ERSTFELD: Auch Regierung will besser koordinieren

Die Sanierung Erstfeld innerorts soll rasch an die Hand genommen werden. Die Regierung geht auf das Anliegen einer parlamentarischen Empfehlung ein. Das nun angeschlagene Tempo hat aber Abstriche an den möglichen Arbeiten zur Folge.

Markus Zwyssig
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Die Kantonsstrasse ab Birtschen bis zum Gemeindehausplatz muss saniert werden. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 27. März 2018),)

Die Kantonsstrasse ab Birtschen bis zum Gemeindehausplatz muss saniert werden. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 27. März 2018),)

Markus Zwyssig

markus.zwyssi@urnerzeitung.ch

Landrätin Karin Gaiser (CVP, Erstfeld) stösst mit einer parlamentarischen Empfehlung auf offene Ohren. Die Regierung schreibt in ihrer Antwort, dass die Sanierung Erstfeld innerorts auf die Jahre 2019/20 vorgezogen werden soll.

Die Regierung wird dem Landrat einen Antrag für einen Zusatzkredit zum Unterhaltsprogramm (UHP) 2016 bis 2019 unterbreiten. Sie will überdies im UHP 2020 bis 2023 die Arbeiten in Erstfeld zusätzlich zu den übrigen Arbeiten berücksichtigen. Die Regierung ist bereit, die parlamentarische Empfehlung entgegen zu nehmen. Der Landrat entscheidet an seiner Session am 18. April darüber.

Belastung minimieren, Kosten einsparen

Konkret plant die Abwasser Uri AG die Erneuerung der Abwasserleitungen. Zeitgleich werden die Wasserversorgung sowie die Elektroinstallationen der Gemeindewerke Erstfeld erneuert. Zudem planen die SBB die Sanierung der Unterführung Schlossbergstrasse. Strassenseitig sind die Sanierung der Gotthardstrasse mit dem Einbau einer Strassenentwässerungsleitung im Trennsystem für das Strassenabwasser und Massnahmen aus verkehrssicherheitsrelevanten Aspekten mittelfristig ein Thema.

Karin Gaiser regte an, die Projekte zu koordinieren, damit die Belastung der Bevölkerung von Erstfeld minimiert und Kosten eingespart werden können. Konkret sollen die Projekte gemeinsam ausgeführt und bis 2020 abgeschlossen werden. Ausschlaggebend für den gesetzten Termin sind die geplanten, subventionsberechtigten Sanierungsarbeiten der Abwasser Uri AG am Projekt Groberschliessung Erstfeld Nord.

Inzwischen ist einiges passiert. So hat sich die Baudirektion mit Vertretern der Gemeinde Erstfeld, der Gemeindewerke Erstfeld, der Abwasser Uri AG und der SBB am 1. September 2017 zum Gespräch getroffen. Eine weitere Sitzung fand am 21. Dezember 2017 statt. Vertreten war auch das Amt für Umweltschutz und die Abteilung Wasserbau für eine Beurteilung der Abwassersituation und der Hochwasserschutzsituation. Die Baudirektion Uri sieht durchaus Potenzial für die Koordination der Projekte Erstfeld innerorts. «Werden seitens Kanton gewisse Arbeiten vorgezogen und mit den anderen Bauvorhaben koordiniert, ist es möglich, mittelfristig Gelder aus dem Strassenunterhalt einzusparen», schreibt die Regierung in ihrer Antwort.

Die mögliche Koordination der Projekte bezieht sich aber nur auf den Kantonsstrassenabschnitt Birtschen bis Gemeindehaus. Der Bereich Bahnhofplatz sei planerisch noch nicht aufbereitet. Zudem sei die Koordination der Bedürfnisse im Bereich der Brückensanierung der SBB mit der Gemeinde noch offen.

Hochwasserschutz soll mit einbezogen werden

An der Sitzung vom 21. Dezember 2017 wurde ein weiteres Problem mit einbezogen: Die beiden Erstfelder Bäche Specktal und Nollental werden heute noch in die Kanalisation eingeleitet. Diese Situation sei langfristig nicht tragbar, gibt sich die Regierung überzeugt. «Erst kürzlich kam es wegen Starkregen zu einem Überlastfall und zu einer Gefährdung der Funktionsfähigkeit der Kläranlage Altdorf.» Folglich sei es wichtig, dass ein allfälliges Hochwasserschutzprojekt an den Bächen mit den Arbeiten an der Abwasserleitung sowie mit dem Strassenbauprojekt koordiniert werde.

Die Regierung hat an ihrer Sitzung vom 27. Februar die verschiedenen Möglichkeiten geprüft, wie die Projekte Erstfeld innerorts zeitlich aufeinander abgestimmt werden könnten. Sie möchte am Terminplan der Abwasser Uri AG (Fertigstellung bis 2020) festhalten und erachtet eine Koordination mit den anderen Projekten als sinnvoll.

Der enge zeitliche Rahmen wirkt sich aber auf die Planung und auf die Ausführung aus. So muss die Sanierung der Kantonsstrasse im Abschnitt Birtschen bis Gemeindehaus auf eine reine Instandstellung beschränkt werden. Verbesserungen an der Verkehrsführung und Verkehrssicherheit können nur punktuell vorgenommen werden, und zwar nur dort, wo kein Landerwerb und kein Planauflageverfahren nötig sind.

Die Baudirektion Uri legt zusammen mit den Arbeiten der Abwasser Uri AG die Leitungen für das Trennsystem ein und passt die Strassenentwässerung an. Zusätzlich werden die Hochwasserschutzmassnahmen umgesetzt. Die Kosten für die Instandstellung des Deckbelags/Strassenoberbaus können unter den beteiligten Partnern (Abwasser Uri AG, Gemeindewerke, Amt für Tiefbau) aufgeteilt werden.

Gaiser: «Lösung stimmt für alle betroffenen Parteien»

Mit der Gemeinde Erstfeld ist dieses Vorgehen abgesprochen. Die Gemeinde ist damit einverstanden, sofern punktuelle Verbesserungen zu Gunsten der Verkehrssicherheit vorgenommen werden. Die Verbesserungen betreffen die Einfahrt Kolonie, den Knoten Wasserschaftsweg sowie die Einfahrt Coop.

Karin Gaiser ist mit der Antwort der Regierung sehr zufrieden, wie sie auf Anfrage sagt. «Die Lösung stimmt für alle betroffenen Parteien.» Besonders froh sei sie, dass man nun miteinander einen Kompromiss finden konnte, der noch dazu nachweislich Geld sparen werde. «Ich würde mir wünschen, dass solche Koordinationsprozesse auch in anderen Projekten automatisch eingeleitet würden, ohne dass es dafür einen Vorstoss braucht.»