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Simon Stadler packt an – ohne Berührungsängste

Der Nationalratskandidat der CVP Uri könnte sich vorstellen, bei einer Wahl in den Nationalrat wieder zur Maurerkelle zu greifen.
Markus Zwyssig
Simon Stadler ist bereit, in Bern eine neue Herausforderung anzunehmen. Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. September 2019)

Simon Stadler ist bereit, in Bern eine neue Herausforderung anzunehmen. Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. September 2019)

Simon Stadler sitzt an seinem Lehrerpult im Primarschulhaus in Seedorf. «Mir gefällt es hier», sagt der 31-Jährige. «Wir haben ein sehr gutes Team mit vielen jungen Lehrern.» Trotzdem könnte er bald statt in einem Schulzimmer im Nationalratssaal in Bern sitzen.

Für den Fall, dass er am 20. Oktober von den Urnerinnen und Urnern in die grosse Kammer gewählt wird, hat er vorgesorgt. Er hat mit dem Schulrat, der Schulleitung und mit den Eltern der Schulkinder alles bereits besprochen. Ende November wäre in diesem Fall Schluss mit Schule geben, im Dezember würde nämlich bereits die erste Session in Bern stattfinden.

Aushilfsweise zurück auf den Bau?

Für Simon Stadler wäre es nicht die erste berufliche Veränderung. Er hat zuerst eine Maurerlehre und die Berufsmatura absolviert. Anschliessend liess er sich an der Pädagogischen Hochschule Schwyz zum Primarlehrer ausbilden. Ganz aufgeben würde er seine bisherige Tätigkeit aber nicht. Stadler kann sich vorstellen, neben seinem Nationalratsmandat auch in Zukunft aushilfsweise als Lehrer tätig zu sein. Ebenso ist es möglich, dass er wieder als Maurer arbeitet. Ein Kollege, der ein Baugeschäft führt, hat ihn bereits angefragt. Stadler könnte dort aushelfen. «Das wäre nicht das Letzte, was ich machen würde», sagt er.

Für Politik begann sich Stadler früh zu interessieren. Er kam just in der Nacht nach der Wahl seines Vaters, Hansruedi Stadler, in den Regierungsrat zur Welt. So richtig gepackt hat es ihn als 18-Jähriger bei der Jungpartei der CVP Uri. Zudem ist er inzwischen seit 8 Jahren im Vorstand der CVP Altdorf dabei. Dort ist er nun das vierte Jahr Präsident.

Um- und Neubau der Berufsschule als grösster Erfolg

Simon Stadler macht sehr gerne im Kanton Uri Politik. «Da kann man mitreden und etwas bewirken», sagt er. Seine politische Erfahrung hat er vor allem im Urner Landrat gesammelt. Er war in der Staatspolitischen Kommission und ist zurzeit Vizepräsident der Gesundheits-, Sozial- und Umweltkommission. Zudem ist er Präsident der Spitalkommission, die den Um- und Neubau des Kantonsspitals Uri begleitet.

Einen seiner bisher grössten politischen Erfolge konnte er vor zwei Jahren feiern. Die Einweihung des Um- und Neubaus der Berufsschule erfolgte just an jenem Tag, als er als Festwirt am Urner Oktoberfest im Einsatz stand. Er liess es sich aber nicht nehmen, auch beim Fest der Schule dabei zu sein. Das Grossprojekt wurde durch eine Motion angestossen, die er im Landrat eingereicht hatte. Die Regierung sprach sich ursprünglich dagegen aus. Da merkte er, wie wichtig es ist, auch mit Politikern anderer Gesinnungen zusammen zu arbeiten. Nur so liessen sich Mehrheiten finden. «Dass es dann geklappt hat, war eine riesige Motivation für mich. Das, wofür ich mich eingesetzt hatte, kann man nun anschauen.» Wichtig war Stadler, dass das Projekt realisiert war, bevor man den Neubau des Spitals in Angriff genommen hat. «So konnte man erreichen, dass das Projekt auch tatsächlich umgesetzt wird und nicht plötzlich am Finanziellen scheitert.»

Der Altdorfer CVP-Politiker ist ein Mann der Mitte. Das sei das Beste für eine vernünftige Lösung. «Links und rechts blockieren sich oft gegenseitig», erzählt er. Als Beispiel erwähnt er das CO2-Gesetz. «Die politische Rechte hat dem Gesetz die Zähne gezogen, bis die Linke nicht mehr bereit war, es mitzutragen.» Man müsse aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen, so Stadler. Er ist bestrebt, Mehrheiten zu finden. «Dazu muss man über die Parteigrenzen hinaus zusammenarbeiten», ist er überzeugt.

Für wie wahrscheinlich hält er es, gewählt zu werden? «Ich sehe eine Chance, sonst wäre ich nicht in den Wahlkampf gestiegen», sagt Stadler. Die Ausgangslage sei sehr offen. Die drei Altdorfer Kandidaten würden im Urner Hauptort ähnlich viele Stimmen holen. Daher ist er überzeugt: «Es kommt auf das Abstimmungsverhalten in jeder Gemeinde an.» Darum setzt sich Stadler nun auch in den verschiedenen Regionen an die Stammtische. «Damit erhält die Bevölkerung Gelegenheit, Ständeratskandidatin Heidi Z’graggen und mich kennen zu lernen.» Mit einer «Stubätä» wolle man den Leuten etwas bieten. «Dank der Musik finden die Stammtischgespräche in ungezwungener Atmosphäre statt.»

