Erstfelder Quellwasser ist besonders geeignet für Bier

Brigitte Ruch braut in ihrer Kleinbrauerei Bier-Uri jedes Jahr bis zu 7000 Liter ihrer sieben unterschiedlichen Sorten.

Paul Gwerder
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Brigitte Ruch bei der Arbeit in ihrer Kleinbrauerei.

Brigitte Ruch bei der Arbeit in ihrer Kleinbrauerei.

Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 20. Juli 2020)

«Mein Ehemann brachte mich vor einigen Jahren auf die Idee, Bierbrauerin zu werden», erinnert sich die 54-jährige Brigitte Ruch. Gelernt hat sie ursprünglich Arztgehilfin und später hat sie wie ihr Vater den Beruf als Lokomotivführerin erlernt und hat dann 15 Jahre lang für die BLS gearbeitet. Danach hängte sie diesen Beruf an den Nagel und begann im Jahr 2012 ihr erstes eigenes Bier zu brauen. Um das Brauen noch professioneller zu gestalten, wurde der Keller in ihrem Haus aus- und umgebaut. Heute weist ein Schild am zweistöckigen Haus mit der Bezeichnung «Bier-Uri» auf die Kleinbrauerei hin.

Auf die Mischung der Zutaten kommt es an

Die Herstellung des Biers benötigt über sechs verschiedene Arbeitsschritte. Wichtig ist das Wasser – das so rein wie möglich sein muss – und das ist in Erstfeld kein Problem, denn es kommt in guter Qualität aus den Quellen im Erstfeldertal. Zu einem guten Bier kommen noch Gersten, Hopfen und Hefe dazu. In einem der ersten Schritte geht es an das «Einmaischen». Dabei werden Malz und Wasser miteinander gemischt und auf die richtige Temperatur gebracht. Und beim «Läutern» trennt man das ausgekochte Malz von der Maische. Dieser Rückstand wird auch Treber benannt.

Dann geht es Schritt für Schritt weiter. Der Hopfen gibt dem späteren Bier seinen Geschmack und macht es durch seine Gerb- und Bitterstoffe haltbar. Es gibt zahlreiche Hopfenarten – die einen lassen das Bier herb und bitter schmecken, andere machen das Bier eher lieblicher und fruchtiger. Für den späteren Geschmack sind aber nicht nur Hopfen und Malz entscheidend, auch die Wahl der Hefe hat einen grossen Einfluss darauf.

Jeder Brauer spielt dann seine eigene Kreativität aus, indem er diese Zutaten beliebig mischt oder neue Zutaten hinzufügt, die jeweils eine besondere Wirkung auf den Geschmack des Bieres haben. «Bis ich mein Bier probieren kann, dauert es ungefähr acht Tage und dann kann das Erstfelder Bier in die unterschiedlichen Flaschen abgefüllt werden», erklärte die Bierbrauerin. «Meine Kundinnen und Kunden lieben besonders das Erstfelder Hausbier sowie das Erstfelder Herb, dazu kommt noch ein Dinkel-, Weizen- Schwarz-Haferflöckli- und Weihnachtsbier», so Ruch. Gerne kreiert sie auch noch eine spezielle Etikette für die Flaschen. So werden häufig Wunschetiketten für Geburtstage, Familienfeste, Pensionierungen oder Firmenfeste bestellt. Die Kleinbrauerei liefert das Bier auch in einem 5-Liter-Fass für eine spezielle Party.

«Mein Bier ist seit Beginn bei der Bevölkerung gut angekommen und ich bin auf viel Goodwill gestossen», so die Braumeisterin. Heute produziert die Kleinbrauerei jährlich ungefähr 6000 bis 7000 Liter Bier. «Für mich stimmt das so, denn für eine grössere Menge habe ich die Infrastruktur nicht», betont Brigitte Ruch. Das «Bier Uri» kann direkt im Braukeller am Wasserschaftsweg 2 in Erstfeld bezogen oder auch degustiert werden. Und es wird auch bei verschiedenen Dorf- und Vereinsanlässen angeboten.

Brigitte Ruch braut in ihrer Kleinbrauerei jährlich bis 7000 Liter Bier.

Brigitte Ruch braut in ihrer Kleinbrauerei jährlich bis 7000 Liter Bier.

Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 20. Juli 2020)

Im Mittelalter brauten die Frauen das Bier

Brigitte Ruch ist wahrscheinlich die einzige Urner Braumeisterin. Dazu hat sie Ende 2018 die Biersommelierausbildung in München absolviert. «Dies war für mich eine intensive Herausforderung mit einer Abschlussprüfung, die ich erfolgreich bestanden habe und dafür die begehrte Urkunde als Biersommelière erhalten habe», sagte Brigitte Ruch. Überhaupt sind heute selten Frauen in diesem Beruf anzutreffen. In früheren Jahrhunderten war das Brauen dagegen Frauensache, denn es gehörte zur Haushaltsarbeit wie das Kochen und Backen. In den Bräuhäusern des frühen Mittelalters sah man nur Frauen – die Männer haben das edle Gebräu lieber nur getrunken.

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