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ERSTFELD: Die Urner Bauern setzen sich zur Wehr

Der Urner Bauernverband kritisiert an seiner Generalversammmlung ein allfälliges Freihandelsabkommen mit südamerikanischen Staaten und warnt vor verheerenden Folgen für hiesige Landwirte. Im Vorstand bleibt alles unverändert.
Paul Gwerder
Wendel Loretz, Präsident des Urner Bauernverbandes (links), bedankt sich mit einem Geschenk bei Referent Pierre-André Pittet von Swissmilk. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 10. März 2018))

Wendel Loretz, Präsident des Urner Bauernverbandes (links), bedankt sich mit einem Geschenk bei Referent Pierre-André Pittet von Swissmilk. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 10. März 2018))

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch

Einleitend stellte der Präsident des Urner Bauernverbandes, Wendel Loretz, an der 83. Generalversammlung im Pfarreizentrum in Erstfeld den rund 100 Mitgliedern und zahlreichen Gästen die Frage: «Was brauchen wir zum Leben?» Die Antwort gab er gleich selber: «Das Wichtigste für uns Menschen ist das Essen und Trinken, dabei muss es etwas ­Gutes sein, und das Tierwohl soll im Vordergrund stehen. Nur weil es billig ist, essen die Menschen Tomaten aus Spanien oder Fleisch aus Brasilien, das sollte nicht gefördert werden.» Positiv stimmte den Präsidenten das Resultat der Volksabstimmung zur Verankerung der Ernährungs­sicherheit, der das Volk mit einem Ja-Stimmen-Anteil von fast 80 Prozent zugestimmt hatte.

Auch die Grossraubtier-Problematik kam zur Sprache: «Sie beeinträchtigt nicht nur uns, sondern immer mehr den Tourismus. Die Landwirtschaft muss dies zweigleisig anpacken», schreibt der Präsident im Bericht. «Zum einen auf dem politischen Weg Druck machen, andererseits müssen wir wohl oder übel mit den Behörden zusammenarbeiten und Massnahmen umsetzen.»

2017 wurden zum vierten Mal die Landschaftsqualitätsbeiträge ausbezahlt. Dies betrifft in Uri 562 Sömmerungs- und Heimbetriebe. Äusserst positiv überrascht ist der Vorstand über den ersten Zwischenabschluss der genossenschaftlichen Viehversicherung. Diese kantonale Versicherung besteht nun seit gut einem Jahr, und schon sind 116 Betriebe beigetreten.

Der Urner Bauernverband hat sich entschlossen, sich an der Wirtschafts- und Erlebnismesse «Uri 18» vom 6. bis 9. September zu präsentieren. «Für uns ist das Datum zwar nicht ideal, denn viele von uns sind noch auf der Alp oder haben viel Arbeit. Trotzdem werden wir uns dort zusammen mit ‹Alpinvera› präsentieren», sagte Loretz. Regierungsrat Urban Camenzind war erfreut, dass der Bauernverband an der «Uri 18» dabei ist. Er zeigte sich aber auch besorgt: «Ich mache mir Sorgen um die Landwirtschaft, wenn das diskutierte Freihandelsabkommen umgesetzt würde.»

Preiszerfall und grosses Bauernsterben

Wendel Loretz kritisierte den Bundesrat wegen des geplanten Freihandelsabkommens mit einigen südamerikanischen Staaten (Mercosur): «Es ist eine Ohrfeige für die Landwirte.» Da gehe es nicht darum, Direktzahlungen umzuverteilen, sondern die Grenzen für alle landwirtschaftlichen Produkte zu öffnen. «Dies wäre eine verheerende Situation, welche Preiszerfall und ein grosses Bauernsterben zur Folge haben würde.» Er forderte seine Berufskollegen auf, dagegen anzukämpfen. Für Uri hätte die Marktöffnung negative Folgen, denn die Nutztierhaltung sei einer der wichtigsten Betriebszweige.

Zum Thema «Folgen einer allfälligen Grenzöffnung für die Urner Landwirtschaft» referierte Pierre-André Pittet, Vizedirektor Swissmilk. «Für die Urner Landwirtschaft hätte ein Freihandelsabkommen katastrophale Auswirkungen, denn die Bauernbetriebe würden unter enormen Preis- und Mengendruck geraten.» Auch die Organisation der Schweizer Milchproduzenten setzt sich zur Wehr, denn mit dieser Massnahme wird die Produktion im Inland reduziert und ­dafür die Importe von billigen Produkten aus dem Ausland gefördert. Dieses Szenario würde das Einkommen der Landwirte in Uri um 12,3 Millionen Franken respektive pro Betrieb um durchschnittlich 23 200 Franken oder 57 Prozent kürzen. «Die rund 570 Urner Bauernbetriebe haben es heute schon schwer, denn die meisten sind noch auf einen Nebenerwerb angewiesen», brachte es Pittet auf den Punkt.

Das Traktandum Wahlen war schnell vom Tisch, alle Vorstandsmitglieder stellten sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung. Dies sind: Wendel Loretz (Präsident), Andreas Baumann (Vizepräsident), Peter Arnold (Kassier) sowie Pirmin Tresch, Daniel Arnold, Alois Arnold-Reichmuth, Margrith Loretz-Muheim und Max Müller. Die Jahresrechnung schloss mit einem Gewinn von 2813 Franken.

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