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In eigener Sache: Florian Arnold ist neuer Leiter der «Urner Zeitung»

Florian Arnold tritt ab Montag, 1. April*, die Nachfolge von Bruno Arnold an. Im Interview spricht der 31-Jährige über die Digitalisierung, Führungsqualitäten und wie es gelingt, die Glaubwürdigkeit als Medium zu wahren.
Bruno Arnold
Florian Arnold, interviewt von seinem Vorgänger Bruno Arnold, sprich über die Zukunft der «Urner Zeitung». (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 28. März 2019)

Florian Arnold, interviewt von seinem Vorgänger Bruno Arnold, sprich über die Zukunft der «Urner Zeitung». (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 28. März 2019)

Bei der «Urner Zeitung» kommt es zu einem personellen Wechsel. Nach 25 Jahren als Redaktionsleiter habe ich, Bruno Arnold, mich entschieden, per Ende September vorzeitig in den Ruhestand zu treten. Auf den heutigen Tag* tritt Florian Arnold meine Nachfolge an. Grund genug, uns gemeinsam über die Zukunft der Zeitung zu unterhalten.

Florian Arnold, muss man Arnold heissen, um Redaktionsleiter bei der «Urner Zeitung» werden zu können?

Nein.

Was braucht es dann?

Man muss in Uri gut vernetzt sein, den Kanton kennen und ein Stück weit auch lieben. Darüber hinaus braucht es Organisationstalent, Führungsqualitäten, Übersicht, Belastbarkeit und ein Flair für den Journalismus.

Der Kanton Uri ist klein, und du kennst viele Leute. Wie schwierig ist es da, wenn man jemandem auf die Zehen treten muss?

Es ist sicher nicht die einfachste Aufgabe, aber es gehört zum Job. Ich will auch weiterhin fairen Journalismus betreiben. Und das bedeutet, dass jemand Stellung beziehen darf, wenn er kritisiert wird. Zu solchen Situationen kommt es zum Beispiel, wenn wir von einem Gerücht erfahren. Den Betroffenen mache ich dann jeweils klar, dass wir wohl nicht die Einzigen sind, die davon wissen.

Wir aber haben die Möglichkeit, aufzuklären und Hintergründe zu beleuchten. Wenn uns das gelingt, haben am Schluss alle gewonnen.

Für mich geht es einfach nicht, etwas unter den Tisch zu kehren. Heikle Themen müssen aufgegriffen werden.

Du hast die Führungsqualität erwähnt. Wo lernt man das?

Ich bin jemand, der gerne Projekte anzettelt und durchzieht. Mit der Zeit lernt man, wie man vorgehen muss, um ans Ziel zu kommen. In den verschiedenen Vereinen, in denen ich tätig bin, habe ich unterschiedlichste Stile von Führung kennengelernt. Solche, die einem zusagen, und auch solche, die man als Negativbeispiel verwenden könnte. Und nicht zuletzt arbeite ich nun fast acht Jahre in einem gut funktionierenden Team. Auch da habe ich viel mitnehmen können. Das Wichtigste an der Führung ist die Kommunikationsfähigkeit. Diese kann man täglich trainieren.

Du bist mit fast 31 Jahren bereits in der Chefposition. Wo siehst du deine Zukunftsperspektiven?

Ich habe keinen Fünfjahresplan. Das wäre in der heutigen schnelllebigen Welt des Journalismus stumpfsinnig. Bekanntlich bin ich vielseitig interessiert und habe neben meiner Tätigkeit bei der Zeitung eine kleine Einzelfirma. Meiner Erfahrung nach gehen immer wieder Türen auf, vielleicht auch mal innerhalb des Konzerns. Diese Türen muss man einfach zur rechten Zeit entdecken.

Zur Person

Florian Arnold wurde 1988 in Altdorf geboren. Nach der Matura 2008 begann er nach einem Zwischenjahr an der ETH Zürich während zwei Semestern zu studieren, ehe er für den einjährigen Vorkurs an die Hochschule Luzern Musik/Jazz im Fach Klavier wechselte. 2011 wurde er Stagiaire der «Urner Zeitung» und absolvierte berufsbegleitend den Diplomlehrgang an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern, das er 2014 abschloss. In seiner Freizeit spielt er unter anderem Klavier, Akkordeon und Orgel in verschiedenen Zusammensetzungen und Stilrichtungen. (pd/eca)

Du machst Musik, Radio, Theater. Liegt das neben dem Job als Redaktionsleiter noch drin?

Ich habe vor ein paar Jahren bewusst den Schritt vom Hundertprozent- zu einem Teilpensum gemacht. Ich werde auch weiterhin 90 Prozent bei der Redaktion arbeiten, damit eben etwas Zeit für andere Dinge bleibt. Ich brauche diese Abwechslung, um Kreativität und Energie für den Job zu tanken. Wäre das nicht möglich gewesen, hätte ich den neuen Posten nicht angenommen.

Welche Schwerpunkte möchtest du inhaltlich bei der Zeitung setzen?

Ich glaube, die «Urner Zeitung» hat heute ein gutes Profil, an dem man nicht viel schrauben muss. Wir decken die kantonale Politik so umfangreich wie möglich ab und versuchen, auch den wichtigen kommunalen Themen gerecht zu werden.

