Christian Arnold will die Urner Regierung bürgerlicher machen

Vor vier Jahren schlug Christian Arnold eine Regierungsratskandidatur noch aus. Jetzt will es der Seedorfer SVP-Landrat wissen.

Matthias Piazza
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Der Urner Grossbauer Christian Arnold fühlt sich wegen ihrer klaren Meinung wohl in der SVP. Diese will er auch in die Regierung einbringen.

Der Urner Grossbauer Christian Arnold fühlt sich wegen ihrer klaren Meinung wohl in der SVP. Diese will er auch in die Regierung einbringen.

Bild: Urs Hanhart

Klosterhof-Sirup, Peelingseife mit Lavendel, Urner Eierteigwaren: Bis unter die Decke stapeln sich die Produkte aus der hofeigenen Produktion. Im Stall nebenan muhen etwa 40 Kühe und 20 Kälber. Draussen schweift der Blick über die Weide. Es sind 25 Hektaren, die der diplomierte Meisterlandwirt Christian Arnold für das Kloster St.Lazarus bewirtschaftet. Seit 20 Jahren bewirtschaftet der 42-jährige Vater von vier Kindern im Alter zwischen 7 und 15 Jahren einen der grössten Milchwirtschaftsbetriebe im Kanton.

Drei heisse Fragen an Christian Arnold

Vor vier Jahren verlor die SVP ihren einzigen Sitz in der Urner Regierung. Warum sollte es diesmal klappen?

Ich erachte mich nicht als Parteisoldaten, sondern als konsensfähigen Politiker, mit einer offenen Haltung, der sich für gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft einsetzt. Damit bin ich aus meiner Sicht nicht nur für typische SVP-Wähler ein valabler Kandidat.

Sie haben von Pascal Blöchlinger das SVP-Präsidium übernommen. Nun kandidiert er als «Wilder». Fühlen Sie sich hintergangen?

Pascal Blöchlinger hat sich persönlich für diesen Weg entschieden. Ich respektiere das. Wild zu kandidieren, ist sein gutes Recht. Ich war zwar einerseits überrascht, andererseits weiss ich, dass die Kandidatur nicht gegen mich als Person gerichtet ist. Meine Wahlchancen erachte ich nach wie vor als intakt.

Sie sind einer der grössten Landwirte im Kanton Uri. Wie gut können Sie auch die kleinen Bauern im Urner Berggebiet vertreten?

Die Bezeichnung Grossbauer ist relativ. Im Vergleich mit anderen Landwirten in der Schweiz bin ich ein Kleiner. Und in meinen früheren Funktionen im Vorstand des Zentralschweizer Bauernbundes und als Sekretär der Bauernverbände Uri/Nidwalden sowie aktuell als Vorstandsmitglied bei den Zentralschweizer und Schweizer Milchproduzenten hatte und habe ich sehr viel zu tun mit Landwirtschaftsbetrieben aller Grössen. (map)

Der Betrieb laufe rund, bestätigt er. Und trotzdem: «Es ist Zeit für den nächsten Schritt», begründet Christian Arnold seine Kandidatur als Regierungsrat. «Das Amt reizt mich sehr. Ich bin überzeugt, dass ich mit meinem Erfahrungsrucksack einen wertvollen Beitrag in der Exekutive leisten und insbesondere der SVP wieder eine Stimme in der Regierung geben kann.» Raumplanerische und finanzpolitische Themen treiben ihn um. In den nächsten Jahren investiert Uri 150 Millionen Franken, unter anderem in die West-Ost-Verbindung im Urner Talboden, welche Altdorf und die bevölkerungsdichten Siedlungsgebiete vom Durchgangsverkehr entlasten soll, in den Ausbau des Bahnhofs Altdorf zu einem Kantonsbahnhof und in die Erneuerung des Kantonsspitals Uri. «Auch andere Projekte dürfen nicht vernachlässigt werden», ist für Christian Arnold klar. «Erschliessungsstrassen in die Seitentäler oder die Verbindung durch den Axen nach Schwyz sind ebenso wichtig.» Insbesondere setze er sich für das Projekt Neue Axenstrasse ein. Mit zwei Tunnels (Sisiger und Morschacher Tunnel) sollen Brunnen und Sisikon umfahren und so vom Durchgangsverkehr entlastet werden. «Der Wirtschaftsstandort Uri ist auf eine sichere Verbindung nach aussen angewiesen. Daran hängen auch Arbeitsplätze.» Das sei einem im vergangenen Sommer vor Augen geführt worden, als die Axenstrasse wegen Steinschlags zweimal gesperrt war. Allerdings könne man nicht über zehn Jahre bis zur Realisierung warten. Darum setze er sich auch für die vorgezogene Realisierung der Gumpisch-Galerie ein.

