ERSTFELD: Grosse Pläne mit Fischzucht

Mit Neat-Wasser soll in Uri die grösste Fischzucht der Schweiz betrieben werden. Zur Finanzierung des 30-Millionen-Projekts suchen die Betreiber noch Investoren.

Anian Heierli
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Mit Wasser aus dem Lötschbergtunntel wird bereits heute Fischzucht betrieben. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Mit Wasser aus dem Lötschbergtunntel wird bereits heute Fischzucht betrieben. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Anian Heierli

In Erstfeld unmittelbar beim Portal des Gotthard-Basistunnels soll die grösste Fischzuchtanlage der Schweiz gebaut werden. Jedes Jahr will die Urner Firma «Basis 57 nachhaltige Wassernutzung» (B57) rund 1200 Tonnen Fisch produzieren. Dadurch würden 30 bis 40 neue Arbeitsplätze geschaffen und der Fisch-Selbstversorgungsgrad der Schweiz um 25 Prozent gesteigert. Urs Aschwanden, VR-Präsident von B57, hat am Dienstag an der Plenarversammlung der Bauwirtschaftskonferenz (BWK) Uri über das Grossprojekt informiert. «Unser Ziel ist eine nachhaltig, ökologisch orientierte Produktion von Nahrungsmitteln», sagte er. Die Fischzucht soll mit 14 bis 16 Grad warmem Neat-Bergwasser betrieben werden. Zurzeit rechnen die Experten mit 150 bis 400 Liter Wasser pro Sekunde. Die Konzession zur Wassernutzung hat der Kanton Uri bereits in Aussicht gestellt. Das Eigenkapital der Firma B57 beträgt zurzeit 900 000 Franken. Das Gesamtprojekt soll in etwa 30 Millionen Franken kosten, weshalb B57 eifrig Sponsoren sucht. Aschwanden weiss, dass die Investition «erheblich ist», gab sich aber zuversichtlich: «Wir suchen zusätzliche Investoren und wollen das Projekt möglichst in der Region abstützen», sagte er. Bislang hat B57 versucht, Geld zu beschaffen, ohne Grossverteiler einzubeziehen. Mit dieser Strategie soll das Aktionariat in der Region behalten werden.

Auf Marktentwicklung reagieren

«Es muss ein grosses Projekt werden, damit wir wirtschaftlich sein können», betonte Aschwanden. «Unser Businessplan zeigt, dass die geplante Anlage langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann.» Von Anfang an sollen in einer flexiblen Produktion mehrere Fischarten gezüchtet werden. Voraussichtlich sind dies Zander, Egli, Trüsche und Pangasius. Mit der Zucht will B57 später auf Entwicklungen im Markt reagieren können. «Wichtige Grossverteiler wie Coop und Migros machen heute keine 30 Jahre lange Abnehmerverträge mehr, weil sich die Präferenzen der Konsumenten laufend ändern», so Aschwanden. Grosse Dimensionen bringen neben der flexiblen Produktion noch weitere Vorteile: So etwa werden ab einer gewissen Menge auch Abfälle und Fischgülle für Abnehmer interessant. Fischgülle wird als Pflanzendünger oder in Biogasanlagen genutzt. Zudem könnte Fisch in Erstfeld nachgezüchtet werden. Das heisst: Die B57 müsste Jungfische nicht bei Händlern einkaufen und teils über weite Strecken importieren.