ERFINDUNG: Der Gepäckträger für ganz wilde Touren

Der Urner Kurt Schleiss hat ein Gepäckträgersystem für vollgefederte Mountainbikes entwickelt, das viel tragen kann. Jetzt geht das Produkt in Serie.

Bernard Marks
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Kurt Schleiss aus dem Kanton Uri mit seinem Gepäckträger fürs Mountainbike. (Bild: Dominik Wunderli)

Kurt Schleiss aus dem Kanton Uri mit seinem Gepäckträger fürs Mountainbike. (Bild: Dominik Wunderli)

«Wenn man ein gutes Packsystem hat, gibt es keinen Grund, auf einer längeren Biketour unnötige Umwege zu fahren», sagt Kurt Schleiss (54). Doch leider gab es bisher für ein vollgefedertes Mountainbike keine zufriedenstellende Gepäckträgerlösung. «Die meisten Gepäckträger, die es auf dem Markt gibt, sind zu wenig stabil und bieten im Gelände zu wenig Halt», sagt Schleiss. Auch die Tragfähigkeit vieler angebotener Lösungen lasse zu wünschen übrig.

«Bikefans mussten deshalb auf ambitionierte Touren durch die Natur auf einen Rucksack zurückgreifen», erzählt Schleiss beim Treffen mit unserer Zeitung. Doch der Rucksack hat entscheidende Nachteile: «Er sorgt nach gewisser Zeit für Schmerzen im Sitzbereich. Ausserdem gibt es Druckstellen und Verspannungen, und man schwitzt unter dem Rucksack schnell», erklärt Schleiss. Der begeisterte Mountainbike-Fahrer aus Uri witterte eine Marktlücke und hat sich etwas einfallen lassen.

Erfindergeist erwachte

Zuerst einmal begann Kurt Schleiss, an einem einfachen Velogepäckträger zu basteln. Das liegt schon einige Jahre zurück. Damals kreierte er einen ersten, noch ziemlich primitiven Lenkeraufsatz, auf dem er seinen Rucksack festmachen konnte – insbesondere dann, wenn er bergwärts strampelte, was er zum Training für sein Hobby – das Bergsteigen – oft macht. Doch inzwischen hat sich der Prototyp zu einen ausgefeilten Gepäckträgersystem weiterentwickelt.

«Das war nicht einfach, denn am Rahmen des gefederten Bikes kann man nichts befestigen», sagt Schleiss. Der einzige Ansatzpunkt für die Gepäckträger war der Lenker oder die Sattelstütze. Doch insbesondere an der Sattelstütze etwas anzubringen, ist eine Herausforderung. «Auf die Stabilität und Genauigkeit des Verbindungsteils kommt es an», sagt Schleiss. Hier ist Millimeterarbeit gefordert. Schleiss, der schon jeden Viertausender der Alpen bezwungen und schon zweimal am Velorennen Verbier–Grimentz teilgenommen hat, weiss, worauf es ankommt und was sich Biker für ihre Touren wünschen. Er wandte sich mit einer Anfrage an einen Spezialisten, der ihm bei der Herstellung des Gepäckträgers helfen sollte.

Präzisionsarbeit von Dätwyler

Bei Dätwyler in Altdorf wurde Schleiss fündig. «Die Polymechaniker dort können Aluminiumteile im Zehntelbereich eines Millimeters exakt herstellen», sagt Schleiss. Bei einer deutschen Firma fand er die praktische Klick-Fix-Halterung, die es erlaubt, den Träger samt Rucksack bequem vom Velo zu entfernen, wenn man zum Beispiel in einen Zug steigen will. Zusammen ergibt es ein Tragesystem, welches problemlos das Gewicht eines erwachsenen Menschen tragen könnte. «Das Produkt ist zwar mit 198 Franken nicht ganz günstig, aber immerhin wird es in der Schweiz hergestellt und hält, was es verspricht», sagt Schleiss. Heute ist das System so weit ausgereift, dass es in die Serienproduktion gehen kann. Der SBB-Shop hat das nützliche Velozubehör bereits in sein Sortiment aufgenommen.

Kurt Schleiss nutzt sein Trägersystem oft selbst. Mit dem Velo fährt er fast täglich einen Teil des Arbeitsweges von seinem Wohnort Silenen nach Luzern.

Mehr Infos unter www.genial-biken.ch