Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Er setzt sich für Benachteiligte ein

Paul Gwerder ist nicht nur mit Fotoapparat, Block und Schreibzeug für die Lokalpresse unterwegs. Viele Jahre lang engagierte er sich im Sozialwesen und im Gemeinderat Erstfeld. Dabei hat er viele Veränderungen miterlebt.
Markus Zwyssig
Paul Gwerder mit einer von Peter Bissig geschaffenen Skulptur eines «Schreiberlings», die er zum Abschied vom Gemeinderat und von der CVP-Ortspartei Erstfeld erhalten hat. (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 11. Januar 2019)

Paul Gwerder mit einer von Peter Bissig geschaffenen Skulptur eines «Schreiberlings», die er zum Abschied vom Gemeinderat und von der CVP-Ortspartei Erstfeld erhalten hat. (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 11. Januar 2019)

Paul Gwerder ist ein unermüdlicher Schaffer. Er macht dies meistens im Hintergrund und steht selber nicht gerne im Rampenlicht. Über 20 Jahre lang war der heute 68-Jährige für das Sozialwesen der Gemeinde Erstfeld tätig. Was er geleistet hat, wurde erst kürzlich wieder vielen deutlich ins Bewusstsein gerückt: als er Ende Jahr als Gemeinderat und Präsident der Sozialbehörde Urner Oberland zurücktrat und in diesem Zusammenhang auf seine Leistungen zurückgeblickt wurde.

Vielseitiger Berichterstatter


Paul Gwerder ist den Lesern der «Urner Zeitung» und des «Urner Wochenblatts» als Autor mit dem Kürzel «gw» ein Begriff. Für die lokalen Medien hat er schon unzählige Artikel geschrieben. Alleine 2018 waren es 150. Fein säuberlich sammelt er all seine Berichte und legt sie in einem Ordner ab. Schreiben will er auch in Zukunft. 2012 hat er in Magglingen einen Kurs für Sportberichterstatter besucht. An rund zwölf Schwingfesten pro Jahr ist er als Berichterstatter dabei, er hat auch an zahlreichen Anlässen als Pressechef amtiert. Der Erstfelder schreibt für die lokalen Medien, aber auch für die Schwingerzeitung «Schlussgang». Er ist zudem Pressechef der Urner Schützen und der Bürgler Geräteturnerinnen. Trotzdem sagt er: «Ich habe eigentlich kein Lieblingsthema.» Gwerder ist ein Allrounder: In seinen Texten geht es nicht nur um Sport, sondern auch um Gemeinde- und Generalversammlungen, Parteitage, Spatenstiche, Vernissagen, Jubiläen und vieles mehr. (MZ)

Gwerders Einsatz für die Gemeinde nahm 1997 so richtig Fahrt auf. Damals wurde er in den Fürsorgerat und heutigen Sozialrat gewählt. Vier Jahre später präsidierte er die Behörde. Paul Gwerder wird ein bisschen wehmütig, wenn er auf die Anfänge zurückblickt: «Früher hatte man viel mehr Zeit für arme und einsame Leute als heute.» Zu Beginn war er nahe bei den Menschen. Zusammen mit sechs weiteren Personen war er in Erstfeld als «Sozialarbeiter» unterwegs. Dabei hatte er es in der Sozialhilfe auch mit schwierigen Menschen zu tun, die kein Dach über dem Kopf hatten. Es mussten Wohnungen geräumt, Haushalte aufgelöst werden. «Wir haben den Menschen geholfen, eine neue Wohnung zu suchen.» Die Arbeit vor Ort sei zwar nicht immer einfach gewesen. Er lässt aber durchblicken, dass er gerne geholfen hat. «Die Leute haben es geschätzt, wenn man bei ihnen vorbei gekommen ist.» Es sei damals noch möglich gewesen, relativ unkompliziert etwas zu bewirken. «Nach getaner Arbeit sah man ein konkretes Ergebnis.»

Tragisch, wenn Eltern ihre Kinder weggeben mussten

Paul Gwerder erlebte in seiner jahrelangen Tätigkeit in der Vormundschaftsbehörde auch viele belastende Situationen. So musste er Menschen begleiten, die in ein Heim, ein Spital oder in eine Klinik eingeliefert werden mussten. Tragisch war beispielsweise, wenn er einer Mutter eröffnen musste, dass es keine andere Lösung gebe, als ihr Kind fremd zu platzieren. Die Frau ihrerseits musste in die Psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Oftmals waren solche Arbeiten nicht ohne Polizeischutz zu bewältigen.

«Die Fälle des sogenannten fürsorgerischen Freiheitsentzugs gehörten zu den schwierigsten Aufgaben», sagt Gwerder rückblickend. Die Gemeinde war selber dafür verantwortlich, wenn ein Kind gegen den Willen der Eltern aus deren Obhut entzogen werden musste. Mit der Schaffung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) übernahm diese Institution solche Fälle. «Für uns fiel dadurch ein grosser Teil der Arbeit weg», so Gwerder. Er verhehlt nicht, dass der Start der Kesb turbulent und schwierig gewesen sei. «Nach verschiedenen intensiven Gesprächen hat sich aber inzwischen ein sehr gutes Verhältnis ergeben», so Gwerder. «Auch mit den professionellen Sozialdiensten funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut.»

