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Iwan Imholz steht einer Vorzeigegemeinde vor

Nach gerade mal vier Jahren als Vizepräsident steht Iwan Imholz seiner Heimatgemeinde vor. Zu verdanken hat er das seinem Vater und dem Aufwachsen in einem lebendigen Bergdorf, in dem Mitwirkung etwas Selbstverständliches ist.
Carmen Epp
Der 42-jährige Iwan Imholz bei der Kirche, von wo aus er einen guten Überblick über «seine» Gemeinde geniesst. (Bild: Carmen Epp, Unterschächen, 8. Januar 2019)

Der 42-jährige Iwan Imholz bei der Kirche, von wo aus er einen guten Überblick über «seine» Gemeinde geniesst. (Bild: Carmen Epp, Unterschächen, 8. Januar 2019)

Auch wenn es sein Familienname nicht zwingend vermuten lässt – schliesslich rangiert er nicht unter den fünf häufigsten Namen in seiner Wohngemeinde – so ist Iwan Imholz doch ein Unterschächner durch und durch. Hier aufgewachsen, hat der heute 42-Jährige seine Heimat bisher nie verlassen.

Auf die Frage, was ihn hier hält, muss Imholz nicht lange überlegen. «Wir haben hier eine wundervolle Natur direkt vor der Haustür und sind gleichzeitig nur 20 Autominuten von Altdorf entfernt.» Die Unterschächner können auf den ersten Blick eigenartig wirken, räumt Imholz ein. In Wahrheit seien sie aber sehr offen und innovativ. Und nicht zuletzt würden der gute Zusammenhalt untereinander und die zahlreichen Vereine für ein aktives Dorfleben sorgen. Das Image des langweiligen Bergdorfes treffe auf Unterschächen sicher nicht zu.

Jagdfieber und politische DNA vom Vater geerbt

Vor ein paar Jahren hat Imholz das Haus seiner Eltern übernommen und umgebaut. Seither lebt er mit seiner Frau und den Kindern in seinem Elternhaus im Mätteli, Mutter und Vater in der Einliegerwohnung im Parterre. Mit seinem Elternhaus verbindet Imholz nicht nur eine unbeschwerte Kindheit, sondern Erlebnisse, die ihn bis heute geprägt haben. So liess sich Imholz von einem Hobby anstecken, dem sein Vater 2018 zum 60. Mal in Folge nachging: die Jagd. Zahlreiche Trophäen zieren den Eingangsbereich des Elternhauses, auf dessen Fassade ein grosses Bild eines Hirsches prangt. Dabei gehe es ihm bei seinem Hobby nicht so sehr darum, erfolgreich zu sein, sagt Imholz. «Jagd bedeutet für mich Entspannung, hier komme ich zur Ruhe.» Am liebsten geniesst er die Stille der Natur in seinem Alphüttli auf der Sittlisalp, einem seiner Lieblingsplätze.

«Sich für die Gemeinde einzusetzen, gehört in Unterschächen einfach dazu, das haben die Unterschächner gewissermassen im Blut.»

Doch nicht nur das Jagdfieber hat Imholz von seinem Vater. Auch eine gehörige Portion politische DNA hat er von ihm geerbt. Als sein Vater im Gemeinderat und später Gemeindepräsident war, sei am Mittagstisch oft debattiert worden, erinnert sich Imholz. «Und noch heute diskutiere ich gerne mit ihm, vor allem auf der Jagd.» Dabei seien Vater und Sohn nicht immer gleicher Meinung, sagt er mit einem Schmunzeln. Eine Gemeinsamkeit aber besteht: Genau wie sein Vater damals, engagiert sich Imholz auch politisch.

Über 20 Vereine in Unterschächen

«Sich für die Gemeinde einzusetzen, gehört in Unterschächen einfach dazu, das haben die Unterschächner gewissermassen im Blut», sagt Imholz. Nicht umsonst gebe es über 20 Vereine im knapp 700-Seelen-Dorf. Auf die Frage, in welchen Vereinen er sich einsetzt oder eingesetzt hat, muss Imholz überlegen. Schliesslich zählt er auf: Guggenmusik, Musikverein, Skiclub Unterschächen, Skiclub Klausen, Feuerwehr, Tourismusverein. «Das waren so die wichtigsten. In einigen bin ich nicht mehr aktiv.»

Zur Person: Fast ununterbrochen beim EWA

Iwan Imholz (1976, parteilos) kann auf eine lange Karriere beim EWA zurückblicken. 1996 schloss er dort die Lehre zum Elektromonteur ab. Vier Jahre später hatte er während elf Jahren die Leitung der EWA-Geschäftsstelle Schattdorf/Schächental inne. Nach einem zweijährigen Intermezzo als Geschäftsführer der Jumbo Markt AG kehrte er 2013 zum EWA zurück, wo er seit 2015 als Leiter Energievertrieb tätig ist. Imholz ist verheiratet und Vater dreier Kinder im Alter von 11, 13 und 25 Jahren. Zu seinen Hobbies zählt er seine Familie, die Jagd, das Wandern, Skifahren und Biken. Seit 2015 ist er im Gemeinderat, seit 2019 Gemeindepräsident. (eca)

