Er ist ein Held am Axen

Sebastian Werren kümmert sich um die Bohrungen und Sprengungen am abgestürzten Felsen. Ein Einblick in die heikle Arbeit.

Christian Tschümperlin
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Sebastian Werren arbeitet auf einer heiklen Baustelle. (Bild: Christian Tschümperlin)

Sebastian Werren arbeitet auf einer heiklen Baustelle. (Bild: Christian Tschümperlin)

Ein Helikopter hebt von der Axenstrasse ab, Lastwagen und Bagger karren Material hin- und her, ein Lotse weist die Journalisten an den Bauarbeitern vorbei. Währenddessen geht hoch über dem Axen Sebastian Warren seinem Werk nach. Er ist so etwas wie der heimliche Held in dieser Geschichte. Der 26-jährige Baustellenchef nimmt die Bohrungen und Sprengungen an den Felsen vor. Für das Interview begibt er sich mit dem Helikopter hinab zur Tellsplatte, die ausgestorben wie selten zuvor erscheint.

«Seit eineinhalb Wochen sind wir täglich da oben. An einem schönen Tag vier bis fünf Stunden», sagt er. Eine einzelne Aktion dauere maximal eineinhalb Stunden, dann muss der Helikopter wieder nachtanken. Die Arbeit am Axen ist für Werren kein Routineeinsatz: «Ich arbeite in der Sprengabteilung. Da fliegen wir zwar ab und zu mit dem Helikopter», sagt er. Doch normalerweise setze ihn dieser an der Baustelle ab. Nicht so dieses Mal: Die beiden Bauarbeiter, die sich auf dem Felsen befinden, bleiben die ganze Zeit über mit einem Seil an den über ihnen schwebenden Helikopter angebunden. «Das verlangt auch dem Piloten einiges ab. Er muss eineinhalb Stunden lang stabil die Position über uns halten», sagt Werren. Das Vertrauen in den Piloten sei aber da. «Das sind Vollprofis von der Rega.» Werren wirkt locker. «Angst habe ich keine, aber man muss Respekt haben vor der ganzen Situation», sagt er. Man dürfe es einfach nicht zu nahe an sich rankommen lassen. «Wenn wir auf dem Stein sind, ist alles ringsherum ausgeschaltet.»

Das Restrisiko nicht herausfordern

Trotzdem liegt natürlich ein gewisser Druck auf den Bauarbeiten. «Wir versuchen so schnell wie möglich fertig zu werden, der Fokus liegt aber ganz klar auf der Sicherheit.» Ein Restrisiko bleibt. «Aber wir fordern dieses nicht heraus.» Die grösste Gefahr sei nicht, dass die Felsen plötzlich ins Rollen geraten, sondern dass es zu weiteren Steinschlägen kommt. In so einem Fall muss der Helikopter mit Werren und seinem Kollegen sofort abheben. «Wir haben deswegen zwei Beobachtungsposten installiert: Jemand schaut unten am Hang, ob Steine kommen, und die zweite Person auf dem Felsen beobachtet ebenfalls die Situation», so Werren.

Der Berner hat Maurer gelernt, dann Vorarbeiter, er hat einen Seilkurs und einen Sprengkurs in der Tasche und arbeitet seit sechs Jahren für die Firma Gasser. Auf den Job am Axen hat er sich freiwillig gemeldet. «Zu diesem Einsatz kann man jemanden nicht zwingen. Ich habe aber schnell zugesagt.»

Interessant statt frustrierend

Und er bereut es nicht. Obwohl einem das Wetter manchmal einen Strich durch die Rechnung machen kann. Ob das frustrierend sei? «Nein, es ist interessant», sagt er. Denn man müsse sich voll konzentrieren und schauen, alles möglichst sicher und schnell über die Bühne zu bringen.

Nach dem Interview bringt der Helikopter Werren wieder an den Felsen. «Wir gehen zum Installationsplatz, starten den Kompressor, seilen uns auf den Stein ab, und ich bohre, während mein Kollege die Situation überwacht», sagt er.

Livestream von den Arbeiten am Axen: