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ERSTFELD: Geplantes Pfadiheim in Erstfeld stösst auf Opposition

Am Mittwoch entscheiden die Erstfelder Stimmbürger, ob sie dem Pfadiheim Uri das Baurecht gewähren möchten. Dagegen machen Anwohner nun mobil. Sie halten den Standort für ungeeignet. Der Gemeinderat wehrt sich.
Carmen Epp
Die Mitglieder des Vereins Neubau Pfadiheim Uri; von links: Othmar Arnold, Marco Grepper, Urs Janett und Christian Imfeld. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 22. Februar 2018))

Die Mitglieder des Vereins Neubau Pfadiheim Uri; von links: Othmar Arnold, Marco Grepper, Urs Janett und Christian Imfeld. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 22. Februar 2018))

Über 500 Kinder und Jugendliche in Uri sind Mitglied in der Pfadi. Da die Suche nach geeigneten Lokalen schwieriger wird, will sich die Pfadi Uri nun den Traum eines eigenen Pfadiheims erfüllen. Damit soll die Nachfrage nach Lokalitäten für Lager und Kurse abgedeckt werden, von dem auch andere Vereine und Schulen profitieren können.

Die Kosten für den Neubau trägt die Pfadi selber. Daneben will auch der Gemeinderat Erstfeld Hand bieten: Er beantragt an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend, 21. März, dem Projekt das Baurecht einer 921 Quadratmeter grossen Parzelle beim Bärenbodenparkplatz zu gewähren. Damit verbunden ist ein (hypothetisches) Kreditbegehren von 221'040 Franken. Auf den jährlichen Baurechtszins von 3315 Franken soll verzichtet werden.

Soweit die Theorie. In der Praxis dürfte es das Projekt an der Gemeindeversammlung nicht leicht haben. Der Gemeinderat und die Pfadi, so scheint es, haben ihre Rechnung ohne die Anwohner der betroffenen Parzelle gemacht. «Wir haben gar keine Freude am Projekt», sagt etwa Jean Claude Heusser. Mit «wir» meint er das Quartier «Oberer Butzen» mit zehn Einfamilienhausbesitzern und zwei Mehrfamilienhäusern.

«Oase der Erholung» in Gefahr

Er habe nichts gegen die Pfadi, sagt Heusser. «Was uns in erster Linie stört, ist der Standort.» Normalerweise kämen solche Lagerhäuser, in Industriezonen oder unbewohnten Gebieten zu stehen. Der geplante Standort in Erstfeld aber liege direkt am Waldrand, drumherum sei kaum Platz für Beschäftigung. «Da ist Ärger vorprogrammiert.» Das bezieht sich vor allem auf die Nachtruhe, welche die Anwohner in Gefahr sehen. Natürlich sei der Lärm nicht vergleichbar mit jenem in der Stadt Zürich, räumt Heusser ein. Der Obere Butzen sei aber eine «wahre Oase der Erholung», da falle nächtlicher Lärm umso mehr ins Gewicht.

Ähnlich argumentiert Alois Furrer. Auch er findet den Standort am Rand eines Wohngebiets ungünstig. Er selber wohnt zwar auf der anderen Seite der Bahnlinie, seine Schwiegereltern aber in unmittelbarer Nähe des Bärenbodenparkplatzes. Dort gebe es bereits heute teilweise Probleme wegen des Gruppenlokals der Pfadi Krönten, das rund 150 Meter vom geplanten Neubau entfernt ist. «Mit einem Pfadiheim kommt zusätzlicher Lärm hinzu», ist Furrer überzeugt.

An der Orientierungsversammlung blieb es ruhig

Damit sei schlussendlich auch der Pfadi nicht geholfen. Wenn die Polizei wegen Nachtruhestörung ausrücken müsse, sei das auch für die Benutzer des Pfadiheims nicht angenehm. «Und wenn man schon um solche möglichen Probleme weiss, sollte man nach Alternativen suchen, bevor der Konflikt da ist», findet Furrer. Er hat deshalb zuhanden der Versammlung der CVP Erstfeld den Antrag gestellt, die Gewährung des Baurechts für das Pfadiheim abzulehnen. Allerdings ohne Erfolg: Seine Parteikollegen teilten die Bedenken nicht, sondern gewichteten die Vorteile der Gruppenunterkunft für Erstfeld höher.

Dass sich Opposition gegen das Pfadiheim auftut, überrascht. Zumal an der Orientierungsversammlung vom 22. Februar keine Fragen aus dem Publikum gestellt wurden (Artikel vom 24. Februar). Heusser konnte aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, Furrer lag mit einer Grippe im Bett. Dass sich auch sonst niemand getraut hat, kritische Fragen zu stellen, könne er verstehen. «Die Hemmschwelle dafür ist gerade im Casino-Saal relativ gross», so Furrer. Er und auch Heusser hätten sich gewünscht, dass die Anwohner im Vorfeld in einem kleineren Rahmen angehört werden. Stattdessen sei man mit einem Flyer vor vollendete Tatsachen gestellt worden, so Heusser.

«Alles für eine umfassende Orientierung getan»

Gemeindepräsidentin Pia Tresch zeigt sich auf Anfrage erstaunt über die Vorwürfe. Der Gemeindeschreiber habe auf einen Brief von Heusser hin telefonisch Kontakt mit ihm aufgenommen, ihn für die Orientierungsveranstaltung nochmals herzlich eingeladen und seine Fragen beantwortet. Heusser habe die Kontaktaufnahme und die Infos verdankt und erwähnt, dass er keine weitere Antwort auf seinen Brief erwarte.

Mit einer anderen Vertretung von Anwohnern wiederum habe sich eine Delegation des Gemeinderats und des Vereins Neubau Pfadiheim Uri zur Aussprache getroffen, nachdem diese nach der Orientierungsversammlung eine Liste an Fragen dem Gemeinderat zugestellt hatte. «Man war der Meinung, dass bei dieser Fülle von Fragen ein persönliches Gespräch zielführender ist als ein Antwortschreiben, welches erst kurz vor der Gemeindeversammlung eingetroffen wäre», hält Tresch fest. Die offenen Fragen seien dabei geklärt worden, sagt einer der Anwohner auf Anfrage. Nun können auch sie Ja sagen zum Antrag am 21. März, weshalb sie als nun ehemalige Gegner des Projekts nicht namentlich genannt werden möchten.

«Ruhebedürfnis muss respektiert werden»

«Der Gemeinderat ist der Meinung, dass alles für eine umfassende Orientierung der Bevölkerung getan worden ist», hält Tresch weiter fest. Der Gemeinderat stehe hinter dem Projekt, das zahlreiche junge Leute nach Erstfeld bringen werde. Sowohl beim Bau wie auch bei der Versorgung mit Lebensmitteln könne das lokale Gewerbe profitieren. Andere Standorte seien geprüft worden, hätten jedoch verworfen werden müssen, da sie nicht zonenkonform waren. «Die Gemeinde hat in ihren Gesprächen mit dem Verein Neubau Pfadiheim Uri immer wieder darauf hingewiesen, dass das Ruhebedürfnis der Anwohner respektiert werden muss. Dies ist in einem Betriebsreglement zu regeln.»

Carmen Epp
carmen.epp@urnerzeitung.ch

Hinweis
Die Gemeindeversammlung findet am Mittwoch, 21. März, 20 Uhr, im Casino-Saal in Erstfeld statt.

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