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Er jubelt ausnahmsweise von zu Hause aus

Ferdi Muheim pflegt seit Jahren eine tiefe Freundschaft zu Russland. Dass die Fussball-WM heuer in seiner zweiten Heimat stattfindet, sieht «Ferdinov» als grosse Chance für das Gastgeberland – das er für einmal aus der Ferne anfeuern muss.
Carmen Epp
Ferdi Muheim mit Russland-Jacke in seiner Metzgerei in Andermatt. (Urs Hanhart, 8. Juni 2018)
Zahlreiche Utensilien aus Russland schmücken die Metzgerei Muheim in Andermatt. (Foto: Urs Hanhart, 8. Juni 2018)
Für seinen Einsatz für Russland hat Ferdi Muheim bereits mehrere Orden erhalten: den Lenin-Orden (links) und den Orden der Freundschaft (rechts). In seiner Metzgerei kommen die Orden eingerahmt prominent zur Geltung. (Foto: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
2001 verlieh das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche dem Andermatter Metzgermeister den Orden des heiligen Fürsten Danylow. Heute hat der Orden in der Metzgerei einen Ehrenplatz im Holzrahmen. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
Auch diese Souvenirs aus Russland dürfen in Ferdi Muheims Metzgerei nicht fehlen: Matroschkas. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
Wenn Ferdi Muheim in Russland ist, geht er auch ab und zu auf die Jagd. Ein paar Trophäen hängen auch in seiner Metzgerei in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, 8. Juni 2018)
Diese Flagge trägt Ferdi Muheim jeweils am 9. Mai an der traditionellen Siegesparade in Taldom oder Moskau. In seiner Metzgerei hat die Flagge einen Ehrenplatz an einem Elchgeweih. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
In seiner Metzgerei in Andermatt finden sich überall kleine Souvenirs aus der zweiten Heimat von Ferdi Muheim, Russland. (Bild: Urs Hanhart, 8. Juni 2018)
In der Metzgerei Muheim zeigt diese Uhr die Zeit an, hinterlegt mit einem Bild von Dimitri Medwedew und Vladimir Putin. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
Die Russen machen ihrem besonderen Freund aus Andermatt auch immer wieder besondere Geschenke, wie etwa eine Vodka-Flasche mit dem Bild von Ferdi Muheim auf der Etikette. (Bild: Urs Hanhart, 8. Juni 2018)
Da er nicht ans Eröffnungsspiel nach Moskau reisen konnte, wurde Ferdi Muheim von der Russischen Botschaft in Bern eingeladen, das Spiel in Bern anzuschauen. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 8. Juni 2018))
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Andermatt: Ferdi Muheim zeigt ein Stück Russland in seiner Metzgerei

Wenn es um Russland geht, ist Ferdi Muheim meist nicht weit. Der «Russe­frynd» aus Andermatt (siehe Kasten) reist mehrmals pro Jahr vom Urserntal ins Grossreich im Osten – zuletzt am 9. Mai, um in Taldom, in Norden Moskaus, an einer grossen Parade mit Kriegsveteranen den Sieg von Russland über Nazi-Deutschland zu feiern.

Doch ausgerechnet jetzt, wo die Fussball-Weltmeisterschaft in seiner zweiten Heimat stattfindet, trifft man Muheim nicht etwa in Moskau, sondern in seiner Metzgerei in Andermatt an. Das liegt nicht daran, dass er keine Gelegenheit gehabt hätte, die Fussball-WM in Russland live mitzuverfolgen. «Im Gegenteil», sagt Muheim. «Die Schweizer Botschaft in Moskau hat mich sogar zum Eröffnungsspiel ins Luschniki-Stadion eingeladen. Doch ich musste passen.» Stattdessen verfolgte der 67-Jährige das WM-Eröffnungsspiel Russland–Saudi Arabien am Donnerstag, 14. Juni, auf Einladung des russischen Botschafters Sergei Garmonin im Hotel Bellevue Palace in Bern.

Klare Prioritäten an der Fussball-WM

Dass er während der Fussball-WM nicht nach Russland reist, habe mehrere Gründe, erklärt Muheim. «Juni ist ein stressiger Monat in der Metzgerei», sagt er und zupft sich die Schürze zurecht. Ein weiterer, wahrscheinlich gewichtigerer Grund liegt in der Sportart: Mit Fussball könne er «nicht so viel anfangen», wie er sagt.

Im Gegensatz zu einer anderen Sportart, für die Muheim vor zwei Jahren zur WM nach Russland reiste: Eishockey. «Als Ambri-Fan liegt mir der Sport einfach näher», sagt der Metzgermeister. So nahe, dass er für die Eishockey-WM gleich drei Wochen in Russland blieb und dort jedes Spiel live mitverfolgte. Auch jenes der Schweiz gegen Russland, das die Gastgeber mit 5:1 deutlich gewannen. Auf die Frage, für wen er gejubelt hatte, zuckt er mit den Schultern. «Ich sass mit Russen auf der Tribüne und war hin und her gerissen.» Und was, wenn die Schweiz an der Fussball-WM nach der Gruppenphase auf Russland treffen sollte? Hier sind die Prioritäten klar, wie Muheim sagt: «Dann bin ich für Russland.»

Wie gross die Chance der russischen Fussballnationalmannschaft ist, darüber will der Andermatter keine Prognose wagen. «In der Vorbereitung lief es dem Team nicht nach Wunsch», gibt Muheim zu bedenken. «Mit dem Druck, zu Hause gute Spiele abliefern zu müssen, werden sie aber sicher ihr Bestes geben.» Dass sie dazu in der Lage sind, haben die Russen schliesslich am Eröffnungsspiel bewiesen, als sie den Gegner aus Saudi Arabien mit 5:0 an die Wand spielte. «Aber auch die Schweizer haben ein gutes Team und werden alles geben», fügt Muheim an.

Völkerverständigung steht im Vordergrund

Wichtiger als die sportlichen Ergebnisse ist dem Metzgermeister die Wirkung, welche die Fussball-WM in und auf seine zweite Heimat haben wird. «Russland hat leider immer noch bei vielen Leuten ein schlechtes Image», weiss Muheim. «Ich hoffe, dass sich das mit der WM beim einen oder anderen ändern wird.» Vor allem die Leute, die sich die Spiele vor Ort anschauen werden, würden ihr Bild wohl schnell revidieren, ist Muheim überzeugt. «Die Russen sind sehr offen und gastfreundlich», sagt er. «Entsprechend werden sie die Fans aus der ganzen Welt mit allen Ehren empfangen.» Wie wichtig diese Werbung in eigener Sache für die Russen sei, habe er bei seinem letzten Besuch im Mai gemerkt: «Die Gartenwirtschaften und Parks in Moskau sind mit Blumen geschmückt und so schön wie noch nie.» Aber auch die anderen Austragungsorte der Gruppenspiele der Schweiz, Rostow am Dom, Nischni Nowgorod und Kaliningrad, seien einen Besuch wert.

Ob mit seinem Einsatz für die Andermatter Schwestergemeinde Taldom, der Pflege des Suworow-Denkmals in der Schöllenen – oder nun als Beobachter der Fussball-WM aus der Ferne: Muheim versteht sich in erster Linie als Brückenbauer. Und auch wenn er den Sport auf dem Eis lieber mag als jenen auf dem Rasen, so haben die Sportarten doch eines gemeinsam, wie er sagt: «Sie dienen der Völkerverständigung.» Und die steht für «Ferdinov» im Vordergrund.

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