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ERSTFELD: So hat die Bahn das Dorf verändert

Die Bahn brachte Schwung ins Urnerland, dann machte die Technologie viele arbeitslos. Am Samstag wird über die Vergangenheit und Zukunft Erstfelds diskutiert.
Carl Waldis
So zeigte sich das Depot in Erstfeld um die Wende zum 20. Jahrhundert. (Bild: Sammlung Carl Waldis)

So zeigte sich das Depot in Erstfeld um die Wende zum 20. Jahrhundert. (Bild: Sammlung Carl Waldis)

Carl Waldis

Erstfeld hat sich über die vergangenen 150 Jahre immer wieder verändert. Der grösste Motor ist und bleibt die Bahn. Wie sich das Bahndepot in Erstfeld entwickelte und welche Auswirkungen dieses auf Erstfeld hatte, wird an der Bahn-Plattform vom kommenden Samstag, 5. September, ab 10 Uhr im Casino Erstfeld thematisiert (siehe Box). Wie aber fing alles an?

Im Sommer 1871 wird der Staatsvertrag zum Bau der Gotthardbahn durch das Deutsche Reich, Italien und die Schweiz ratifiziert. Dabei wird auch der Gotthardbahn-Abschnitt zwischen ­Flüelen und Biasca deklariert. Dieser erfordert ganz besondere Massnahmen. Für die Bergfahrt müssen zusätzliche Lokomotiven bereitgehalten werden. Bei ihrer Rückkehr werden diese gedreht und gepflegt. Feuerbüchse und Aschenkasten müssen geleert, Wasser- und Kohlevorräte nachgefüllt, und das Feuer neu angelegt werden. Wenn nötig werden kleinere Reparaturen und Einstellungen vorgenommen. Am Fusse der Gotthardsteigungen soll ein Lokomotivdepot mit Werkstätte entstehen.

Die Frage des Standortes

Nach einigen Querelen genehmigt der Bundesrat 1880 den Bau einer Rangier- und Maschinenstation in Erstfeld. Im August 1881 ist alles nahezu fertiggestellt. Nun geht es daran, professionelle Fachkräfte zu finden: Lokomotivführer, Heizer und Werkstättenpersonal.

Neben ausgezeichneten Salären und Sozialangeboten muss die Gotthardbahn-Gesellschaft (GBG) weitere Anreize schaffen. 1881 siedeln immer mehr Angestellte nach Erstfeld um, der Wohnraum wird knapp. So kauft die GBG in Erstfeld Wohnhäuser und bietet diese dem Personal günstig an. Später stellt die Gesellschaft einen Lehrer an und eröffnet in Erstfeld eine ­Sekundarschule mit Turnhalle. Um auch im Bereich Unterhaltung und Kultur etwas bieten zu können, wird später das Casino-Gebäude mit Theatersaal und Bühne erbaut.

Das Depot Erstfeld besteht anfänglich aus zwei dreiteiligen Dampfremisen. Lokführer und Heizer nehmen ihre Arbeit auf. Zusätzliche Gleise werden erstellt. In Erstfeld macht man sich Hoffnungen, Standort der Hauptreparaturwerkstätte der GBG zu werden. Doch diese wird in Bellinzona gebaut. Erstfeld wird zur Nebenwerkstätte deklariert. Bereits nach kurzer Zeit wird auch in Erstfeld ein grösserer Werkstättenanbau erstellt, und nun werden auch in Erstfeld Lokomotive-Hauptrevisionen durchgeführt. 1909 geht die GBG an die 1902 gegründete Schweizerische Bundesbahn SBB über. Dies führt auch zum Einsatz neuerer Dampflokomotiven am Berg. Im Rahmen der Elektrifizierung der Gotthardstrecke werden 1921 bei den Dampfremisen die nördlichen ­Torwände entfernt und die Stände um die grosse Elektro-Remise verlängert. Auch beim Personal ändert sich einiges. Im Depot fallen die Arbeitsplätze für die Betreuung der Dampflokomotiven weg. Auch die Arbeitsplätze der Heizer verschwinden, denn schon bald führen die SBB den Einmannbetrieb auf den elektrischen Lokomotiven ein. Ende der 30er-Jahre fällt auch die Berufsgruppe der Bremser weg. Und schliesslich führt die Umstellung im europäischen Bahngüterverkehr auf das Wagenladungssystem in den 1990er-Jahren zum Verlust der Rangierarbeiten, was zu weiterem Stellenabbau führt.

Das letzte Kapitel

Mit dem Ausbau des Bahnhofs Erstfeld 1992 erfährt auch die Depotzufahrt durch die Umstellung auf Zwergsignale eine letzte Modernisierung. 1999 werden das Depot Erstfeld und dessen Lokführer der Division Cargo zugeteilt. Die Lokführer-Arbeitsplätze werden von Erstfeld nach Arth-Goldau verschoben. Es wird stiller im Depot Erstfeld.

Nun aber ergibt sich für Erstfeld eine neue Chance. Für die Sicherheit des Gotthard-Basistunnels wurde das Eingreif- und Interventionszentrum EIZ erstellt. Am 1. Januar 2015 übernahm SBB-Infrastruktur das Depotareal. Die nicht denkmalgeschützten Bereiche wurden abgerissen und durch eine ­grosse Halle ersetzt. Den Rest will SBB-Historic ab 2017 übernehmen.

EIZ wird besichtigt

Die Bahn-Plattform vom 5. September beinhaltet Vorträge sowie eine Führung durch das Eingreif- und Interventionszentrum EIZ. Als Referenten wurden Kunsthistorikerin Karin Zaugg, Architekt Hans Cometti sowie Martin Kaufmann, der für die Unterhaltsarbeiten im Gotthard-Basistunnel verantwortlich ist, gewonnen. Ein Unkostenbeitrag von 10 Franken wird verlangt, Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren sind gratis. Eine Anmeldung ist erwünscht. Alle Infos unter www.bahn-plattform.ch oder telefonisch unter 041 880 22 31.

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