ERSTFELD: Testbetrieb: ARA wird zur Fischzucht

Mit warmem Wasser aus dem Neat-Tunnel soll eine Fischzucht betrieben werden. Demnächst startet der Testbetrieb – an einem eher speziellen Ort.

Elias Bricker
Drucken
Teilen
Ungewöhnliche Umnutzung: In der ARA Erstfeld sollen bald Lebensmittel produziert werden. (Archivbild Urs Hanhart)

Ungewöhnliche Umnutzung: In der ARA Erstfeld sollen bald Lebensmittel produziert werden. (Archivbild Urs Hanhart)

Elias Bricker

Jetzt werden in Erstfeld 25 bis 30 Millionen Franken investiert: Die Urner Firma «Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG» (kurz: B57) will das warme Wasser nutzen, das in Erstfeld aus dem Neat-Basistunnel fliesst (siehe unsere Zeitung vom 19. September 2014). Sie will mit dem Wasser aus dem 57 Kilometer langen Tunnel, der im kommenden Jahr eröffnet wird, eine Zuchtanlage für einheimische Fische für die Lebensmittelproduktion nutzen.

Das Projekt wird jetzt immer konkreter. Das Wasserkonzessionsgesuch für den Testbetrieb liegt nun auf dem Tisch des Urner Regierungsrates, wie im aktuellen Amtsblatt zu lesen ist. «Wir möchten eigentlich so schnell wie möglich loslegen», sagt B57-Verwaltungsratspräsident Urs Aschwanden auf Anfrage unserer Zeitung. «Bis Mitte Jahr sollen die ersten Fische in der Versuchsanlage schwimmen.»

Das riesige Projekt soll bis 2023 in mehreren Etappen aufgebaut werden. Als erster Schritt soll im Gelände der ehemaligen ARA Erstfeld eine Laboranlage in Betrieb genommen werden. «Mit dieser Testanlage wollen wir jetzt Erfahrungen sammeln», sagt Aschwanden. Während eines zweijährigen Testbetriebs will die Firma das Wachstum der Fische unter verschiedenen Rahmenbedingungen, die Reinigungsmassnahmen des anfallenden Schmutzwassers und die Wärmebilanzen in der Fischzucht untersuchen. Dabei arbeitet die B57 eng mit den Aquakulturspezialisten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zusammen.

Firma will Installationsplatz kaufen

In der Testanlage sollen vorerst die Fischsorten Trüschen und Zander gezüchtet werden. «Vor allem mit der Trüschen-Zucht hat man bisher nur wenig Erfahrungen in der Schweiz gemacht», weiss Aschwanden. «In rund einem Jahr wird man die ersten ausgewachsenen Tiere essen können.»

Dass der Testbetrieb im Gelände der ARA Erstfeld zu stehen kommt, ist eher speziell – vor allem wenn man bedenkt, dass dort hochwertige Frischfische für die Nahrungsmittelproduktion gezüchtet werden sollen. «Bei Kläranlage denkt man automatisch sofort an Schmutzwasser», sagt Urs Aschwanden. Doch der Verwaltungsratspräsident versichert: «Bei uns ist alles ganz sauber. Die Fische schwimmen in neuen Becken, und das sehr saubere Wasser kommt aus dem Berg.» Denn die Kläranlage ist seit 2014 nicht mehr in Betrieb und wird nun umgebaut. In den kommenden Wochen und Monaten werden spezielle Fischbecken installiert.

Der Urner Regierungsrat hat der B57 die Konzession für die Nutzung des Bergwassers schon 2009 in Aussicht gestellt. Wenn alles rund läuft, will die Betreiberfirma im kommenden Jahr eine 2,5 Hektaren grosse Liegenschaft beim Nordportal, wo sich aktuell noch ein Installationsplatz befindet, von der AlpTransit Gotthard AG kaufen. 2017 soll das Betriebs- und Produktionsgebäude erstellt werden und ab 2018 will man dann mit der Fischmast beginnen. «Dank den Erfahrungen, die wir im Testbetrieb sammeln, werden wir schneller voll produzieren können», so Aschwanden.

Rund 25 neue Stellen geplant

Die Betreiber der Fischzucht rechnen mit einer Produktionskapazität von 1200 Tonnen Frischfisch pro Jahr. Damit wird der Fisch-Selbstversorgungsgrad der Schweiz um rund 25 Prozent erhöht. Die Betreiber rechnen sich gute Marktchancen aus. Denn Fisch wird als Nahrungsmittel weltweit immer beliebter, jedoch sind die Meere zunehmend überfischt. Die «Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG» will hauptsächlich Zander züchten. Aber auch die Zucht von Trüschen, Äschen, Huchen und einheimischen Krustentieren ist geplant. Die Anlage soll bis zu 25 neue Arbeitsplätze schaffen.

Ebenfalls eine Konzession für die Nutzung des Neat-Wassers wurde dem EW Erstfeld in Aussicht gestellt, und zwar für die Gewinnung von Wärmeenergie. Allerdings steht die Realisierung eines Wärmeverbundprojekts bei den Gemeindewerken momentan nicht zuoberst auf der Prioritätenliste.