ERSTFELD: Wildes Pack!

Illegale Sportwetten, sterbende Poststellen und ein Lastwagen ausser Rand und Band: Die Fasnächtler haben gestern am Umzug in Erstfeld vor allem lokale Themen aufs Korn genommen.

Anian Heierli
Drucken
Teilen
Mit ihren gruseligen Samurai-Kostümen zogen die Smürfer-Spätzinder aus Gurtnellen/Göschenen die Blicke auf sich. (Bilder Urs Hanhart)

Mit ihren gruseligen Samurai-Kostümen zogen die Smürfer-Spätzinder aus Gurtnellen/Göschenen die Blicke auf sich. (Bilder Urs Hanhart)

Seit dem gestrigen Fasnachtsumzug ist klar: Erstfeld gilt inoffiziell als Mekka für Glückspiele. So hatte die Polizei Anfang Dezember bei einer Aktion gegen illegale Wetten Geld und Geräte in einem Hotel beschlagnahmt. Dem Wirte-Ehepaar wurden Verstösse gegen das Lotteriegesetz vorgeworfen. Die Fasnachtsgruppe Sirtäsirtschälis machte diese Razzia gestern zu ihrem Thema und nahm dabei kein Blatt vor den Mund: «Viva las Erstfeld», schrien die Fasnächtler. Und: «Geldwäschä für eigni Täschä.»

Mit ihren gruseligen Samurai-Kostümen zogen die Smürfer-Spätzinder aus Gurtnellen/Göschenen die Blicke auf sich. (Bilder Urs Hanhart)

Mit ihren gruseligen Samurai-Kostümen zogen die Smürfer-Spätzinder aus Gurtnellen/Göschenen die Blicke auf sich. (Bilder Urs Hanhart)

Publikum wettet auf Pferde

Die Sirtäsirtschälis forderten auch das Publikum am Strassenrand zum Mitmachen auf. Wer wollte, konnte sein Glück beim Pferderennen versuchen. Dafür gab es auf ihrem Wagen ein paar Miniaturpferde, die mittels Handkurbel angetrieben wurden. Als Preis winkte jede Menge Falschgeld.

Sein Fett ab bekam auch der litauische Lastwagenlenker, der im vergangenen Oktober die Kirchgasse verwüstet hatte. Der Chauffeur hatte mit seinem viel zu breiten LKW die schmale Strasse durchquert und beschädigte Gartenzäune und Hausfassaden. Die Gruppe Genijellä Idejellä baute deshalb als Umzugswagen einen überdimensionalen LKW und Teile der Kirchgasse nach – eine Idee, die bei den Zuschauern besonders viele und äusserst heftige Lacher hervorlockte.

Uri bald ohne Briefträger

Für ein weiteres Highlight sorgte der ESC Erstfeld. Die Fussballer thematisierten das aktuelle Poststerben im Kanton Uri. Auf ihrem Wagen waren rauchende Poststellen, die mit Urner Ortsnamen wie etwa Seedorf, Intschi und Silenen angeschrieben waren, zu sehen. Einige Fussballer verkleideten sich als Briefkästen, auf denen «Rettet mich» prangerte. «Wenn die Post weiterhin ihre Filialen in den kleinen Dörfern schliesst, haben bald nur noch Altdorf, Bürglen und Erstfeld eine Post», prophezeite ESC-Mitglied Philipp Loretz.

Ansonsten fielen am Erstfelder Umzug in diesem Jahr vor allem die zahlreichen Guggenmusiken lautstark ins Gewicht. Besonders viel Krach machten die Bäusyräller aus Amsteg und die Smürfer-Spätzinder aus Gurtnellen/Göschenen. Letztere waren mit ihren gruseligen Samurai-Kostümen ein echter Hingucker. Ein wildes Pack.

Zuschauer vermisst Katzenmusik

Aufgefallen ist, dass nur die Erstfelder Katzenmusikgesellschaft mitmarschierte. Das sorgte da und dort für Verwunderung: «Ich hätte mehr Katzenmusik erwartet», sagte ein Zuschauer etwas enttäuscht. Insgesamt sei der Erstfelder Umzug aber «gut und sehenswert» gewesen.

Anian Heierli

Mehr zum Umzug Erstfeld finden Sie auf Seite 15 und auf unserer Homepage www.urnerzeitung.ch/bilder