ERSTFELD: Feuerwehr kann mehr als Brände löschen

Derart viele Guggenmusiken wollten am Fasnachtsumzug mitmachen, dass einigen abgesagt werden musste. Schwieriger ist es, genügend Wagenbauer zu finden. Doch dank Zwei-Jahres-Rhythmus und treuen Vereinen gibt es trotzdem eine ausgewogene Mischung.
Markus Zwyssig
Marcel Zgraggen, Sandra Indergand und Erich Furrer (von links) zeichnen auf der Vorderseite des Wagens ein Fenster für den ­Fahrer ein. (Bild: Markus Zwyssig (Erstfeld, 3. Februar 2018))

Marcel Zgraggen, Sandra Indergand und Erich Furrer (von links) zeichnen auf der Vorderseite des Wagens ein Fenster für den ­Fahrer ein. (Bild: Markus Zwyssig (Erstfeld, 3. Februar 2018))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Besucher des Erstfelder Umzugs können sich am Fasnachtssonntag auf ein volles Programm freuen. Alleine schon die Zahlen sind eindrücklich. Der Erstfelder Fasnachtsumzug ist nämlich 31 Nummern stark. Es sind 14 Wagen- und 17 Fussgruppen mit über 800 Mitwirkenden dabei.

Erfreut über diese Zahlen ist Bruno Inderkum, OK-Präsident des Erstfelder Fasnachtsumzugs. Er setzt aber nicht nur auf Quantität, sondern vor allem auch auf Qualität. Und da verteilt Inderkum eine ganze Menge an Vorschusslorbeeren: «Erstfeld ist bekannt dafür, dass die Umzugswagen aufwendig und mit grosser Liebe zum Detail gebaut werden.» Themen, welche die Erstfelder in den vergangenen Monaten beschäftigt haben, gibt es einige. So etwa die Kirchenrenovation, der neue Verkehrskreisel, Ignaz als Velodieb, der neue Sportplatz, die Chinesen im Hotel Frohsinn oder die Seerose.

Guggenmusiken: Nicht alle konnten auch mitmachen

Das Interesse, beim Erstfelder Umzug mitzumachen, ist gross. Jedenfalls was die fasnächtlichen Musikformationen betrifft. «Es hätten gerne noch weitere Guggenmusiken mitgemacht», verrät Inderkum. «Aber wir mussten uns vor allem auf Einheimische beschränken.» So wie es jetzt sei, habe man eine gute Mischung, ist er überzeugt.

Schwieriger wird es hingegen jedes Mal, genügend Wagenbauer zu finden. «Weil der Umzug in Erstfeld aber nur alle zwei Jahre stattfindet, haben wir viele Dorfvereine, die bereit sind, immer wieder mitzumachen», so Inderkum. Diese machen sich denn auch frühzeitig ans Werk. Entsprechend sind die meisten mit ihrem Wagen schon seit ein paar Tagen so gut wie fertig. Eine Woche vor dem Umzug ist es bereits schwierig, eine Gruppe zu finden, denen wir bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können. Noch kräftig am Basteln und Bauen ist hingegen die Feuerwehr. Sie hat in einer Halle in Erstfeld bei einem auch in Uri tätigen Baukonzern Unterschlupf gefunden. Bei unserem Besuch wird gesägt und gebohrt. Erich Furrer, Chef Wagenbau des Feuerwehrvereins Erstfeld, packt kräftig mit an. Er ist gerade zusammen mit Sandra Indergand und Marcel Zgraggen damit beschäftigt, auf der Verkleidung auf Vorderseite des Wagens ein Fenster einzuzeichnen. Die Dekoration muss so geschnitten werden, dass der Fahrer eine gute Sicht hat. Christian Gisler und Michi Walker sind daran, auf dem Wagen Holzstücke zu verschrauben und den Rasenteppich zu verlegen.

Die Feuerwehr hat sich der kleinen Kapelle im Erstfeldertal angenommen. Paul Furrer-Planzer hat diese ausserhalb der Bauzone und ohne Bewilligung gebaut. «Wir wollen gar nicht sagen, wer nun recht hat oder wer falsch liegt», sagt Erich Furrer. «Es geht uns darum, auf eine witzige Art die beiden Sichtweisen aufzuzeigen.» Der Kirchenturm auf dem Fasnachtswagen bleibt denn auch unvollendet. Priska Baumann, Präsidentin des Feuerwehrvereins Erstfeld, bereitet sich derweil bereits auf ihre Rolle am Umzugssonntag vor: Sie wird die Justizia spielen.

Pauluskapelle original- getreu nachgebildet

Bevor die Feuerwehrleute mit dem Wagenbau begonnen haben, besuchten sie die Kapelle im Erstfeldertal. «Wir haben das Kirchlein im Massstab 1:1 nachgebaut», sagt Erich Furrer stolz. «Uns ist es wichtig, dass unser Umzugswagen optisch gut gestaltet daherkommt. Dafür sind wir bereit, auch eine Woche länger zu arbeiten.» Marcel Zgraggen hat die Steinmauern möglichst naturgetreu gemalt. Herbi Blaser war für die fasnächtliche Beschriftung verantwortlich. Mit schwarz-roter Schrift steht nun auf gelbem Grund: «Es sollte werden ein Ort der Besinnung, sorgte aber beim Kanton für Verstimmung.»

Der Fasnachtsumzug rückt nun immer näher. Am Sonntag, 11. Februar, um 14 Uhr erfolgt der Startschuss. Um die Kosten einigermassen im Griff zu haben, wird für 5 Franken ein Pin verkauft. Da mehrere tausend Zuschauer erwartet werden, wird allen empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die Gotthardstrasse ist von 13.30 bis 16 Uhr gesperrt. Nach dem Umzug startet die Party im Pfarreizentrum mit DJ Matty Valentino. Im Ländlerzelt sorgen drei Jungformationen und die Bandella Spontanella für Unterhaltung. Auf dem Festgelände sind zwischen 17.30 und 19.30 Uhr verschiedene Guggenmusiken zu hören. Ab 20 Uhr spielen die Schiltbüäbä im Ländlerzelt. Ab 21 Uhr sorgt das Duo Alpenflieger im Pfarreizentrum für Tanzstimmung. In der Bar legt DJ Fridli auf.

Diese Gruppen treten am Erstfelder Umzug auf.

Diese Gruppen treten am Erstfelder Umzug auf.

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