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ERSTFELD: Sicherheit steht hier an erster Stelle

Mehr als 19'000 Lastwagen haben Kontrolleure des Schwerverkehrszentrums Uri vergangenes Jahr überprüft. Auf dem Areal kommt es dabei immer wieder zu überraschenden Situationen, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.
Matthias Stadler
Ein italienischer Chauffeur repariert mit einem Mechaniker die Ölzufuhr. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 16. März 2017))

Ein italienischer Chauffeur repariert mit einem Mechaniker die Ölzufuhr. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 16. März 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Stefan Simmen schüttelt den Kopf. Soeben hat ein italienischer Chauffeur mit seinem Lastwagen hörbar eine kleine Strassenmauer touchiert. Der Polizist hat den Vorfall aus unmittelbarer Nähe beobachtet und begutachtet den mutmasslichen Schaden, stellt aber keine Beschädigungen fest. Der Fahrer hat Glück, ihm drohen keine Konsequenzen.

Wir befinden uns in Erstfeld, im Schwerverkehrszentrum Uri (SVZ). Stefan Simmen (51) ist Abteilungsleiter des 2009 in Betrieb genommenen Zentrums, in welchem Schwerfahrzeuge und Chauffeure auf ihre Fahrtauglichkeit überprüft werden, bevor die Reise weiter durch den Gotthard geht. Das SVZ lässt immer wieder mit Meldungen aufhorchen. Vergangene Woche etwa wurde ein bulgarischer Lastwagen wegen gravierender Sicherheitsmängel und eines widerrechtlich eingebauten Ad-Blue-Emulators stillgelegt. 2016 überprüften die Urner Kontrolleure 19290 LKW, 2609 davon wurden stillgelegt und 10'248 Verstösse festgestellt (Ausgabe vom 8. März). Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor waren 17'417 Lastwagen überprüft worden, 2333 wurden stillgelegt und 11'178 Verstösse verzeichnet.

Auflieger muss niedriger gelegt werden

Auch am Tag unseres Besuchs werden diverse Mängel festgestellt. Ein moderner italienischer Lastwagen etwa ist 4,15 Meter hoch und hat damit die erlaubte Höhe um rund 10 Zentimeter überschritten. Zwei technische Kontrolleure des SVZ überprüfen nun auch die Bremsscheiben. Dazu musste das Fahrzeug in die technische Kontrollhalle gefahren werden. In dieser hat es Platz für vier Lastwagen (siehe Kasten). Die Kontrolleure können nun in einer Prüfgrube unter dem LKW das Fahrzeug von unten inspizieren, ähnlich wie es die Besucher des Verkehrshauses Luzern bei einer Lokomotive machen können. «Das, was die Kontrolleure hier machen, müssen sie exakt machen», erklärt Abteilungsleiter Stefan Simmen. Und zu zweit untersuchen sie die Bremsen und den Fahrzeugboden genau. Mit Taschenlampen und geschulten Augen entgeht ihnen fast nichts. Der Verdacht der abgenutzten Bremsen erhärtet sich in diesem Fall nicht. Allerdings überschreitet der Auflieger die erlaubte Höhe. Diese Überschreitung muss nun in den vorschriftsgemässen Zustand gebracht werden, bevor der Chauffeur weiterfahren darf, erklärt Simmen.