Auch wenn in der Regierung Parteipolitik eine untergeordnete Rolle spiele, erachte er die jetzige Parteizusammensetzung mit je drei CVP- und FDP-Regierungsräten und einem SP-Vertreter als nicht ideal. «Auch wenn die Regierung auf dem Papier bürgerlich ist, hat sie sich in der zu Ende gehenden Legislatur aus meiner Sicht zu wenig für das Gewerbe und die Wirtschaft eingesetzt.» Darum sei es ihm ein Anliegen, den vor vier Jahren verlorenen Sitz in der Regierung für die SVP wieder zurückzuerobern.

In einem CVP-Haus aufgewachsen

Die Politik habe schon immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt. «Am Familientisch haben wir viel mit dem Vater politisiert. Er war für die CVP im Gemeinde- und Landrat», erzählt der gebürtige Seedorfer. Diese Partei habe ihm selber allerdings zu wenig zugesagt, weil sie unter anderem in der Europafrage keine klare Haltung gezeigt habe. «Am wohlsten fühle ich mich bei der SVP wegen ihrer klaren Position.» Und so kam es, dass er zusammen mit Paul Dubacher 1998 die SVP-Kantonalpartei gründete, welche er aktuell präsidiert. 2006 bis 2013 war er Gemeinderat in Seedorf, seit 2012 ist er im Landrat, 2015/16 war er als dessen Präsident höchster Urner.

2016 setzte er auf andere Kandidaten der SVP

Bereits 2016 war Christian Arnold als aussichtsreichster Regierungsratskandidat der SVP Uri gehandelt worden, verzichtete aber auf eine Kandidatur. «Ich war damals Landratspräsident und überzeugt, dass die SVP den Sitz des zurücktretenden Beat Arnold auch mit andern Kandidaten würde verteidigen können», sagte er. Zudem hätten berufliche und familiäre Gründe dagegen gesprochen.

Diesmal wäre der Schritt vom Miliz- zum Berufspolitiker im 80-Prozent-Pensum für ihn nicht so gross, wie es auf den ersten Blick scheine. Die Ausgangslage sei anders. «Das Amt als Landrat und meine Tätigkeiten im Vorstand der Zentralschweizer und Schweizer Milchproduzenten und im Verwaltungsrat der Emmi entsprechen in der Summe etwa einem 50–60-Prozent-Pensum.» Als Landrat werde er nicht mehr kandidieren und die meisten Mandate nächstes oder übernächstes Jahr abgeben. So ende auch das Emmi-Verwaltungsratsmandat 2021. «Meine Frau und meine Kinder, die ja nun auch etwas älter sind, stehen voll und ganz hinter meiner Entscheidung.» Auch sein Vater unterstützte ihn, indem er im Betrieb mithelfe. Der Betrieb mit Klosterhof würde also weiter bestehen bleiben.

«Urner kennen mich als Landrat und Bauer»

Die Sitze von Barbara Bär (FDP) und Heidi Z’graggen (CVP) stehen nun im Urner Regierungsrat zur Verfügung. Mit Pascal Blöchlinger, der ebenfalls kandidiert (allerdings ohne die Unterstützung seiner Partei), Georg Simmen (FDP) und Daniel Furrer (CVP) kandidieren neben Arnold drei weitere Neue. Seine Wahlchancen sieht er als intakt. «Die Urner kennen mich als Bauer und Landrat, der immer mal wieder von sich reden machte.» Er erwähnt dabei die von ihm mitlancierte Initiative zur Regulierung der Grossraubtierbestände, welche die Urner im Februar letzten Jahres mit 70,2 Prozent angenommen haben.

Als Landrat und Mitglied der Finanzkommission hat er immer wieder mit finanzpolitischen Vorstössen Aufmerksamkeit erregt, so etwa zur Finanzstrategie 2025+. Mit der Begründung, dass der Regierungsrat 2023 auf ein strukturelles Defizit zusteuert, verlangte er unter anderem, dass sie die Aufgaben und Leistungen des Kantons laufend auf ihre Notwendigkeit und Zweckmässigkeit prüft. Bei einem weiteren Vorstoss, der ebenfalls nicht umgesetzt wurde, ging es um den Finanz- und Lastenausgleich zwischen dem Kanton und den Gemeinden. «Es dreht sich immer alles ums Geld, daher sind finanzpolitische Ämter in einer Schlüsselposition», erklärt Christian Arnold. Wegen seiner Affinität zu Raumplanung und Verkehr könne er sich insbesondere das Volkswirtschaftsdepartement gut vorstellen. Gibt es keine Rochade unter den Wiedergewählten, werden allerdings die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion sowie die Justizdirektion vakant. «Ich bin für alles offen», meint Christian Arnold dazu.

Als Parlamentarier, der auf der SVP-Linie politisiert, ging oft auch mit der Regierung hart ins Gericht. Sollte Arnold gewählt werden, verschiebt sich seine Rolle: Er wird sich dem Parlament stellen müssen, Geschäfte absegnen lassen und nach dem Kollegialitätsprinzip mit seinen sechs Regierungsratskollegen Lösungen suchen. Dieser Veränderung blicke er gelassen entgegen. «Ich kenne die Rolle der Regierung und kann als konsensfähiger Mensch damit umgehen.»

Unsere Zeitung porträtiert alle Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 8. März.