Erstfeld

Über 30 Urner betroffen: Gemeinderat wehrt sich gegen SBB-Depotschliessung in Arth-Goldau

Der SBB-Cargo-Standort in Arth-Goldau soll geschlossen werden. Das betrifft auch ein Dutzend Erstfelder. Nun wird der Gemeinderat aktiv.

Lucien Rahm
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Werden bald nicht mehr von Arth-Goldau aus starten: SBB-Cargo-Züge.

Werden bald nicht mehr von Arth-Goldau aus starten: SBB-Cargo-Züge.

Symbolbild: Laurent Gillieron/Kesytone (4. Februar 2013)

Der Standort von SBB Cargo in Arth-Goldau soll bis Ende 2022 aufgehoben werden. Betroffen sind davon 45 Lokführer, für die zum Teil ein Stellenwechsel an andere Arbeitsorte vorgesehen ist. 33 dieser Mitarbeiter wohnen im Kanton Uri. Davon wiederum ist ein Drittel in Erstfeld zu Hause, wie die Gemeinde Erstfeld diese Woche in einer Mitteilung wissen lässt. Dementsprechend unerfreut ist der Gemeinderat über die Pläne der Bundesbahnen.

Er sei nicht bereit, den Entscheid «einfach so hinzunehmen», schreibt der Gemeinderat. Denn künftig müssten die betroffenen Bahnangestellten in Chiasso, Basel, Bellinzona oder Zürich zur Arbeit gehen, möchten sie weiterhin für die SBB tätig sein, schreibt die Gemeinde. Damit müssten sie auch ihren Wohnort wechseln, denn: «Die Arbeitszeiten bei SBB Cargo machen ein Pendeln auf weite Distanzen unmöglich.» Bereits vor vier Jahren sei der Arbeitsort dieser Mitarbeiter von Erstfeld nach Goldau verlegt worden, als die SBB den Standort in der Urner Gemeinde schlossen. Man werde «alles daransetzen, diesen Entscheid der SBB rückgängig zu machen oder als Kompensation neue SBB-Arbeitsplätze in Uri zu erreichen», schreibt der Gemeinderat weiter.

Südostbahn bietet Stellen in Erstfeld an

Ein etwas weniger dramatisches Bild der Situation zeichnen die SBB selber. Dass die Urner Angestellten nun ihren Wohnort wechseln müssen, möchten sie weiterhin bei den Bundesbahnen tätig sein, sei «so nicht korrekt», wie es auf Anfrage heisst. «Die SBB-interne Arbeitsgruppe hat für die betroffenen Mitarbeitenden verschiedene Alternativen ausgearbeitet.» Sie könnten beispielsweise ab dem kommenden Jahr in den Personenverkehr wechseln. Hierbei wäre ihr Arbeitsort dann Zug, Beinwil AG, Olten SO oder auch Aarau.

Zudem werde ab kommendem Jahr auch die Südostbahn Angebote bereithalten, «exklusiv für die betroffenen Mitarbeitenden». Für diese wäre dann als Arbeitsort Arth-Goldau oder gar Erstfeld möglich. Wie viele Personen in den Genuss dieser Lösung kommen könnten, schreiben die SBB nicht. Jedenfalls sei es den Lokführern grundsätzlich möglich, anzugeben, an welchem Standort sie zukünftig arbeiten möchten, und die Möglichkeiten sowie das Wechseldatum würden dann geprüft. «SBB Cargo wird die Mitarbeitenden während des Prozesses begleiten und bleibt im Austausch mit dem Personenverkehr, der Südostbahn sowie Cargo International, um auch im Jahr 2022 Wechselmöglichkeiten anbieten zu können.»

Auch Kantonsbahnhof bringt neue Möglichkeiten

Weitere Arbeitsplätze, wie sie der Erstfelder Gemeinderat als Kompensation fordert, würden zudem mit dem Kantonsbahnhof Altdorf entstehen, und dies ab Dezember des kommenden Jahres, wie die SBB schreiben. Wie der Erstfelder Gemeinderat den angesprochenen Möglichkeiten gegenübersteht, war bis am Freitagabend nicht in Erfahrung zu bringen.

In der Mitteilung greift der Gemeinderat jedoch noch einen anderen Punkt auf, der seiner Ansicht nach problematisch ist. Das Projekt «Perspektive Erstfeld» werde durch den Abbau in Goldau in Frage gestellt. In dessen Rahmen seien derzeit nämlich Gespräche mit den Bundesbahnen im Gange – darüber, wie die abgebauten Arbeitsplätze, die Erstfeld in der Vergangenheit bereits hinnehmen musste, ersetzt werden könnten. «Alle Bemühungen dieser Gruppe werden mit dem aktuellen Entscheid zunichtegemacht und zerstören die Hoffnung, dass die SBB ihre regionale Verantwortung auch in einem kleinen Kanton wie Uri wahrnehmen», so der Gemeinderat.

Die Arbeiten in dieser Gruppe, der auch der Kanton und die Südostbahn angehören, würden jedoch noch andauern, schreiben die SBB. «Resultate werden im ersten Halbjahr 2021 erwartet.»

Das sagt der Urner Volkswirtschaftsdirektor

Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind sagt auf Anfrage, er fände die Entscheidung der SBB nicht gut und könne diese auch nicht nachvollziehen. «Einerseits hat man zu wenig Lokführer, andererseits fällt man solche Entscheide.» Der Kanton Uri sei eigentlich ein geeigneter Standort für die Rekrutierung von hochwertigem Fachpersonal. «Leider nutzen die SBB diese Chance zu wenig – oder überhaupt nicht.» Für ihn sei es zudem befremdend, dass das Vorgehen nicht in der Projektgruppe Perspektive Erstfeld behandelt worden sei, so der Volkswirtschaftsdirektor. (lur)