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ERSTFELD: «Grabstätte» gibt Rätsel auf

Ein Urner hat im Wald ob Erstfeld eine Art Grab entdeckt. Was sich dort unter der Erde befindet, ist unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.
Die Stelle erinnert an ein Grab. (Bild: Carmen Epp (Erstfeld, 26. Mai 2017))

Die Stelle erinnert an ein Grab. (Bild: Carmen Epp (Erstfeld, 26. Mai 2017))

Als ein Urner am Donnerstag im Wald ob Ripshausen in Erstfeld spazieren ging, machte er zirka 50 Meter oberhalb eines Aussichtsplatzes abseits der Wanderwege eine aussergewöhnliche Entdeckung: Ein weisses Kreuz war an einem Baum befestigt, darunter ein laminiertes Foto eines jungen Mannes.

Er habe schon viele solcher Gedenkkreuze gesehen, sagt der junge Erstfelder auf Anfrage unserer Zeitung. Stutzig gemacht habe ihn erst das Drumherum. Am Fusse des Baumes sei eine Fläche mit groben Steinen bedeckt, darunter liege weiche, ausgehobene Erde. «Als hätte da jemand ein Grab errichtet.» Ein Augenschein unserer Zeitung gestern bestätigt das Bild: Die zirka 2 Meter lange und 80 Zentimeter breite Fläche unterhalb des Baumes erinnert – im Kontext des Kreuzes und des laminierten Fotos – an ein Grab.

Polizei hat Hinweise zum jungen Mann auf dem Foto

Er habe seine Entdeckung sofort der Polizei gemeldet, sagt der Erstfelder. Gusti Planzer, Stabschef der Kantonspolizei Uri, bestätigt dies auf Anfrage. Man sei der Meldung nachgegangen und habe sich den Fund vor Ort angeschaut. «Es hinterlässt für uns den Anschein einer Gedenkstätte», so Planzer. Die Polizei verfüge über Hinweise zum jungen Mann, der auf dem Foto unter dem Kreuz abgebildet sei. Denen gehe man nun nach. Es sei «nicht ausgeschlossen», dass es sich tatsächlich um ein Grab handle und sich möglicherweise sterbliche Überreste unter der Fläche befänden. Auch ein Delikt müsse in Betracht gezogen werden, so Planzer. Dies alles sei nun aber Gegenstand der polizeilichen Abklärungen, weitere Angaben könne man aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht machen.

Ob eine Erdbestattung eines Menschen in der freien Natur überhaupt erlaubt ist, konnte bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung gebracht werden. Das Zivilstandsamt Uri ist gemäss Auskunft nur für die Beurkundung des Todes und für Kremationsbewilligungen der Gemeinde Altdorf zuständig, die Details der Bestattung regeln dann die Bestattungsinstitute zusammen mit den Pfarrämtern, die je eigene Reglemente kennen. Vorschrift jedoch ist, dass ein Todesfall innerhalb von zwei Tagen gemeldet werden muss und eine Erdbestattung frühestens 48 Stunden nach dem Eintritt des Todes stattfinden darf. Ausserdem herrscht in aller Regel eine Friedhofs- und eine Sargpflicht. Bei Kremationen hingegen ist es den Angehörigen freigestellt, ob sie die Urne auf dem Friedhof beisetzen, nach Hause nehmen oder die Asche selber irgendwo vergraben oder zerstreuen möchten.

Tierkörper dürfen vergraben werden

Anders verhält es sich bei Tieren. Deren Körper können bei einem Gewicht von bis zu 10 Kilogramm auch ohne vorgängige Kremation und ohne Bewilligung vergraben werden. Die Verordnung zur Entsorgung tierischer Nebenprodukte bestimmt, wo und wie Tierkörper vergraben werden dürfen. Nicht erlaubt ist es, Heimtiere auf öffentlichem Grund beizusetzen.

Der junge Mann ist auf der laminierten Fotografie oberhalb der «Grabstätte» nicht allein abgebildet; er hält vier Frettchen auf dem Arm. Möglicherweise sind es die Tiere, die hier im Wald vergraben sind und denen eine Gedenkstätte errichtet wurde.

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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