Carl Spitteler hat den Literaturnobelpreis in die Schweiz geholt

Carl Spitteler ist bisher der einzige Schweizer Gewinner des Preises. In Erstfeld wird seine Geschichte aufgerollt.

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Carl Spitteler verbindet ein berühmter Reiseführer mit dem Urnerland.Bild: PD

Carl Spitteler verbindet ein berühmter Reiseführer mit dem Urnerland.Bild: PD

(jb) Vor 100 Jahren erhielt der Schweizer Schriftsteller und Journalist Carl Spitteler (1845–1924) den Literaturnobelpreis. Bis heute ist er der einzige Schweizer Literaturnobelpreisträger. Nun wird das Jubiläum auch in Erstfeld gefeiert, denn Carl Spitteler hatte eine besondere Beziehung zum Kanton Uri und zur Gotthardbahn. Das teilt die Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri mit.

Für sein Versepos «Olympischer Frühling» (1900–1905) erhielt Carl Spitteler den Literaturnobelpreis. Das Werk geriet allerdings seither ein wenig in Vergessenheit. Zu seinen grössten literarischen Leistungen zählt unter anderem der Roman «Imago» (1906). Für Aufsehen sorgte Carl Spitteler zudem während des Ersten Weltkriegs im Dezember 1914 mit seiner Rede «Unser Schweizer Standpunkt», in der er die Schweiz zur Neutralität und zum inneren Zusammenhalt aufforderte.

Ein Reiseführer macht ihn berühmt

Mit dem Kanton Uri und der Gotthardbahn ist Carl Spitteler ebenfalls sehr verbunden. Im Auftrag der Gotthardbahn-Gesellschaft schrieb er «Der Gotthard» (1897), ein Reiseführer, der nebst der Bahnreise von Luzern in den Süden auch die Geschichte des Gotthardverkehrs und eine Beschreibung der wichtigsten Seitentäler des Kantons Uri aufzeichnet.

Carl Spitteler reiste mehr als 30-mal ins Gotthardgebiet. Insbesondere das Schächental und das Maderanertal hatten es dem in Luzern wohnhaften Autor angetan. Die Gotthardbahn-Gesellschaft liess den Reiseführer europaweit in rund 500 Exemplaren in die grösseren Hotels verteilen. Selbst auf Passagierdampfern wurde Carl Spittelers Reiseführer aufgelegt.

Am kommenden Samstag, 21. September, feiert der Kanton Uri in Erstfeld den Literaturnobelpreisträger zum 100-jährigen Jubiläum. Im Rahmen des Anlasses «Carl Spitteler – Der Nobelpreisträger zurück bei der Gotthardbahn» liest Walter Sigi Arnold im Eisenbahndepot in Erstfeld aus den Werken Carl Spittelers. Fränggi Gehrig und Carlo Gamma sorgen für die musikalische Umrahmung. Die Erläuterungen zu den Textauszügen übernimmt der Spitteler-Experte Fritz Schaub.

Die Veranstaltung wird vom Literaturhaus Zentralschweiz der Kantonsbibliothek Uri, der SBB Historic und dem Kanton Uri organisiert.

«An keinem glücklichern Punkte»

Für den Bahnhof Erstfeld hatte Carl Spitteler lobende Worte übrig: «Die Haltestelle in Erstfeld konnte an keinem glücklichern Punkte gewählt werden», schreibt er in seinem Werk «Der Gotthard». «Läge die Station auch nur ein paar Dutzend Meter bergauf oder talabwärts, so würden wir eines hohen Naturgenusses verlustig gehen, der uns jetzt zu teil wird. Nämlich wir halten genau vor der schmalen Öffnung des Erstfeldertales, gewinnen also hiermit die Gelegenheit, während der fünf Minuten, die der Tausch der Lokomotive erfordert, den glitzernden Schlossberggletscher zu bewundern.» 

«Carl Spitteler – Der Nobelpreisträger zurück bei der Gotthardbahn» findet am 21. September, 17 bis 19 Uhr statt. Im Anschluss offeriert die Gemeinde Erstfeld einen Apéro. Mehr Informationen und Tickets für die Veranstaltung unter www.lit-z.ch.