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ERSTFELD: KW Alpbach AG fordert Gleichbehandlung

Die KW Alpbach AG will das Kraftwerk am Alpbach nicht verhindern, aber auch nicht unbedingt selber bauen. Sie fordert aber, dass sie angehört wird und ihr Projekt allenfalls verkaufen kann.
Bruno Arnold
Bis in Erstfeld eine Lösung für die Nutzung des Alpbachs gefunden worden ist, dürfte noch viel Wasser bis ins Tal hinunter fliessen. (Bild: Urs Hanhart (31. Januar 2018))

Bis in Erstfeld eine Lösung für die Nutzung des Alpbachs gefunden worden ist, dürfte noch viel Wasser bis ins Tal hinunter fliessen. (Bild: Urs Hanhart (31. Januar 2018))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Ende 2018 müssen die Konzession und die Baubewilligung für ein Kraftwerk zur (kleinen) Nutzung des Alpbachs auf dem Abschnitt Schopfen–Spätach im Erstfeldertal vorliegen. Zwei Jahre später muss das neue Werk bereits ans Netz gehen. Gelingt dies nicht, verfällt die Zusicherung des Bundes für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), über welche die Gemeindewerke Erstfeld verfügt. Dann wäre dieses seit Jahrzehnten diskutierte Bauvorhaben wohl definitiv gescheitert.

Paul Furrer, der Präsident des Verwaltungsrats der KW Alpbach AG, kennt die Ausgangslage bestens. Die AG, der neben ihm noch Daniel Walker und Lucas Wyrsch angehören, hat in der Vergangenheit viel Zeit und Geld in die Erarbeitung eines Konzessionsgesuchs gesteckt. «Heute haben wir ein fertiges Projekt mit allen Durchleitungsrechten. Es ist umweltschonender als dasjenige der KW Erstfeldertal AG und schützt alle Trinkwasserquellen, erklärte er gestern. «Die Finanzierung unseres rund 21 Millionen Franken teuren Projekts ist gesichert, und zwar durch Bürger und Unternehmer aus Erstfeld und Umgebung sowie durch eine Kreditzusage einer Bank.» Das Werk der KW Alpbach AG weise die bessere Wirtschaftlichkeit auf mit Gestehungskosten, die in einem sich erholenden Energiemarkt bald auch ohne KEV auskommen, ist er überzeugt.

Know-how und Wunschpartner

Furrer nennt auch mögliche Partner: «Wir haben das gleiche schlagkräftige Projektteam gesichert, das derzeit das KW Fellitobel realisiert. Es weist viel Know-how auf.» Und weiter sagt Furrer: «Die Gemeindewerke Ersfeld haben mit Bocki I und II ein vergleichbar grosses Kraftwerk gebaut und betreiben dieses seit vielen Jahren erfolgreich. Sie wären unsere Wunschpartner, da wir eine 100 Prozent einheimische Lösung anstreben.»

Gemäss Baudirektor Roger Nager sieht der Kanton aktuell keinen Grund, mit der KW Alpbach AG zu kooperieren. Am vergangenen Samstag betonte er im Interview mit unserer Zeitung: «Wir bleiben unseren bisherigen Partnern – EWA, Gemeindewerke und Korporation Uri – treu. So kurz vor der Hochzeit springen wir nicht mit einer neuen Frau ins Bett.» Die Zusammenarbeit würde in einer noch zu gründenden KW Erstfeldertal AG erfolgen.

Die KW Alpbach AG empfindet es als «befremdlich, dass sich der Kanton offenbar bereits mit der EWA AG verlobt hat und kurz vor der Heirat steht». «Wir wollen nicht als Verhinderer dastehen», betont er. Die KW Alpbach AG habe immer gesagt, dass sie für Kooperationen mit andern Partnern aus dem Kanton offen sei. Im Gegensatz zu den Gemeindewerken und zum EWA habe sie auch stets erklärt, dass sie nur die kleine Nutzung weiterverfolgen werde. Im Gegensatz zur KW Alpbach AG hätten sich die Gemeindewerke im Jahr 2015 von dieser Variante verabschiedet. «Jetzt will man offensichtlich wieder auf den KW-Alpbach-Gaul aufspringen», so Furrer. «Da muss man sich ernsthaft fragen: Wer hat die kleine Nutzung erfunden?»

