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ERSTFELD: Funde sorgen für staunende Gesichter

Seit vier Wochen sind Archäologen in der Pfarrkirche in Erstfeld auf Spurensuche. Was sie dabei gefunden haben, fasziniert nicht nur die Forscher selber, sondern auch das Publikum am «Tag der offenen Ausgrabung».
Carmen Epp
Christian Auf der Maur, Projektleiter der Grabungen in Erstfeld, zeigt dem Publikum das entdeckte Grab. (Bild: Urs Hanhart (25. März 2017))

Christian Auf der Maur, Projektleiter der Grabungen in Erstfeld, zeigt dem Publikum das entdeckte Grab. (Bild: Urs Hanhart (25. März 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Dutzende Menschen hatten sich am Samstagmorgen vor dem Eingang zur Kirche versammelt und warteten auf den Einlass. Der Grund für den Grossandrang war jedoch nicht eine Messe, sondern die Kirche selber – respektive das, was in ihr zutage getreten ist.

Bei den Renovationsarbeiten der Pfarrkirche waren nämlich Überreste der Vorgängerkirche aus dem Jahr 1606 und einer spätmittelalterlichen Kapelle zum Vorschein gekommen (unsere Zeitung berichtete). Der Regierungsrat hat daraufhin eine archäologische Notgrabung in Auftrag gegeben. Was dabei zum Vorschein kam, wurde nun am «Tag der offenen Ausgrabung» der Öffentlichkeit präsentiert.

Kirche von damals um 90 Grad gewendet

In kleinen Gruppen wurden die Besucher durch die Kirche geführt. Die Überraschungen liessen dabei nicht lange auf sich warten. Gleich beim Eingang stiessen die Archäologen auf etwas, womit sie «überhaupt nicht gerechnet hätten», wie Christian Auf der Maur, Projektleiter der Grabungen, erzählte: Überreste eines Beinhauses, deren Kalkverputz auf eine Erbauungszeit von 1635 schliessen lässt. Als Hintergrund dafür vermutet Auf der Maur die damals grassierende Pestepidemie.

«Die forderte auch in Erstfeld viele Tote auf einmal.» Ein Abdruck eines Balkens, der einen Bretterboden getragen hat, lässt darauf schliessen, dass das Beinhaus damals zweistöckig war. «Wir stehen jetzt quasi auf dem damaligen Obergeschoss», erklärte Auf der Maur. In der Mitte, entlang der erhaltenen Südmauer der damaligen Kirche, konnten die Besucher gar über den Kirchenboden aus dem 16. Jahrhundert laufen.

Auch am anderen Ende der Kirche kam Erstaunliches zum Vorschein. So zeigen die gefundenen Grundmauern in Übereinstimmung mit alten Grundrissplänen, dass die Pfarrkirche einst eine ganz andere Ausrichtung hatte. Von 1606 bis zum Neubau 1870 war die Kirche nämlich von Ost nach West ausgerichtet. Für die damalige Zeit nichts Aussergewöhnliches, wie Auf der Maur dem staunenden Publikum erklärte: «Kirchenaltäre waren damals nach Osten ausgerichtet, also Richtung Jerusalem und zur aufgehenden Sonne.» Wieso der Neubau 1870 um 90 Grad gewendet wurde, bleibt unklar.

Unklar ist auch der Inhalt der Stelle in der Kirche, die bei den Besuchern besondere Neugier weckte: die freigelegten Überreste eines Grabes samt Inhalt.

Sterbliche Überreste geben Rätsel auf

Alte Priestergräber seien bereits beim Umbau in den 1950er-Jahren entdeckt, geleert und mit Bauschutt gefüllt worden, wie Auf der Maur erklärte. «Wir gehen deshalb davon aus, dass die Knochen, die man hier sieht, aus dem 13. Jahrhundert stammen.» Um dies genauer zu klären, würden nun noch weitere Untersuchungen getätigt. Doch nicht nur Knochen, sondern auch kleinere Funde brachten die Besucher zum Staunen. Auf einem Tisch waren Kleiderknöpfe, Rosenkranzperlen, Reste einer Bodenplatte, rotbemaltes Stuckaturdekor und Überreste einer Wandmalerei zu bewundern. So gingen mehr als 100 Interessierte mit vielen neuen Eindrücken nach Hause.

Die Grabung dauert noch bis Ende März an. Dann wird auf dem alten Fundament eine Isolation für den neuen Boden gebaut. Damit das, was bei der Notgrabung nicht zum Vorschein gebracht werden konnte, konserviert bleibt – und bei der nächsten Renovation weitere Archäologen und Besucher zum Staunen bringen kann.

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