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ERFINDER: Urner Erfinder verblüfft die Fachwelt

Armin Furrer ist Grafiker. Doch jetzt hofft der in Luzern wohnhafte Urner, mit einem multifunktionalen Küchenhelfer auch als Erfinder den Durchbruch zu schaffen.
Bruno Arnold
Armin Furrer mit seiner Erfindung, die man unter anderem als Verschlussöffner, Hitzehandschuh, Untersetzer oder Behälterisolation nutzen kann. (Bild Roger Grütter)

Armin Furrer mit seiner Erfindung, die man unter anderem als Verschlussöffner, Hitzehandschuh, Untersetzer oder Behälterisolation nutzen kann. (Bild Roger Grütter)

Wer kennt die Situation nicht: Das Konfitüreglas lässt sich mit aller Kraftanstrengung nicht öffnen, weil die Hand entweder am Deckel oder am Glas abrutscht. Oder: Der Champagnerkorken bewegt sich trotz Rütteln und Ziehen um keinen Millimeter. Tempi passati! Ab sofort riskiert man bei solchen Tätigkeiten keinen hochroten Kopf und kein schmerzendes Handgelenk mehr – dank SixMat. So heisst die Erfindung des 60-jährigen Urners Armin Furrer. Die doppelwandige zirka 17 x 12 Zentimeter grosse Silikonmatte lässt sich wie ein Strumpf über das Glas stülpen. Mit der einen Hand hält man den Behälter von unten, mit der andern den Deckel von oben. Durch eine gegenläufige Drehbewegung lässt sich der Deckel mühelos öffnen. «Man kann beide Hände ergonomisch optimal einsetzen und rutscht dabei dank SixMat nicht ab», beschreibt Furrer den grössten Vorteil, den seine Erfindung gegenüber handelsüblichen Hilfsmitteln aufweist.

Effizient und multifunktional

Mit SixMat hat Furrer Mitte April in Genf die Jury der weltweit wichtigsten Erfindermesse überzeugt. Die Effizienz als Drehverschlussöffner dürfte zwar der wichtigste, aber nicht der einzige Grund für die Bronzemedaille gewesen sein. Denn SixMat verblüfft auch durch Multifunktionalität. So kann die Silikonmatte auch über die Hand gezogen werden, um so ein Kuchenblech aus dem Backofen zu ziehen, ohne sich zu verbrennen. Oder man stülpt sie über eine Weissweinflasche oder einen Teekrug und erreicht dadurch die gewünschte Kälte- respektive Wärmeisolation. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit: Man nimmt die heisse Pfanne vom Herd und stellt sie einfach auf der SixMat ab.

Die Multifunktionalität ist dank der Form und des verwendeten Materials möglich. Dieses ist hitze- und kälteresistent, und zwar von minus 50 bis plus 230 Grad Celsius. Die sechs (six) Anwendungsmöglichkeiten der Matte (Mat) sind als Piktogramme auf dem Tool und auf der Verpackung aufgedruckt. «Das reicht aber nicht», sagt Furrer. «Die Leute wollen sehen, was ein Ding kann.» Seit dem 1. Mai kann man sich deshalb auf www.sixmat.com ein Video und Bilder anschauen – übrigens ebenfalls eine Urner Produktion. Die Website ist von der auf digitale Kommunikation spezialisierten Firma Zottermedia realisiert worden.

Furrer ist gelernter Schriftsetzer und Grafiker. Seit rund zwanzig Jahren ist er zusätzlich nebenberuflicher Erfinder, weil er neben dem zweidimensionalen Gestalten auch das Bedürfnis hatte, sich mit Materialien und Funktionen auseinanderzusetzen. Seine Ideen findet er im Alltag, dort wo es Probleme gibt. «Immer wieder frage ich mich: Gibt es wirklich keine gescheitere Lösung?» Diese Frage sei auch der Auslöser für die SixMat-Entwicklung gewesen. «Viele Leute haben Mühe beim Öffnen der Drehverschlüsse von Gläsern oder Flaschen. Also wollte ich einen besseren Öffner entwickeln.»

