der Stellungnahme der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission (NHSK) Mitte Dezember 2017 festgehalten. Im Februar 2020 stellte der Regierungsrat das ehemalige Hotel Meyerhof als Objekt von regionaler Bedeutung unter Denkmalschutz.

Dazu zählt, insbesondere die Gebäudestruktur des Baus mit Mittelgang und abgehenden Räumen, das Treppenhaus sowie der Dachstuhl. Bedeutend ist auch das historische äussere Erscheinungsbild mit Fassaden, Balkon, Fenstern, Veranden und Dachlandschaft. Des Weiteren gehören dazu die historische Ausstattung im Erdgeschoss mit Parkettböden, Wandbelägen und Stuckdecken. Die bauliche Umsetzung muss mit der kantonalen Denkmalpflege abgesprochen und von ihr bewilligt werden. Die Baukommission Hospental erteilte Ende April die Baubewilligung. Die Bauarbeiten sollen bis 2022 abgeschlossen sein.

Touristische Blütezeit erlebt, nun dem Zerfall überlassen

Geschichte und Bedeutung des ehemaligen Hotels Meyerhof werden in einem Gutachten von Dorothee Huber von 2007 sowie im Band IV der Kunstdenkmäler des Kantons Uri von Thomas Brunner von 2008 ausführlich beschrieben. Das Gebäude wurde 1859 bis 1861 als zweites Hotel des Urserntals errichtet. Mit der Dependance – dem heutigen Walchwilerhaus – steht das Gebäude prominent am östlichen Dorfeingang. Der klassizistische Baukörper mit mächtigem Walmdach und Quergiebel erhielt in der Hochblüte des Tourismus 1896 eine grosszügig verglaste Veranda in Eisenkonstruktion. 1908 folgte entlang der Hauptfassade auf der Südseite ein weiterer arkadenförmiger Vorbau. Damals wurde das Erdgeschoss prachtvoll mit Täfern und Stuck ausgestattet. Der Garten wurde in der Art mondäner Hotelgärten gestaltet. Im Gegensatz zu andern Hotels der Belle Époque überstand der «Meyerhof» den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ersten Weltkriegs. Die Blüte der Vorkriegszeit wurde jedoch nie mehr erreicht. 1982 wurde zunächst der Hotelbetrieb, 1989 schliesslich auch der Gastbetrieb eingestellt. Seither ist das Gebäude ungenutzt und mehr oder weniger dem Zerfall überlassen.

Das Hotel Meyerhof ist trotz seines desolaten Zustands der letzte, weitgehend in einem originalen Zustand erhaltene Hotelbau im Urserntal aus dieser Zeit. Die Beiträge des Kantons an denkmalpflegerische Massnahmen unterstützen die Restaurierung des äusseren, historischen Erscheinungsbilds und die Restaurierung beziehungsweise teilweise Rekonstruktion der historischen Räume im Erdgeschoss.

Landrat entscheidet im November über Kantonsbeitrag

Gerechnet wird mit Projektkosten von 10,253 Millionen Franken. Insgesamt werden gemäss kantonaler Denkmalpflege 1,934 Millionen Franken als beitragsberechtigt anerkannt. Der Beitragssatz von 20 Prozent ergibt sich aus der regionalen Bedeutung und dem Stellenwert im national eingestuften Ortsbild. Der Kantonsbeitrag beträgt damit 386'927 Franken. Unter der Voraussetzung einer Gutsprache durch den Kanton kann ein Gesuch in gleicher Höhe beim Bundesamt für Kultur eingereicht werden. Im Kantonsbudget 2021 soll ein Zahlungskredit von 200'000 Franken aufgenommen werden. Für die Schlusszahlung soll im Kantonsbudget 2022 ein Zahlungskredit von 186'927 Franken aufgeführt werden. Der Landrat befindet am 11. November über den Kredit.