«Unsere AG muss das Kraftwerk nicht unbedingt selber bauen», sagt Paul Furrer. «Aber wir erwarten zumindest, dass man unserem Projekt unvoreingenommen die gleichen Chancen einräumt wie anderen Projekten. Wir wollen nur, dass man mit uns verhandelt und dass man auch prüft, ob man uns das Projekt oder Vorleistungen allenfalls abkaufen könnte.»

Kein Konzessionsgesuch – nur eine Voreinfrage

Die KW Alpbach AG habe bei der Baudirektion bereits 2013 ein Konzessionsgesuch eingereicht, dies im Wissen, dass es noch nicht vollständig sei, blickt Furrer zurück. «Man hat uns aber nie mitgeteilt, was noch fehlt. Das Projekt wurde auch nie behandelt.» Er frage sich allen Ernstes, ob es sich die Urner Regierung leisten könne, sich an einem über 10 Millionen Franken teureren Projekt mit allen damit verbundenen Risiken zu beteiligen, einfach weil sie eine Unternehmung bevorzugen wolle, bei der zwei seiner Mitglieder und auch noch der Präsident der Korporation Uri im Verwaltungsrat sässen.

Baudirektor Roger Nager lässt Furrers Kritik nicht gelten: «Die KW Alpbach AG hat schriftliche und auch mehrmals mündliche Antworten vom Amt für Energie zum Stand der Arbeiten sowie zu den Mängeln im Gesuch der KW Alpbach AG erhalten», sagte er gestern auf Anfrage. Paul Furrer habe 2013 eine Voreinfrage mit Projektskizzen eingereicht. «Dies entspricht bei weitem nicht einem vollständigen Konzessionsgesuch», so Nager. Gefehlt hätten zum Beispiel der Restwasserbericht, und auch Finanzierungs- und Versicherungsnachweise seien nicht erbracht worden. Darauf habe man Furrer mehrmals hingewiesen. Was in einem Konzessionsgesuch enthalten sein müsse, könne jeder in der Gewässernutzungsverordnung nachlesen. «Paul Furrer weiss zudem sehr genau, was es für ein Konzessionsgesuch braucht», erklärt Nager. «Er hat für sein KW Fellitobel im Jahr 2015 ein vollständiges Gesuch eingereicht, das zwei Bundesordner umfasste.» Nicht einmal drei Wochen nach dem Landratsentscheid vom 31. Januar sei man mit Furrer bereits an einem Tisch gesessen. «Meiner Meinung nach haben wir Paul Furrer stets fair und zuvorkommend behandelt.»

Konstruktive Basis gefordert

«Natürlich wäre es denkbar, der KW Alpbach AG Vorleistungen abzukaufen, sofern diese von Nutzen sind», erklärt der Baudirektor. «Käufer wäre aber nicht der Kanton, sondern die KW Erstfeldertal AG, sofern sie denn gegründet wird.» Die bereits laufenden Gespräche mit der KW Alpbach AG würden denn auch weitergeführt, sofern eine konstruktive Basis bestehe und nicht Einzelinteressen, sondern das Wohl des ganzen Kantons im Zentrum stünden. «Die Baudirektion folgt dem Auftrag des Landrats und setzt alles daran, eine tragfähige und vertrauenswürdige Organisation für die Nutzung der Wasserkraft am Alpbach ins Leben zu rufen. Fortschritte werden wir so schnell wie möglich kommunizieren.»

Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWA, hielt auf Anfrage fest: «Das EWA führt zusammen mit den Partnern – Gemeindewerke Erstfeld, Kanton und Korporation Uri – Gespräche hinsichtlich der Projektstrukturierung des KW Erstfeldertal. Diesbezüglich hat unser Unternehmen in Abstimmung mit den Partnern bereits zahlreiche Vorleistungen getätigt, die Projektplanung für das Konzessions- und Bauprojekt erstellt und die KEV-Verlängerung für die GWE erwirkt.» Detailliertere Informationen seien erst in der kommenden Woche zu erwarten.

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