Drei heisse Fragen an den Kandidaten

(MZ) Sind Sie nicht zu jung und unerfahren für den Nationalrat?
Ich bin mit 31 Jahren sicher noch jung. Trotzdem bin ich nun auch schon sieben Jahre im Landrat. Für zwei Jahre hat man mir das Präsidium der Gesundheits-, Sozial- und Umweltkommission anvertraut und heute bin ich Präsident der Spitalkommission. Damit bringe ich doch eine gleiche Erfahrung wie andere Mitbewerber mit. Zudem bin ich überzeugt, dass ich als 31-jähriger Nationalrat das Urner Duo in Bern mit einer 53-jährigen Ständerätin und einem 62-jährigen Ständerat optimal ergänzen würde.
Sie kennen zwar im Kanton Uri viele Leute. Wird das Politisieren in Bern mit Ihrem doch eher bescheidenen nationalen Netzwerk nicht zu einer schwierigen Aufgabe?
Es ist doch kein Problem, neue Leute kennen zu lernen. Im Landrat habe ich zu Beginn ja auch kaum jemanden gekannt. Ich kann ohne Vorurteile unbelastet ans Werk gehen und ein breites Netzwerk in der Politik und der Bundesverwaltung aufbauen. Was mir in Uri gelungen ist, denke ich, wird mir auch in Bern gelingen. Ich bin auch nicht zum Voraus durch irgendwelche Verwaltungsratsmandate eingeschränkt.
Für die Nominationsversammlung der CVP haben Sie viele neue Mitglieder angeworben. Haben diese mehr aus Goodwill für Sie gestimmt oder stehen sie wirklich hinter Ihrer politischen Überzeugung?
Ich glaube nicht, dass meine Kollegen an der Veranstaltung teilgenommen hätten, wenn sie nicht von meiner Politik überzeugt wären. Es ist doch eine Stärke einer Partei, wenn es an einem Parteitag eine Auswahl unter Kandidatinnen und Kandidaten gibt. Dass jeder seine Anhänger mobilisiert, gehörte auch in der Vergangenheit schon immer dazu. Am Parteitag wurde zudem nicht nur von meiner Seite, sondern auch von der Mitbewerberin mobilisiert. Am Parteitag nahm eine gute Mischung zwischen Jung und Alt teil. Auch 70- und 80-Jährige haben mich an der Versammlung unterstützt. Sonst wäre das Resultat für mich nicht so gut ausgefallen.

Berufsbildung stärken, Kulturland schützen

Angesprochen auf seine Schwerpunkte, die er in Bern setzen möchte, erwähnt er insbesondere die Stärkung der Berufsbildung. «Zu unserem Schweizer Erfolgsmodell müssen wir Sorge tragen.» Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch der Schutz des Kulturlands. «Wir haben relativ wenig Platz, das ist schweizweit ein Problem. Wir dürfen nicht alles einfach zubetonieren.»

Wie gut kann man sich als Urner Einzelkämpfer in der grossen Kammer durchsetzen? «Natürlich gibt es nur einen Urner Vertreter im Nationalrat», sagt Stadler. «Es gibt aber noch die zwei Urner Ständeräte.» Er habe bisher im Landrat auch stets die Unterstützung aus anderen Parteien gebraucht.

Und auch in Bern werde es nicht anders sein: «Zusammenspannen kann man je nach Thema mit ganz verschiedenen Ratsmitgliedern. Das können einmal die Berggebiete sein, dann wieder die Zentralschweizer Kantone.» Stadler sagt: «Ich habe keine Berührungsängste.»

Die andere Sicht

(MZ) «Hasst du die CVP?», habe ihn Simon Stadler mal am Rande einer «etwas feucht-fröhlichen» Landratspräsidentenfeier gefragt, erinnert sich der Realper FDP-Landrat Georg Simmen. Die Frage sei bezeichnend für ihre politische Beziehung. «Hassliebe wäre aber ein zu drastisches Wort. Unser Verhältnis ist geprägt von sachpolitischen Auseinandersetzungen, die ab und zu in Parteiengeplänkel abdriften können.» Privat möge er Stadler aber. «Er ist sehr engagiert für seine Themen, interessiert, kritisch, offen und motiviert, in der Politik etwas zu bewirken.» Stadler brenne darauf, politisch weiterzukommen. «Ob er schon erfahren und alt genug ist, um in Bern im Rennen mit den alten Politschlachtrössern erfolgreich mitzumischen, kann hier offenbleiben. Das Engagement und die Motivation wird er aber mit Sicherheit aufbringen», so Simmen.

Der Realper FDP-Landrat Georg Simmen, ist zusammen mit Simon Stadler gemeinsam im Landrat und in der Spitalkommission.

Die «Urner Zeitung» stellt in diesen Wochen alle Kandidaten für die Wahlen vom 20. Oktober vor. Bereits erschienen sind die Porträts der Ständeratskandidaten Josef Dittli und Heidi Z’graggen sowie von den Nationalratskandidaten Pascal Blöchlinger und Urs Kälin.

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