ERSTFELD: Grosser Schatzfund bleibt aus

Nach dem mühsamen Aufstieg zur Kirchturmspitze bekamen die Gäste nicht die erwarteten Schätze zu sehen. Denn die Schriftstücke in der Turmkugel waren durch den Regen zerstört worden.

Paul Gwerder
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Pfarrer Viktor Hürlimann (links), Willy Gnos und Gregor Bless beim Öffnen der Kirchturmkugel. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 16. Februar 2017))

Pfarrer Viktor Hürlimann (links), Willy Gnos und Gregor Bless beim Öffnen der Kirchturmkugel. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 16. Februar 2017))

Paul Gwerder

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Gegenwärtig steht bei der Erstfelder Kirche eine Innen- und Aussenrenovation an, welche rund 4 Millionen Franken kosten wird. Dazu sagt Architekt Josef Trachsel: «In jeder Kirche hat es zu viel Platz, und die Herausforderung war, gewisse Räumlichkeiten zweckmässiger zu gestalten.» Gregor Bless, der mit seiner Firma für die Spenglerarbeiten am Kirchturm verantwortlich ist, erklärt: «Dies ist für uns nicht ein alltäglicher Auftrag, aber er ist lösbar, wie wir dies schon bei anderen Kirchenrenovationen bewiesen haben.»

Bei der letzten Renovation legte man eine Hülse in die Kirchturmkugel. Es wurde angenommen, dass darin allgemeine Nachrichten über die Pfarrei, ein Situationsbericht über die Gemeinde, Zeitungsausschnitte oder vielleicht sogar Münzen de-poniert worden waren. Baukommissionspräsident Willy Gnos war selber gespannt, was da oben zum Vorschein kommen wird.

Enttäuschung hält sich in Grenzen

Ein besonderes Ereignis war ­dabei gestern das Herunternehmen der Kirchturmkugel von der 66 Meter hohen Kirchturmspitze. Mit Spannung warteten Pfarrer Viktor Hürlimann, Baukommissionspräsident Willy Gnos, Architekt Josef Trachsel, Denkmalpfleger Artur Bucher und einige Gäste, welche Schätze im Jahr 1957 wohl der Kugel anvertraut worden waren. Die Kirchturmkugel beinhaltet meist eine zugelötete Metallurne, die wasserdicht sein sollte. Die Tradition, in der Kirchturmkugel wertvolle Unterlagen aufzubewahren, rührt daher, dass sie dort sicher untergebracht waren. Hierhin kamen und kommen keine Diebe und Plünderer.

Die aus Kupfer bestehende Kugel, welche feuervergoldet war, wurde von Spenglermeister Georg Bless geöffnet. Als einziges kam eine schmale runde Hülse zum Vorschein, die in mühseliger Arbeit vom Spengler geöffnet wurde. Die folgende Enttäuschung war recht gross, denn anstelle der erwarteten Schriftstücke oder alter Münzen kam nur eine rostige Brühe, die vermutlich aus alten nassen Schriftstücken bestand, zum Vorschein. Dazu sagte Denkmalpfleger Artur Bucher: «Ein Papierrestaurateur wäre vielleicht im Stande, diese zerstörten Schriftstücke zu entziffern, was aber einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeuten würde.» Willy Gnos ergänzte: «Zum Glück sind wir recht gut dokumentiert, denn unser Historiker Hans Stadler hat bei uns das ganze Archiv aufgearbeitet, und so hält sich der Verlust und die Enttäuschung in Grenzen.» Einzig die Namen der Männer, welche vor 60 Jahren die Hülse dort deponiert hatten, waren in der Metallurne eingraviert: Es waren dies Anton Bless (1916), Georg Bless (1947), Anton Jauch (1941), Peter Bricker (1938), Josef Planzer (1929) und Gustav Püntener (1933).

Pfarrer freut sich auf die neue Kirche

«Mein Urgrossvater und mein Vater waren damals dabei», ­klärte Gregor Bless, Inhaber der gleichnamigen Firma, die Gäste auf. «Vermutlich war aus irgendeinem Grund die Bleiabdichtung defekt, so konnte Wasser in das Innere der Kugel gelangen und die Schriftstücke zerstören», vermutete Bless.

Nach dem Abstieg vom Kirchturm sagte Pfarrer Viktor Hürlimann: «Ich persönlich hatte keine Erwartungen, und deshalb bin ich auch nicht enttäuscht, dass wir nichts Brauchbares gefunden haben. Ich war schon einmal bei der Öffnung einer Kirchturmkugel dabei, nämlich in Spiringen. Da kam schon bedeutend mehr zum Vorschein. Jetzt freue ich mich persönlich auf die neue Kirche, die an Weihnachten feierlich eingeweiht wird.»