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ERSTFELD: Er sorgt für Sicherheit im Basistunnel

Noch einen Monat geht es, bis der Gotthard- Basistunnel eröffnet wird. Für den Sicherheitschef des Tunnels ist die intensivste Zeit aber bereits vorbei.
Matthias Stadler
Er ist für Notfälle gerüstet: Alois Zurfluh, Kommandant der Betriebswehr SBB Erstfeld, im Lösch- und Rettungszug. (Bild Urs Hanhart)

Er ist für Notfälle gerüstet: Alois Zurfluh, Kommandant der Betriebswehr SBB Erstfeld, im Lösch- und Rettungszug. (Bild Urs Hanhart)

Matthias Stadler

Eins stellt er gleich mehrere Male klar: «Ohne Team funktioniert hier gar nichts.» Alois Zurfluh ist Kommandant der Betriebswehr SBB Erstfeld und somit mitverantwortlich für die Sicherheit auf dem Bahnabschnitt zwischen Schwyz und Wassen. Und er ist künftig auch einer der Verantwortlichen dafür, dass der längste Eisenbahntunnel der Welt – der Gotthard-Basistunnel – sicher durchquert werden kann.

Der 50-jährige Attinghauser empfängt die Besucher im neuen Erhaltungs- und Interventionszentrum (EIZ) der SBB in Erstfeld, gleich neben dem Bahnhof. Dort steht seit Anfang Jahr der ebenfalls neue Lösch- und Rettungszug der SBB-Betriebswehr bereit. Mit diesem wird im Ereignisfall an Ort und Stelle gefahren – sei es für Evakuierungen, Zugentgleisungen oder Brände. «Wir sind hier nun super ausgerüstet», sagt Zurfluh. Die SBB haben neue Rettungszüge gekauft – 15 Millionen Franken pro Stück. Der mit sechs Dieselmotoren angetriebene Zug beinhaltet zwei Rettungswagen, einen Tanklöschwagen (Fassungsvermögen: 48 000 Liter Wasser) und einen Gerätewagen. Er bietet 150 Personen Platz. Ein weiterer Zug steht am südlichen Ende des Basistunnels in Biasca.

Vertrauen ist lebenswichtig

Alois Zurfluh, den alle «Wisi» nennen, hat als Kommandant dieser Betriebswehr 20 Personen unter sich – und zwar alles Männer. «Da kann es schon vorkommen, dass hier einmal Klartext geredet wird», sagt Zurfluh mit einem verschmitzten Lächeln. «Dafür ist dann die Sache normalerweise schnell wieder gegessen.» Die Fluktuation im Team ist klein, der Zusammenhalt stark. «Bei unserer Arbeit kann es um Leben oder Tod gehen. Da müssen wir einander vertrauen können», erklärt der Attinghauser, der auch für die CVP im Urner Landrat sitzt. «Der Kommandant alleine kann nichts ausrichten.»

«Ich kann meistens abschalten»

Im Erhaltungs- und Interventionszentrum Erstfeld sind ständig mindestens fünf Personen vor Ort. Es wird im Schichtbetrieb gearbeitet. Eine Schicht dauert dabei 24 Stunden, danach wird abgelöst. Laut Zurfluh hat «seine» Betriebswehr etwa 100 Einsätze pro Jahr. Nur etwa eine Handvoll sind dabei Löscheinsätze. Am meisten ausrücken müssen sie wegen Abschleppungen, Entgleisungen und Umwelteinflüssen. Aber auch Suizide kommen ab und zu vor, die im SBB-Jargon als «Personenunfälle» betitelt werden. «Normalerweise kann ich gut abschalten und mich auch bei tragischen Ereignissen voll auf meine Arbeit konzentrieren.» Blut zu sehen, mache ihm nichts aus. «Es hilft aber definitiv, wenn man nach dem Einsatz darüber reden kann.»

Doch selbst bei einem erfahrenen Mann wie Zurfluh hinterlässt der eine oder andere Einsatz Spuren. So etwa der Felssturz im Juni 2012, als bei Gurtnellen ein Bauarbeiter ums Leben kam. «Wir wurden aufgeboten, und ich wusste bei der Hinfahrt bereits, dass es eine mir bekannte Person ist», erzählt er nachdenklich. «Ich wusste ebenfalls, dass der Mann so gut wie sicher nicht mehr am Leben war.» Und so war es dann auch, der Mann konnte nur noch tot geborgen werden. «Das war ein sehr prägendes Erlebnis, gerade weil ich den Mann selber kannte.»

Mit Herzblut dabei

Und trotzdem: Die Stelle als Kommandant bereitet Zurfluh meistens Freude. «Ich bin mit Herzblut bei der Sache.» Ihm gefalle die Abwechslung seiner Arbeit. So könne er immer wieder «ins Feld hinaus», Einsätze bewältigen und administrative Arbeiten erledigen.

Zurfluh meldete sich als 19-Jähriger bei der Ortsfeuerwehr Attinghausen. Etwas später schloss er eine Lehre als Mechaniker ab und wurde Lokomotivführer. Dabei blieb er der Feuerwehr immer treu. Und nachdem die Betriebswehr von den SBB professionalisiert worden war, heuerte er im Jahr 2006 in Erstfeld an. 2011 wurde er Kommandant: «Jetzt habe ich die Decke erreicht, höher hinauf will ich nicht», lacht Zurfluh. Er spricht damit auch seine rege Tätigkeit ausserhalb des Berufslebens an. Neben dem Amt als Kommandant der Betriebswehr ist Zurfluh nicht nur Politiker und ehemaliger Präsident des kantonalen Schwingerverbands, er ist auch ein passionierter Jäger und geht regelmässig auf Jagdtouren im In- und Ausland. Einmal pro Woche schaut er zusammen mit seiner Frau zum zweijährigen Grosskind. «Ich mache eigentlich schon viel», gibt er zu. Möglich sei dies nur dank einer verständnisvollen Frau, die ihm den Rücken frei halte.

Das «Loch» war früher interessanter

Dass mit der Eröffnung des Basistunnels bald ein neues Zeitalter in Sachen Eisenbahn anbricht, scheint Zurfluh nicht sonderlich aus der Ruhe zu bringen. «Während der Bauzeit war das ‹Loch› für uns spannender. Jetzt ist es einfach ein Tunnel – wenn auch ein sehr langer, dafür aber mit modernsten Sicherheitseinrichtungen.» Die intensivste Zeit für seine Mannschaft sei vorbei, denn die vergangenen zwei Jahre hätten er und seine Männer mit Umschulungen, Übungen, Einsätzen und dem Umzug ins neue Interventionszentrum verbracht. Am Eröffnungstag des Basistunnels werden die Männer der Betriebswehr – und somit auch Alois Zurfluh – im Hintergrund stehen und wie gewohnt ihre Arbeit erledigen.

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