Neue Ansätze und Materialien

In den vergangenen vier Jahren kamen Dutzende von Skizzen und Kurzbeschrieben zusammen. Immer wieder hat er neue Materialien und Funktionsweisen ausprobiert. Dabei ist er oft auf Widerstände gestossen. «Zum Glück», meint er, «denn Widerstände zwingen einen, neue Lösungsansätze und Materialien zu suchen.» Das war auch bei SixMat so. Dank der Verwendung von hitze- und kälteresistentem Silikon haben sich die zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten ergeben.»

Eine weitere Herausforderung im SixMat-Entwicklungsprozess: Bei der Realisierung des Prototypen durfte er keinem verraten, was er genau vorhatte. Nach vergeblichen Versuchen, eine Schweizer Firma zu finden, kam Furrer schliesslich via Internet in Kontakt mit Produzenten in China. «Damit sie nicht auf meine tatsächlichen Absichten schliessen konnten, musste ich ihnen eine fiktive andere Verwendung des Prototypen suggerieren», erzählt er augenzwinkernd. Um ja nichts zu verraten, liess er beispielsweise falsche Piktogramme aufdrucken. «Der Weg vom Prototypen bis zum Endprodukt ist ein stressiges Rennen gegen die Zeit», sagt Furrer. «Sobald die Patentanmeldung erfolgt ist, bleibt nur ein Jahr, um Partner für die Vermarktung zu finden.» Und hätte er nicht auf sehr viel Eigenleistung und die Unterstützung durch sein berufliches Netzwerk bauen können, wäre das Vorhaben auch finanziell untragbar geworden.

Prototyp kommt nicht zurück

Mit seinen bisherigen Erfindungen – vom Teesieder über das modulare Weingestell bis hin zu einem funktional neuen Trekkingstock hat Furrer zwar potenzielle Produzenten verblüfft. Einsteigen wolle aber keiner. Es sei jeweils frustrierend gewesen, wenn er vergeblich viel Zeit und Energie aufgewendet hatte, um die Idee zu verkaufen. Oder wenn der von ihm entwickelte Prototyp nie mehr zurückkam, dafür als Erfindung jener Firma auf dem Markt auftauchte, mit der Furrer Geheimhaltung vereinbart hatte. So geschehen mit einer neuartigen Hose für Sportkletterer.

«Ich hoffe, dass es diesmal klappt», sagt der Erfinder. Sein Patentanwalt hat die Vorprüfung vorgenommen, SixMat ist beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum (IGE) angemeldet, und an der Erfindermesse in Genf haben sich mehrere Vermarkter interessiert gezeigt. «Bis Ende Jahr entscheidet das IGE, ob meine Erfindung als neu anerkannt und damit patentierbar ist», blickt Furrer in die Zukunft. «Wer weiss, vielleicht entwickelt sich SixMat zu einem neuen Schweizer Designklassiker für die Küche.» Auch als Souvenir sieht Furrer Potenzial. Das Produkt vereinige typische Merkmale schweizerischen Designs: Präzision, Zurückhaltung, Raffinesse, Nutzen und Ästhetik.

«Bisher nicht rentabel»

Und sollte es nicht klappen? «Die Grafik hatte bei mir immer Priorität. Das bleibt so», betont der Inhaber von Furrer Graphic Design in Luzern. «Es ist ja ein Privileg, dass ich mich in ruhigeren Zeiten auf das Erfinden konzentrieren kann.» Und schmunzelnd fügt er an: «Auch wenn diese Tätigkeit bisher nicht rentabel war.» Bisher. Damit sagt Furrer nicht nur, dass er an den Erfolg glaubt. Er räumt ebenso ein, dass SixMat für ihn eine kommerzielle Komponente hat. «Ich möchte mehr als nur gerade meine Entwicklungskosten decken können.» Mit seinem Webshop sei alles gut aufgegleist, so dass er SixMat problemlos im Nebenjob managen könne.

Hinweis

Den multifunktionalen Küchenhelfer kann man über www.sixmat.com bestellen.

Bruno Arnold

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