Er hat einen «Bentley» für spezielle Anlässe

An der Fasnacht ist Alois Furrer immer als Einzelkämpfer unterwegs. Der Schnitzelbänkler legt Wert auf Details und Markenzeichen.

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Alois Furrer: «Pointen dürfen angriffig sein, aber nie verletzend.» (Bild: pd)

Alois Furrer: «Pointen dürfen angriffig sein, aber nie verletzend.» (Bild: pd)

Ganz allein zieht Alois Furrer-Truttmann jeweils am Schmutzigen Donnerstag und am «Gidelmäändig» von Beiz zu Beiz: ungeschminkt, unmaskiert. Er trinkt Tee, Kaffee natur, einen Fruchtsaft oder ein Mineralwasser. Der typische Anti-Fasnächtler, müsste man annehmen. Doch der Eindruck täuscht, das beweist allein schon das Outfit: Furrer trägt an diesen beiden Tagen jeweils eine auffallend bunte Fliege, ein edles weisses Hemd und einen farbigen Kittel. Und sein absolut unverkennbares Markenzeichen: «Ich bin immer mit meinem ‹Bentley› unterwegs», sagt er mit einem breiten Grinsen. Mit dem «Bentley» meint er nicht etwa eine teure englische Nobelkarrosse, sondern seine schwarze Melone, die er auf dem Kopf trägt. Erstanden hat Furrer diese über hundertjährige englische Kopfbedeckung beim Altdorfer Fidel Arnold, als dieser alle seine Fasnachtsrequisiten zum Verkauf anbot.

Ein ganz besonderer Anlass

Auch der ehemalige englische Premierminister Winston Churchill montierte jeweils eine Fliege und setzte sich eine noble «Bentley» auf – allerdings nur für ganz besondere Anlässe. «Für mich ist die Fasnacht auch ein ganz besonderer Anlass», betont Furrer. «Ich kann mich selber vergnügen, aber vor allem auch meine Mitmenschen.» Der 59-jährige Altdorfer tut dies in Versform, mit seinen selber verfassten Schnitzelbänken.

«Schluss muss sitzen»

Angefangen hat er 1999 als «Tipflischyysser» – auf Anfrage eines Mitglieds der Altdorfer Nächstenliebe. Und seither belebt er als Einzelkämpfer die Altdorfer Fasnacht mit seinen humorvollen Einlagen. Furrer bringt Ereignisse oder besondere Vorkommnisse in wenigen (gereimten) Versen auf den Punkt. Dabei versucht er vor allem, der vom Publikum vermuteten Auflösung eines Sachverhalts mit einer träfen Pointe eine überraschende Wendung zu geben. «Der Schluss eines Verses muss sitzen, völlig unerwartet kommen», beschreibt Furrer die Kunst des Schnitzelbänkelns. Und was für ihn beim «Värslibrinzlä» besonders wichtig und unverzichtbar ist: «Die Pointen dürfen zwar angriffig und bissig sein, sollten aber nie verletzen oder unter die Gürtellinie zielen.» Seine grossen Vorbilder seien diesbezüglich die «Fuxacher-Schnitzelbänkler» gewesen. «Sie haben dies einfach hervorragend verstanden und konnten zudem auch sehr gut improvisieren.»

Furrer improvisiert nicht

Sein Talent habe er von seiner Mutter geerbt. Angefangen hat er selber mit Versen bei Familienfeiern oder ähnlichen Anlässen. Das Fasnachtsfieber kam erst später. Improvisieren sei nicht seine Sache, sagt Furrer. «Ich beschäftige mich lange mit möglichen Themen, spätestens zwei Wochen vor dem ersten Auftritt beginne ich dann mit dem Verfassen der Verse. Ich brauche Zeit, stelle immer wieder um, arbeite an den Reimen.» Die besten Ideen kämen ihm am Morgen, sehr oft beim Fussmarsch zum Arbeitsplatz bei der Dätwyler AG. Dann könne es schon mal vorkommen, dass er kurz anhalte, um eine plötzlich aufgetauchte Pointe zu notieren. Furrer schmunzelt: «Ich bin auch schon während der Nacht erwacht, habe ein Blatt Papier und einen Kugelschreiber geholt und eine Idee aufgeschrieben.»

Zum Schluss ein Witz

Für ihn stehen lokale Themen im Vordergrund, Vorkommnisse, die zeitlich nicht allzu weit entfernt liegen. Seine Auftrittsorte wählt er gezielt aus: «Lärmige Beizen habe ich nicht so gerne. Ich freue mich, wenn mir die Leute zuhören, wenn sie an meinen Schnitzelbänken Gefallen finden.» Ein weiteres Markenzeichen der Auftritte des Altdorfers: Zum Abschluss erzählt er jeweils noch einen Witz. Dafür hat er eine trockene Erklärung: «Wenn die Leute wegen der Verse nicht gelacht haben, dann können sie es wenigstens dann tun», meint er mit einem schelmischen Grinsen.

Erfolg entscheidet über Genuss

Aber macht es wirklich Spass, so ganz allein, «tropfniächter» und ohne musikalische Begleitung unterwegs zu sein? «Ich kann mir nichts anderes vorstellen», betont Furrer. «Ich bin immer allein unterwegs gewesen. So bleibe ich flexibel, muss auf niemanden Rücksicht nehmen, kann kommen und gehen, wie es mir passt. Ich kann aber auch reagieren, falls dies nötig ist.» Was er damit meint: «Zwischen Schmutzigem Donnerstag und ‹Gidelmäändig› habe ich Zeit, Verbesserungen anzubringen und jene Verse umzuschreiben, die beim Publikum weniger gut angekommen sind.» Und zum angesprochenen «tropfniächter» sein meint er: «Wenn meine Auftritte vorbei sind, gönne ich mir schon mal ein Glas eines guten Rotweins – aber wirklich erst dann.» Und augenzwinkernd fügt er an: «Wenn ich Erfolg gehabt habe, können es auch deren zwei oder drei sein, vielleicht sogar ein ganzes ‹Halbäli›...» Sieht man dann Alois Furrer – wie einst Winston Churchill – schliesslich auch noch genüsslich an einer edlen Zigarre ziehen, dann kann man sicher sein: Dem Publikum – und damit auch ihm selber – hats gefallen.»

Bruno Arnold