Urner Neujahrskonzert: Solist erzählt Geschichten mit dem Cello

Christoph Croisé spielt erneut an Neujahr im Theater Uri. Der Cellist kommt ins Schwärmen, wenn er sich an die Premiere erinnert.

Interview: Markus Zwyssig
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Christoph Croisé freut sich schon sehr darauf, Neujahr 2020 mit dem Publikum in Altdorf feiern zu dürfen.

Christoph Croisé freut sich schon sehr darauf, Neujahr 2020 mit dem Publikum in Altdorf feiern zu dürfen.

Bild: PD

Am Urner Neujahrskonzert 2020 im Theater Uri spielt das Eurasian Soloists Chamber Orchestra unter der Leitung des Berliner Dirigenten Jakob Lehmann. Im Zentrum steht der 26-jährige Cellist Christoph Croisé. Der Schweizer Musiker kann eine reiche internationale Konzerttätigkeit vorweisen. Zum Programm in Altdorf gehören die «Rokoko Variationen» und «Nocturne für Violoncello» von Tschaikowski, «El cant dels ocells» von Pablo Casals, das «Konzert für Violoncello» von Joseph Haydn, «Zigeunerweisen» von Pablo de Sarasate und «Variationen über ein Thema von Rossini» von Niccolò Paganini.

Christoph Croisé, Sie traten 2016 am Neujahrskonzert in Altdorf auf. Hat es Ihnen besonders gut gefallen, dass Sie wieder kommen?

Christoph Croisé: Es war eine wunderbare Atmosphäre: Ein hochaufmerksames Publikum, ein wunderschöner Saal, ein interessanter und sympathischer Ort und fantastische Musik. Ein perfekter Anlass, um positiv ins neue Jahr zu starten. Ich freue mich schon sehr darauf, Neujahr 2020 mit dem Publikum in Altdorf feiern zu dürfen.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Auftritt?

Ich hatte mich damals sehr aufs Konzert gefreut und war dann hoch erfreut über das zahlreiche Publikum, obendrauf noch positiv überrascht, wie alles perfekt organisiert war, es war eine Freude. Und im Restaurant gab es sogar einen Apéro Croisé.

Die bekannten klassischen Werke wurden in unzähligen, ganz unterschiedlichen Versionen gespielt. Wie schafft es ein Musiker, den Werken heute noch seinen Stempel aufzudrücken?

Ich kann ja nur für mich sprechen: Ich versuche nicht der Musik einen besonderen Stempel aufzudrücken, sondern jedes Stück so zu erzählen, dass das Publikum eine Geschichte zu hören bekommt, die berührt.

Sie gelten als virtuoser Cellist, der jeden einzelnen Ton besonders spielt. Wie schaffen Sie diese Liebe zum Detail?

Diese Liebe zum Detail kommt glaube ich von selber, mit dem Interesse an der Musik, am Hinhören und am Stil und an der natürlichen Freude am Musizieren, die mir glücklicherweise gegeben ist.

Dann brauchen Sie gar nicht viel zu üben?

Ich übe so viel, wie mein Programm gerade verlangt, das können 4 Stunden sein oder auch 8 Stunden.

Wie treten Sie am liebsten auf: als Solist, mit Klavierbegleitung oder mit Orchester?

Ich freue mich eigentlich auf jede Herausforderung, besonders wenn mir Stücke unbekannt beziehungsweise neu sind, was doch immer wieder vorkommt. Aber die Abwechslung zwischen den verschiedenen Formationen ist auch etwas sehr Schönes, was ich sehr schätze.

Sie spielen ein breites Repertoire. Welche Werke der klassischen Musik sind Ihnen die liebsten?

Das ist schwer zu sagen. Ich versuche jedes Stück zu verstehen, dem Publikum im Konzert seine Geschichte zu erzählen und den Stil zu erfassen. Aber ja, ich habe auch einige Lieblingskomponisten und die spielen wir am 1. Januar in Altdorf. Es sind alles wunderschöne Stücke, die ich immer wieder mit grosser Freude spiele. Für mich ist es ein besonderes Glück, das Jahr 2020 mit einem solchen Programm beginnen zu dürfen.

Was macht den Reiz der klassischen Musik aus?

Für mich sind es die Klarheit, Zeitlosigkeit, Ausgeglichenheit und Emotionalität.

Das Theater Uri ist für Ihre Begriffe ein eher kleinerer Auftrittsort. Wo spielen Sie lieber, in kleinen Sälen oder vor grossem Publikum?

Eigentlich habe ich mir das noch gar nie überlegt und es interessiert mich auch nicht sehr, wie gross der Saal ist. Das Prinzip bleibt das gleiche, ich bereite mich vor, es kommen Leute, denen ich die Geschichte der Stücke erzähle und freue mich, wenn etwas ankommt, berührt und ich die Zuhörer eine Weile in die wunderbare Welt der Musik mitnehmen kann.

Welche Wünsche haben Sie für das kommende Jahr?

Für die Welt wünsche ich mir, dass die Menschen in unserer turbulenten Zeit mehr zueinander schauen, sich stärker auf die menschlichen Werte besinnen und unserer Erde mehr Sorge tragen.

Was schätzen Sie speziell an der Zusammenarbeit mit dem Eurasian Soloists Chamber Orchestra, mit dem Sie am Neujahrskonzert in Altdorf auftreten?

Wir sind alle jung und mit Leib und Seele musikbegeistert, jeder einzelne im Orchester spielt solistisch überall auf der Welt, und wenn wir zusammenkommen, inspirieren wir uns gegenseitig. Wir kennen uns sehr gut, haben viele Konzerte miteinander gespielt und eine grosse CD-Produktion gemacht und es ist immer wieder eine Freude, wenn wir uns sehen und zusammen arbeiten können.

Hinweis: Das Neujahrskonzert im Theater Uri am Mittwoch, 1. Januar 2020, beginnt um 18 Uhr. Billette gibt es unter www.ticketino.ch.