ERSTFELD: Hotelwirtin wird rassistisch beschimpft

Eine Wirtin aus Erstfeld erhält Drohbriefe und böse Telefonanrufe. Sie fühlt sich schikaniert – auch wegen ihrer Herkunft.

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Das Hotel Hof in Erstfeld. (Bild pd)

Das Hotel Hof in Erstfeld. (Bild pd)

Der Brief kam vorige Woche mit der A-Post. Adressiert war er an Nena Schuler, die Wirtin des Hotels Hof in Erstfeld. Der Inhalt schockte sie: Auf weissem Papier, in Grossbuchstaben und roter und blauer Farbe standen die Worte «Hau ab du Jugo Hure».

Telefonterror
Der Brief war der vorläufig negative Höhepunkt einer Reihe von Vorfällen, die Nena Schuler arg zu schaffen machen. Es begann im April, als ein unbekannter Anrufer morgens um 2 Uhr Nena Schuler am Telefon aufforderte, den Laden dicht zu machen. Dann reichte er rassistische Beschimpfungen nach. Nena Schuler stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, lebt aber seit 20 Jahren in Erstfeld und ist seit 18 Jahren Schweizer Bürgerin.

Seit April steht jedes Wochenende die Polizei vor dem Hotel. Sie reagiert auf empörte Nachbarn, die sich über zu laute Musik beklagen. Nena Schuler hat bereits mehrere Verwarnungen und Anzeigen erhalten. Grund ist angeblich der Lärm aus der Bar im ersten Stock. «Natürlich ist es manchmal ein wenig laut. Aber es kann nicht sein, dass man die Musik hunderte Meter weit hört. Ich höre sie ja nicht mal, wenn ich auf dem Balkon stehe», rechtfertigt sich Schuler, die das Hotel seit zwei Jahren gepachtet hat. «Und die Hotelgäste haben noch nie reklamiert.» Dennoch: Wegen Nachtruhestörungen habe sich das Urner Amt für Arbeit und Migration bei ihr gemeldet. Es drohe ihr mit Patententzug.

Gerüchte über Bordell
Nena Schuler ist aber überzeugt, dass es gar nicht um die Musik geht. Vielmehr vermutet sie, dass einige Leute aus der Nachbarschaft sie am liebsten loswerden möchten. «Sie sind neidisch, weil mein Betrieb so gut läuft. Deshalb schikanieren sie mich auch mit rassistischen Mitteln.» In ihrem Hotel hat sie Angestellte aus Ländern wie Jamaica, Serbien, Kroatien oder Sri Lanka. «Deswegen heisst es sofort, wir würden unseriös arbeiten.» So machen Gerüchte die Runde, die Wirtin betreibe einen Puff und sie könne ihre Miete nicht bezahlen. «Alles unwahr», sagt Nena Schuler. Und: «Mittlerweile wissen wir nicht mehr, wem wir noch vertrauen können.»

Sven Aregger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Urner Zeitung.