Bei der polizeilichen Kontrolle – eine Station vor der technischen Kontrolle – unterzieht Sicherheitsassistent Markus Lussmann einen Lastwagen mit Aargauer Kontrollschildern einer Nachkontrolle. Vor ein paar Stunden war das Fahrzeug in der Gewichtskontrolle hängen geblieben, die Fracht war nicht korrekt verteilt. Nun hat der Lastwagenfahrer das Problem gelöst, er geht pragmatisch mit der Kontrolle um: «Wir müssen es locker angehen», eine andere Wahl habe er ja nicht. Der LKW steht auf einer im Boden installierten, überdimensionalen Waage, welche das Gewicht des gesamten Fahrzeugs wie auch das Gewicht auf jeder Achse misst. Hinzu kommt ein Scanner, welcher die Masse des LKW erfasst. Markus Lussmann sieht die Zahlen und ein 3-D-Modell des Lastwagens auf seinem Bildschirm im Häuschen gleich nebenan. Hier kontrolliert er auch Führerausweise, Frachtpapiere und ob der Fahrer seine Arbeits- und Ruhezeiten einhält. Der Computer zeigt an, dass nun alles im grünen Bereich ist. Lussmann öffnet trotzdem noch kurz den Anhänger und steigt hinein, stellt aber nach einer kurzen Kontrolle fest, dass die Ladung nun sicher geladen ist. Der Chauffeur darf entsprechend weiterfahren.

Der «Capo» hat keine Freude

Das Gelände des SVZ ist weitläufig und hat gefühlt gleich viel Betonfläche wie ein mittelgrosser Flughafen. Des­wegen benutzen viele Mitarbeiter Velos, um schneller zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen. Platz hätte es auf dem 70 000 Quadratmeter grossen Platz – das entspricht etwa 10 Fussballfeldern – für 530 Lastwagen. An diesem Tag stehen aber nur vereinzelt Fahrzeuge herum. Eines davon wird gerade von einem italienischen Chauffeur und einem extra von Norditalien hergefahrenen Mechaniker repariert. Ein Ölverlust hat den LKW lahmgelegt, erzählt der Fahrer, nun steht das Fahrzeug seit einem Tag auf dem Platz. Der Chauffeur konnte während des Wartens die Infrastruktur auf dem Platz gratis benutzen. Geschlafen hat er in der Führerkabine. Natürlich habe der «Capo» keine Freude, aber ein Weltuntergang sei es nicht.

Gleich nebenan befindet sich die Triagestelle. Dorthin kommen die Lastwagen, nachdem sie nach der Autobahnausfahrt von der Höhenkontrolle und der sogenannten dynamischen Vorkontrolle (erste Waage und Profilmessungen gemäss dem Stichprobenprinzip) zum ersten Mal unter die Lupe genommen worden sind. Bei der Triage nimmt Sicherheitsassistent Joseph Müller einen Augenschein vor: «Wie sieht der Lastwagen aus? Spuckt er dunkle Wolken aus dem Auspuff? Scheint der Fahrer fit für die Reise?» Das geschulte Auge entscheidet, ob der Chauffeur gleich wieder zurück auf die Autobahn kann oder zur polizeilichen Kontrolle bei Kollege Lussmann vorfahren muss. Ein Tessiner Lastwagen wird dabei zur Kontrolle geschickt. Mittels Signalisation wird er zur richtigen Station geleitet, nur übersieht er dies und fährt Richtung Ausgang. Müller registriert dies mit Hilfe eines akustischen Alarms sofort, schwingt sich auf sein Velo und gebietet dem Fahrer mittels Handzeichen, Richtung Kontrollstation zu fahren, was dieser dann auch sofort tut.

«Wir haben schon viel gesehen»

Überraschungen sind im Schwerverkehrszentrum Uri also an der Tagesordnung. «Wir haben schon einiges gesehen», sagt Abteilungsleiter Stefan Simmen. Er weiss von einem Fall, bei dem ein Lastwagen mehr als ein Jahr auf dem Areal einer Reparaturwerkstätte parkiert war. Das ausländische, geleaste Fahrzeug war fahruntüchtig, dann ging die Besitzerfirma in Konkurs, bis schliesslich die Leasingfirma den LKW abholen liess. Dies, so der Abteilungsleiter, ist auch für die Überraschungen gewohnten SVZ-Mitarbeiter nicht Alltag.

Auf dem Areal des Schwerverkehrszentrums Uri hat es Platz für 530 Lastwagen. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 16. März 2017))

Auf dem Areal des Schwerverkehrszentrums Uri hat es Platz für 530 Lastwagen. (Bild: Urs Hanhart (Erstfeld, 16. März 2017))

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