Wozu die Eigeninitiative der Unterschächner führen kann, hat der Dorfladen gezeigt, den die Unterschächner mit der Gründung einer Genossenschaft 2016 kurzerhand selber übernommen haben – mit Erfolg. Als weiteres Beispiel für das Engagement der Bürger nennt Imholz das Langlaufzentrum, das im November 2017 eröffnet werden konnte. «Am Anfang wurde unsere Idee belächelt und als Grössenwahn abgetan», erinnert sich Imholz, der als Mitinitiant das Projekt angestossen hatte. Mit NRP-Geldern, zahlreichen Sponsoren und Gönnern sowie durch das gemeinsame Mitanpacken, viel Frondienst und dem Glauben an den Erfolg konnte das Leuchtturmprojekt schliesslich umgesetzt werden. «Inzwischen ist das Zentrum über die Kantonsgrenzen bekannt», sagt der 42-Jährige stolz. Es sei jedes Mal eine Freude, abends nach Hause zu fahren und eingangs Dorf auf die beleuchtete Nachtloipe zu blicken.

Imholz fordert Zusammenhalt der kleinen Gemeinden

Ein weiterer positiver Effekt der ausgeprägten Engagementkultur in Unterschächen: Während in anderen kleinen Urner Gemeinden kaum Personen für politische Ämter gefunden werden, kennt man sowas wie einen Amtszwang in Unterschächen bisher glücklicherweise noch nicht. Als Imholz 2015 für den Gemeinderat angefragt wurde, sagte er nach ein paar Gesprächen spontan zu. Dass er gleich als Vize gestartet und bereits vier Jahre später zum Gemeindepräsidenten gewählt wurde, habe sich so ergeben, sagt er. «Um ehrlich zu sein, wäre es mir lieber gewesen, mein Vorgänger, Ambros Arnold, hätte noch zwei Jahre länger gemacht», gibt Imholz zu. «In seine Fussstapfen zu treten ist nicht leicht.» Da der Gemeinderat aber ein eingespieltes Team sei und auch die Verwaltung sehr gut funktioniere, seien für ihn die Voraussetzungen gegeben gewesen, das Präsidium zu übernehmen. «Schliesslich ergeben sich dadurch auch viele Chancen und Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen.»

«Wir dürfen nicht nur Ja und Amen sagen, sondern müssen auf uns aufmerksam machen!»

Bei einer Vorzeigegemeinde wie Unterschächen dürfte der Entscheid ohnehin nicht schwergefallen sein. Neben der guten Mitwirkungskultur steht Unterschächen auch finanziell solide da, schreibt sie doch seit mehreren Jahren schwarze Zahlen – worum ihn so mancher Vorsteher anderer Gemeinden beneiden dürfte. Imholz relativiert: Zum einen habe man das Glück, dass Patengemeinden Unterschächen finanziell unter die Arme greifen. Das politische Umfeld verheisse für die Zukunft jedoch nichts Gutes. Durch die geplante Revision des Finanz- und Lastenausgleichs werde Unterschächen voraussichtlich zu den grossen Verlierern zählen. Hier sei es wichtig, dass die kleineren Gemeinden zusammenhalten. «Wir dürfen nicht nur Ja und Amen sagen, sondern müssen auf uns aufmerksam machen!» Auch gelte es, dem Zentralisierungstrend entgegenzutreten. «Meiner Meinung nach liegt der Fokus der Urner Politik zu stark auf Altdorf und Andermatt. Dabei haben die Seitentäler ebenfalls ihre Wichtigkeit und noch Potenzial, das brachliegt.»

Zeit für eine Fusion ist noch nicht reif

Apropos Kräftebündeln: Wieso fusioniert Unterschächen nicht mit Spiringen? «Dafür ist die Zeit noch nicht reif», sagt Imholz. «Wir haben bereits eine gute Zusammenarbeit, diese gilt es weiter zu stärken und optimieren.» Die Treiber einer Fusion seien die personellen Ressourcen und die Finanzen «Aber auch eine Zusammenlegung muss nicht bedeuten, dass automatisch alles günstiger käme», gibt er zu bedenken.

Bevor sich Unterschächen und Gemeindepräsident Imholz also mit dem Thema Fusion beschäftigt, stehen andere Projekte an. So muss etwa die Gemeindeordnung angepasst und die Sanierung der Kreisschule begleitet werden. Als weitere Herausforderung nennt Imholz das Bauland im Bonacher. Hier soll 2019 der Quartiergestaltungsplan vorliegen. Und auch die Baubewilligung des Hotel Klausenpass wird mit Spannung erwartet. Schliesslich soll Unterschächen so bleiben, wie Imholz es schätzt: ein lebenswertes Bergdorf, das auch die nächste Generation dazu bringt, gar nicht erst wegzugehen.

Die «Urner Zeitung» stellt in loser Folge die neuen Urner Gemeindepräsidenten vor. Bereits erschienen sind die Porträts von Renata Graf, Hospental (5. Januar), Toni Stadelmann, Seedorf (9. Januar), und Bruno Gamma, Schattdorf (12. Januar).

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