Detaillierte Auflistung vorgenommen

In den ersten Jahren kam sehr viel Arbeit auf ihn zu. Gwerder zeigt eine detaillierte Auflistung von 2001: Damals führte er 344 Telefonate und nahm 161 Termine wahr. Als 2004 in Erstfeld die erste professionelle Sozialarbeiterin der Gemeinde eingestellt wurde, schrumpfte die Arbeit massiv. «Unsere Tätigkeit war plötzlich zehnmal weniger umfangreich», erinnert er sich. 2008 erfolgte der Zusammenschluss zum regionalen Sozialdienst Urner Oberland, bei dem heute zwei Sozialarbeiterinnen und eine Sekretärin in Teilzeitpensen tätig sind. Diese leiten nun den professionalisierten Sozialdienst. Gwerder wurde Präsident dieser Behörde. 2009 wurde er als Sozialvorsteher in den Erstfelder Gemeinderat gewählt.

Mehr als zwei Jahre für Sitzungen und vieles mehr

Rund 600000 Franken wendet die Gemeinde Erstfeld pro Jahr für die Sozialhilfe auf. «Die Zahlen haben sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert», so Gwerder. «Es sind immer zwischen 50 und 60 Fälle.» Würden zehn Fälle wegfallen, kämen wieder zehn neue dazu. Zur Verabschiedung hat Gemeindepräsidentin Pia Tresch fein säuberlich ausgerechnet, wie viel Zeit ihr Ratskollege in all den Jahren für seine Tätigkeiten aufgewendet hat. «Rechnet man alle Stunden zusammen, hat Paul Gwerder insgesamt weit mehr als zwei Jahre nur an Sitzungen, Begehungen und für Delegationen verbracht», sagte sie.

Seit das Sozialwesen in der Gemeinde professionalisiert wurde, hat sich einiges verändert – sowohl für die Betroffenen als auch für die Behörde. So machen die Sozialarbeiter keine Besuche zu Hause. Wer Unterstützung will, muss dafür auch etwas leisten. Er muss vereinbarte Termine einhalten und regelmässig Bewerbungen schreiben. Besuche beim RAV oder bei der IV-Stelle gehören dazu. Macht dies jemand nicht, werden die finanziellen Leistungen gekürzt.

Die Sozialbehörde ihrerseits war weniger nahe bei den Menschen. «Wir waren nicht mehr selber operativ, sondern nur noch strategisch tätig», stellt Gwerder fest. Das war nicht einfach für ihn, denn er ist einer, der gerne selber anpackt. Auch war es für ihn stets wichtig, dass er alle Sozialfälle in der Gemeinde kennt. Er wollte wissen, wer unterstützt wird. Nicht etwa aus «Gwunder», sondern viel mehr, um etwa an einer Gemeindeversammlung bei Fragen detailliert Auskunft erteilen zu können.

Die Freude am Sportgeschehen ist über all die Jahre geblieben

Paul Gwerder war bis zum 45. Altersjahr ein aktiver Sportkletterer. Wegen eines Bandscheibenvorfalls musste er damals aber sein liebstes Hobby an den Nagel hängen. Kompensieren kann er dies heute ein wenig damit, dass er das Sportgeschehen aktiv verfolgt und gerne über Sportanlässe schreibt. Auch seine beiden Kinder treten ein wenig in Vaters Fussstapfen. So ist sein Sohn mehrfacher Zentralschweizer Berglaufmeister. Die Tochter engagiert sich in der Gemeinde. Sie ist Schulratspräsidentin in Erstfeld.

Auf die Frage, was der Höhepunkt seiner Tätigkeit als Gemeinderat gewesen sei, muss Paul Gwerder nicht lange studieren. Er kann sogar das Datum nennen: 15. Juni 2016. Damals machte der Gigathlon mit über 2000 Sportern Halt in Erstfeld. «Das war für mich als Sportfan ein unvergessliches Erlebnis.»

Paul Gwerder kennt sehr viele Menschen. Das hat auch damit zu tun, dass er als Sozialvorsteher in verschiedenen kantonalen Arbeitsgruppen tätig war. So engagierte er sich in den kantonalen Begleitgruppen Soziales und Pflegeheimplanung oder in der Arbeitsgruppe Pflegefinanzierung. Noch heute ist er Vizepräsident des Vereins Sprungbrett Uri, der arbeitslosen und ausgesteuerten Personen den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben erleichtern will.

Ohne seine Frau wäre das nicht möglich gewesen

Rückblickend ist Paul Gwerder froh, dass er all die Arbeit auf sich genommen hat. «Ich habe im Gemeinderat eine wunderbare Zeit erlebt, dabei extrem viel gelernt und sehr viel profitiert», sagt er. Insbesondere mit der aktuellen Präsidentin Pia Tresch pflege der CVP-Mann ein sehr gutes Verhältnis. «Auch wenn wir politisch das Heu nicht immer auf der gleichen Ebene hatten», wie er offen zugibt. Die Aufgaben eines Gemeinderats seien sehr vielfältig. Und: «Als Gemeinderat kann man im Dorf etwas bewegen.» Es sei eine sehr spannende Tätigkeit, die er nur weiter empfehlen könne. «Ich bin mir aber bewusst, dass es für Menschen, die Vollzeit arbeiten, schwierig ist, ein solches Amt auf sich zu nehmen.»

Paul Gwerder arbeitete jahrelang in einem 80-Prozent-Pensum. Er war im Schichtbetrieb als Personalplaner bei der Bahn tätig. Weil er oft Nachtdienst hatte, konnte er einiges an den Nachmittagen erledigen. «Das ist sonst in der Arbeitswelt kaum möglich, dass man Termine während des Tages wahrnehmen kann.» Er dankt rückblickend auch seiner Frau für ihre tatkräftige Unterstützung: «Sie hielt mir stets den Rücken frei und hat alles in und rund ums Haus gemacht.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.