ERSTFELD: Im Cargo-Depot geht das Licht aus

Mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels der Neat wurde der Lokführerstandort von SBB Cargo am Sonntag in Erstfeld geschlossen. Die betroffenen Lokführer haben ihren Dienstort neu in Arth-Goldau.

Paul Gwerder
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Von links: Beat Kieliger, Urs Kieliger und Elias Tresch löschen symbolisch das Licht im SBB-Cargo-Depot. Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, Dezember 2016)

Von links: Beat Kieliger, Urs Kieliger und Elias Tresch löschen symbolisch das Licht im SBB-Cargo-Depot. Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, Dezember 2016)

Die Gotthard-Bergstrecke wurde 1882 von der Gotthardbahn-Gesellschaft fertiggestellt. Sie wird seit 1909 von den SBB betrieben. Mit der gestrigen offiziellen Eröffnung des Gotthard-Basistunnels der Neat hat sie aber an Bedeutung verloren.

Seit dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember fahren nun die Güterzüge durch den 57 Kilometer langen Basistunnel. Aus technischen Gründen sind Lokpersonalwechsel vor dem Portal des Basistunnels nicht möglich. Seit längerem war denn auch bekannt, dass SBB Cargo den Lokführerstandort in Erstfeld ab dem Fahrplanwechsel 2016 aufheben würde.

Verlegung wurde früh kommuniziert

Der Urner Regierungsrat hatte sich im Vorfeld über die Auswirkungen der Neat-Eröffnung auf die Bahnarbeitsplätze in Erstfeld Gedanken gemacht. Es wurde eine Arbeitsgruppe Bahnarbeitsplätze Erstfeld gebildet, in der neben den Vertretungen des Regierungsrats, der Gemeinde Erstfeld und der Verkehrskommission des Kantons Uri auch ein Mitglied der SBB-Geschäftsleitung und der Chef Produktion bei SBB Cargo vertreten waren. SBB Cargo kommunizierte frühzeitig, dass der Cargo-Lokführerstandort in Erstfeld nach der Inbetriebnahme des Basistunnels am falschen Ort sei. Inzwischen wurde SBB Cargo in die Sparten «national» und «international» aufgeteilt. In Goldau wurde schon vor zwölf Jahren ein neuer SBB-Cargo-Lokführerstandort mit rund 30 Lokführern aufgebaut. Es war das Ziel, mit den Güterzügen nach der Inbetriebnahme des Basistunnels von Goldau aus durch den neuen Tunnel Richtung Süden fahren zu können. Richtung Norden werden die Güterzüge von SBB Cargo international seit dem Bestehen des SBB-Cargo-Standorts Goldau nach Singen und Basel gefahren, anfänglich teilweise bis nach Offenburg und später bis nach Mannheim in Deutschland.

Erster Abbau im Rangierbereich

Mit dem Wegzug der Lokführer von SBB Cargo Erstfeld geht eine geschichtsträchtige Ära zu Ende. Noch vor rund 35 Jahren waren im damaligen Urner Eisenbahnerdorf über 210 Lokführer sowie rund 30 Rangierlokführer und Führergehilfen stationiert. Einen ersten Abbau gab es mit der Aufhebung des Rangierdienstes im Bahnhof Erstfeld. Mit der Trennung von SBB-Personen-und SBB-Güterverkehr gingen ebenfalls wieder einige Arbeitsplätze verloren, obwohl die Erstfelder Lokführer von SBB Cargo bis Dezember 2014 Leistungen für die SBB-Division Personenverkehr fahren durften. Der Entscheid der SBB-Division Personenverkehr vom Herbst 2014, in Erstfeld einen Standort mit 21 Lokführern aufzubauen, war für das Lokpersonal bei SBB Cargo ein Lichtblick. Diese Stellen konnten in der Folge fast ausschliesslich mit Lokführern von SBB Cargo besetzt werden, die ihre neuen Räumlichkeiten seit dem Fahrplanwechsel im nördlichen Bahnhofgebäude haben.

Job behalten, aber Arbeitsort verlegt

Aber auch die bis gestern Sonntag verbliebenen 30 Cargo-Lokführer in Erstfeld verlieren wegen der Aufhebung des SBB-Cargo-Depots in Erstfeld ihren Job nicht, sondern «nur» den Dienstort. Er wird an den bestehenden SBB-Cargo-Standort nach Arth-Goldau verlegt. Mit der heutigen Situation konnten für das Personal und den Kanton Uri akzeptable Lösungen gefunden werden, was sicher auch als Teilerfolg der Arbeitsgruppe gewertet werden darf, die sehr gut kooperiert und zielorientiert gearbeitet hat.

Gestern Sonntag verliessen nun die letzten 30 Lokführer von SBB Cargo das Depot Erstfeld und löschten dort symbolisch die Lichter. «Mein Ziel war es, möglichst lange für SBB Cargo in Erstfeld zu arbeiten, weshalb ein Wechsel zur Division Personenverkehr nie ein Thema war», sagte Urs Kieliger, der bereits seit 37 Jahren als Lokführer tätig ist. «Mit SBB Cargo habe ich eine gute Arbeitgeberin, und der künftige Arbeitsweg ist für mich durchaus akzeptabel.»

Historische Ära ist zu Ende

Elias Tresch meinte: «Mein Vater ist 45 Jahre lang hier im Rangierdienst tätig gewesen, und ich habe im Depot Erstfeld 33 Jahre als Lokführer arbeiten dürfen. Nun geht mit der Schliessung des SBB-Cargo-Depots in Erstfeld eine persönliche Geschichte zu Ende, aber auch die historische Ära der Gotthard-Güterbahn. Das ist auch ein Verlust für die Gemeinde Erstfeld und den Kanton Uri.»

Und die Konsequenzen des neuen Regimes? Es ist nicht auszuschliessen, dass im Verlauf der nächsten Jahre einige Lokführer, die heute noch im Kanton Uri wohnen, wegziehen könnten. Denn sie sind nun gezwungen, wegen des Schichtbetriebs zu jeder Tages- und Nachtzeit mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch