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ERSTFELD: Schauplatz: Harte Kontrollen für die Schwergewichte

Fehlende Räder, defekte Bremsen, gefälschte Dokumente: Die Kontrolleure des Schwerverkehrszentrums sind sich vieles gewöhnt. Die LKW-Fahrer versuchen immer wieder aufs Neue, zu tricksen.
Text Rahel Schnüriger und Bilder Nadia Schärli
Die Chauffeure bereiten sich nach einer kurzen Nacht auf die Abfahrt vor.

Die Chauffeure bereiten sich nach einer kurzen Nacht auf die Abfahrt vor.

Rundherum ist es finster, als die Mitarbeiter des Schwerverkehrszentrums (SVZ) beginnen, die Anlagen hochzufahren. Es ist fünf Uhr morgens. Nur einige der 108 Lastwagenfahrer, welche die Nacht hier verbracht haben, haben bereits Licht in der Fahrerkabine. Vereinzelt schlurft einer von ihnen zur Gratisdusche. Josef Varga, ein 54-jähriger Chauffeur aus Ungarn, mixt gerade seinen Instant-Kaffee. Er ist froh, dass die Nacht vorbei ist – er schläft nicht gut, seit er in Italien zweimal ausgeraubt worden ist. Das sei hier im geschützten Zentrum zum Glück kein Problem.

Bild: Nadia Schärli / Neue LZBild: Nadia Schärli / Neue LZ
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Schwerverkehrszentrum in Erstfeld

Nach und nach lassen die mächtigen Fahrzeuge ihre Motoren an und verlassen das Schwerverkehrszentrum für die Ziele in aller Welt. Währenddessen herrscht in der Kontrollstation bereits Hochbetrieb. Adrian Fröhlich kontrolliert gerade einen italienischen 40-Tönner, der mit Kies in Richtung Mailand unterwegs ist. Das Fahrzeug, der Fahrer, die Ladung, all das wird an dieser Kontrollstelle überprüft. Wenn der Kontrolleur technisch etwas zu beanstanden hat oder eine Vermutung hegt, schickt er ihn weiter in die technische Kontrollhalle, wo unter anderem Bremstests durchgeführt werden. Die Lastwagen dürfen erst weiterfahren, wenn eine Reparatur erledigt ist, auch wenn sie dafür eine Woche warten müssen – was durchaus vorkommen kann. Bei einer Carkontrolle im März durften drei Cars nicht weiterfahren. «Man ist oftmals im Clinch, wenn fünfzig Leute in die Ferien wollen, der Car aber nicht in Ordnung ist», sagt Richard Arnold, Leiter des Schwerverkehrszentrums. Doch, da muss er hart bleiben. Eine Lösung ist jedoch meist schnell gefunden. In solchen Fällen wird dann zum Beispiel ein Ersatz-Car organisiert.

Zum Teil miserable Zustände

Eine Fototafel in der technischen Halle des SVZ zeigt Bilder davon, was die Kontrolleure schon alles erlebt haben: Einer, dem ein Rad fehlte. Gebrochene Bremsscheiben, abgerissene Bremsschläuche, ein LKW, bei dem an drei von fünf Achsen die Bremsen nicht funktionierten. Ein direkt auf dem Areal explodierter Reifen. An Anekdoten fehlt es den Mitarbeitern nicht: «Einer transportierte teure Mercedes, musste den Lastwagen aber nach unserer Kontrolle verschrotten und einen Ersatztransporter organisieren, weil der LKW in einem miserablen Zustand war», erinnert sich Richard Arnold. Ein anderer hat das gleich dem SVZ überlassen und seinen Lastwagen nach der Kontrolle einfach stehen lassen. Auch bei der Innenausstattung sind die Chauffeure kreativ: «Die Fahrerkabinen sind manchmal so geschmückt, dass neben Kaffeemaschine, Fernseher und anderen Annehmlichkeiten nur noch ein minimales Sichtfeld übrig bleibt.» Und natürlich sind die Arbeits- und Ruhezeiten ein grosses Thema: Kürzlich kam ein Fahrzeug mit zwei Chauffeuren in die Kon-trolle, die innert zwei Wochen 27 Verstösse gegen die Arbeits- und Ruhezeiten begangen hatten. 40 Stunden lang fuhren die beiden gar ohne Pausen und Ruhezeiten durch. So ein Vergehen kostet mehrere tausend Franken Busse, die die Chauffeure in Form einer Kaution im SVZ hinterlegen müssen. Nicht ganz einfach, zumal die Fahrer nicht immer zahlungsfähig sind. «Die Chauffeure aus dem Osten verdienen durchschnittlich 500 bis 1000 Franken im Monat, da ist so eine Busse viel Geld», sagt Kontrolleur Heinz Ziegler. Doch im Nachhinein im Ausland Bussen einkassieren zu wollen, ist noch schwieriger. Die Fahrer nehmen die Busse in der Regel gefasst entgegen, laut werde es nur selten, sagt Arnold.

Von jenen Lastwagen, die in die vertiefte Kontrolle kommen, wird die Hälfte beanstandet. Die hohe Trefferquote sei vor allem auf das gut geschulte Auge der Kontrolleure zurückzuführen, sagt Arnold. Denn sie entscheiden, wer in die Kontrolle muss. Von den täglich rund 1500 Lastwagen, die das Schwerverkehrszentrum passieren, werden etwa 4 Prozent stichprobenweise kontrolliert.

Signale allein reichen nicht

Richard Arnold ist entspannt am heutigen Freitag, es läuft gewohnt ruhig. Etwas angespannt wird er erst, wenn das 70 000 Quadratmeter grosse Areal mit 500 Lastwagen voll ist und Schnee liegt. Oder, wenn es ein Problem im Gotthardtunnel gibt, und alle kribbelig auf die Abfahrt warten. Dann merkt Arnold, wie wertvoll sein Personal ist: «Die Signale allein reichen nicht – denn dann beginnen die Chauffeure zu drängeln.» Ein rigoroses Abfahrtsregime ist nicht zu vermeiden. «Wehe, einer wird zu früh rausgelassen, da kommen die Reaktionen der anderen sofort.»

Ohnehin sind die Fahrer schlau: Wenn beispielsweise der Kontrollposten an der Autobahn ein paar Tage nicht besetzt ist, spricht sich das schnell herum. Und mancher fährt dann gar nicht durchs Schwerverkehrszentrum. Um das zu vermeiden, muss täglich jeder Posten besetzt sein, und Lastwagen, die das SVZ umfahren, müssen nach Göschenen gemeldet werden. «Wir müssen sie halt erziehen», sagt Arnold lachend. Tricks gibt es auch bei den digitalen Fahrtenschreibern, welche die Fahrten, Ruhezeiten und Geschwindigkeiten aufzeichnen. Einige würden ganz ohne Karte fahren, was die Polizei schnell merke, andere probierten mit Magneten an den Impulsgebern die Aufzeichnungen zu manipulieren. Meist erfolglos. Und doch: «Es ist ein stetiges wetteifern», sagt Richard Arnold. Und jeden Morgen beginnt es wieder von vorne.

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