ERSTFELD: Ungebetene Gäste machen Radau

Frechheit und Arroganz überborden bei der diesjährigen Produktion des Theaters Erstfeld. Die Not wird gross bei der Familie Roth. Trotzdem darf gelacht werden, wie die Premiere am Samstag bewies.

Robi Kuster
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Auch Hamster Felix muss die Familie Roth Gastrecht gewähren. (Bild: PD (Erstfeld, 11. Januar 2016))

Auch Hamster Felix muss die Familie Roth Gastrecht gewähren. (Bild: PD (Erstfeld, 11. Januar 2016))

Robi Kuster

 

redaktion@urnerzeitung.ch

Wer hat diesen Satz nicht auch schon beim Abschied zu einer Ferienbekanntschaft gesagt: «Lueged einisch verbii»? Dass eine solche Einladung in einem Albtraum enden kann, davon gehen die wenigsten aus. Doch genau dieser Fall trifft im Stück des Theaters Erstfeld ein.

Die Familie Roth ist daran, die freien Tage zu planen, als sich ungebetene und fast schon vergessene Gäste anmelden, die anscheinend vor einem Jahr beiläufig eingeladen wurden. Alles wäre nicht so tragisch, wenn es sich nur um wenige Stunden handeln würde – und wenn es nur wenige Personen wären. Bestehen die unerwarteten Gäste aber aus Grossmutter, Mutter und Tochter, welche die Gelegenheit beim Schopf packen, um ein, zwei Wochen billige Ferien zu geniessen, läuft der Besuch schon mal aus dem Ruder. Und wenn die Frauen noch mit der nötigen Power ausgerüstet sind, wird daraus ein «Frauenschauer».

Die Familie Roth versucht zwar anfänglich, gastfreundlich und zuvorkommend zu sein, muss aber bald feststellen, dass sie damit noch mehr in die Fänge der aufdringlichen Gäste geraten. Erst ein Trick von Sohn Kevin kann die Lage entspannen. Das Stück «Lueged einisch bi iis verbii» ist von Beginn an lustig. Sowohl die Auswahl des Stückes wie auch die Besetzung der Rollen sind optimal gelungen.

Alltägliches wird übertrieben dargestellt

Gerade weil solche Einladungen immer wieder ausgesprochen werden, wirkt das Stück gut nachvollziehbar. Auch Ulla Kling, Autorin der Komödie, dürfte wohl die eine oder andere Erfahrung gemacht haben.

Bernadette Wipfli hat das amüsante Stück auf die Urner Verhältnisse angepasst und führte mit Pia Walker zusammen die Regie. Auch in ihrem zweiten Regie-Jahr griff sie zu einer Komödie, die sehr gut auf ihre Spielerinnen und Spieler zugeschnitten war. Kurt Wyrsch spielt dabei den etwas spiessigen Beamten Rolf Roth, Daniela Eller seine Frau Käthi und Rosanna Sargenti die unausstehliche Nachbarin Monika Schwerzmann. Alle drei spielen seit vielen Jahren tragende Rollen beim Erstfelder Theater. Sie sind es auch, die das Alltägliche so übertrieben darstellen können, dass es lustig wirkt.

Nicht alltäglich ist hingegen, dass in Erstfeld einige Leute im Einsatz stehen, die erst zwei- oder dreijährige Erfahrung mit sich bringen. Sie sind aber sehr gut integriert und spielen alle überzeugend, so etwa Daniel Walker als Sohn Kevin Roth, Patrizia Baumann als Ferienbekannte Rosmarie Geissberger, Patricia Birchler als deren Tochter Madleine, Marlis Poloni als Grossmutter Martha Geissberger, Adrian Furrer als Freund Bernd von Rolf Roth und Jan Walker als Freund von Kevin Roth.

Die Blutauffrischung ist frappant in Erstfeld und wirkt sich positiv aus. Der Besucher hat aber das Gefühl, einem längst eingespielten Team zuzusehen. Anders als auf andern Urner Bühnen ist das Theater in Erstfeld Teil der Trachtengruppe. Fast alle Beteiligten sind Mitglieder und werden entweder im Chor, im Rückraum des Theaters oder im Theaterstübli für die Bedienung der Gäste eingesetzt. Bei der Hauptprobe sind sie die ersten kritischen Besucher und bei den Aufführungen die Betreuer rund um das Theater.

Speziell im Erstfelder Theater ist auch die musikalische Untermalung mit Livemusik. In diesem Jahr sind es Luca Zberg und Tobias Zgraggen mit Bass und elektrischer Gitarre. Sie leiten das Stück ein und künden das Ankommen von Gästen so gekonnt an, dass man sich in einem spannenden Krimi wähnt.

Denn das, was sich die Gäste alles bei den Roths erlauben, grenzt beinahe an Kriminalität. Um auch den Chor im Theater einzubinden, trägt er im zweiten Akt zwei Lieder unter der Leitung von Michel Huser vor – ebenfalls eine Änderung: Früher trat er zu Beginn der Vorstellung auf. Der Auftritt ist auch ein Dank an die ehemaligen Mitglieder, Sponsoren und die Anhänger der Trachtengruppe.

Langjähriges Mitglied wird geehrt

Ebenfalls zum festen Bestandteil gehören die Ehrungen bei der Premiere. An der ersten Aufführung der diesjährigen Produktion erhielten für einmal alle Leute im Hintergrund einen Blumenstrauss. Eine spezielle Ehrung durfte Rosanna Sargenti für ihren 20-jährigen Einsatz im Erstfelder Theater entgegennehmen. Als Monika Schwerzmann schlüpfte sie zum zwölften Mal in eine andere Person. Daneben war sie auch schon als Souffleuse und 2004 als Sängerin tätig. 2016 unterstützte sie Bernadette ­Wipfli als Regieassistentin. Fast immer war Rosanna Sargenti auch für die Stückwahl mitverantwortlich. Wahrlich eine verdiente Ehrung für eine grossartige Schauspielerin.

Hinweis

Reservationen werden unter www.trachten-erstfeld.ch entgegengenommen oder von Dienstag bis Freitag, 17 bis 18 Uhr, per Telefon 041 880 14 28. Weitere Aufführungen finden statt am 22. Januar, 17.15 Uhr, 18./20./21./22./25./27. und 28. Januar jeweils um 20.15 Uhr im Casino Erstfeld. Musikalische Unterhaltung am 20./21. und 28. Januar im Theaterstübli (geöffnet ab 19.30 Uhr).