Ich sehe uns auch als Kulturzeitung, die das grossartige Angebot im Kanton Uri abbildet und Hintergrundinformationen liefert.

Im Gesellschaftlichen greifen wir heisse Themen auf. Wir müssen aber auch klare Prioritäten setzen. Denn mit etwas mehr als 400 Stellenprozenten, die wir für die redaktionelle Arbeit zur Verfügung haben, können wir nicht über alles Mögliche Bericht erstatten. Es geht nur, wenn man auch Mut zum Verzicht zeigt.

Die gedruckte Zeitung verliert an Bedeutung, die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Wie gedenkst du, den Spagat zwischen Print und Online zu schaffen?

Die Urner Online-Ausgabe betreiben wir heute schon selber. Unser Handwerk bleibt auch in diesem Zeitalter dasselbe: Wir schreiben lokale Geschichten und übersetzen komplexe Themen in gut verständliche Sprache. Geändert hat sich der Kanal, auf dem man die Information bezieht. Die grosse Herausforderung besteht darin, der Gesellschaft klar zu machen, dass Online-Inhalte nicht gratis hergestellt werden können. Leider hat bis jetzt niemand ein Patentrezept dafür gefunden.

Wie bringt man junge Leute dazu, die Lokalzeitung zu lesen?

Auf das gedruckte Produkt kann man längerfristig nicht mehr setzen. Und wenn ich auf mein gleichaltriges Umfeld schaue, gibt es nur sehr wenige, die unsere Zeitung abonniert haben. Die Zeiten sind vorbei, in denen man das Zeitungsabo praktisch von den Eltern geerbt hat. Trotzdem glaube ich, dass die Wichtigkeit von lokalen Neuigkeiten nie aussterben wird. Meine Hoffnung ist es, dass die Gesellschaft dies erkennt und entsprechend honoriert. Ich will damit sagen: Wir erbringen unsere Dienstleistung noch so gerne in digitaler Form – aber niemand macht das gerne gratis.

Auf welchem Kanal auch immer: Wird man weniger Texte von dir lesen, weil du nun Redaktionsleiter bist?

Ich hoffe es nicht. Du als mein Vorgänger hast gezeigt, dass man neben der organisatorischen Arbeit trotzdem noch Texte verfassen kann. Das ist auch mein Ziel. Ich hoffe aber, man verzeiht es mir, wenn ich nicht gerade 15 Stunden am Tag arbeite, nur, damit man auch noch meinen Namen unter Texten findet. Ich gebe zu: Ich trete in grosse Fussstapfen. Was du dir in 25 Jahren für ein Image und Umfeld aufgebaut hast, ist in den Köpfen drin.

Wahrscheinlich wird es Jahre gehen, bis zum letzten Mal der Chef, Bruno Arnold, verlangt wird.

Belastet dich das?

Nein. Es ist wichtig, dass die Zeitung herauskommt und allfällige Reklamationen auf meinem Schreibtisch landen. Ich hoffe aber, dass die Urner auch in mich Vertrauen entwickeln, dass unsere Zeitung den Quellenschutz hochhält und man uns auch mit heiklen Informationen versorgen kann, ohne Angst um den eigenen Kopf haben zu müssen.

Gerade heikle Themen können unsere Job stressig machen. Wie erholst du dich davon?

Mein grösstes Hobby ist die Musik. Und glücklicherweise lässt es meine Wohnlage zu, dass ich auch spät am Abend noch ans Klavier sitzen kann. Man muss sich bewusst Zeit nehmen, um herunterzufahren. Und manchmal tut es auch gut, sich vor Augen zu führen, dass ein Fehler in der Zeitung nicht den Weltuntergang bedeutet, auch wenn ich mich im Moment vielleicht tödlich darüber ärgere.

Journalisten wird heutzutage vorgeworfen, Fakenews zu produzieren. Wie schafft man es, die Glaubwürdigkeit zu wahren?

Nur durch die täglich saubere Arbeit. Jede und jeder auf unserer Redaktion hat den Anspruch, keine Fakenews zu machen. Wir arbeiten nach den grundlegenden journalistischen Regeln und versuchen uns wenn möglich auf mehrere Quellen abzustützen.

Manchmal wird von uns einfach erwartet, dass wir die Wahrheit riechen können und wir fehlerlos sein sollten. Das kann niemand von uns erwarten.

Aber ich bin stolz auf ein gutes Team, bei dem alle am selben Strick ziehen und für unsere Zeitung brennen. Alle sind bereit, wenn es sein muss, mal länger zu arbeiten. Denn letztlich ist halt unser Produkt, die Zeitung, die Taktgeberin.

Zum Abschluss: Man liest Texte von Florian Arnold und vom gleichen Autor mit dem Kürzel «zf». Was hat es auf sich damit?

Das geht auf die Anfänge zurück, als ich bei der Zeitung zu arbeiten begann. Damals stand das Kürzel «af» im Raum oder sogar der «aff», da ich mit zweitem Vornamen Friedrich heisse. Ich habe mich dann aber für meinen Schächentaler Übernamen «Zilliger Florian» entschieden ...

*Es handelt sich um keinen 1.-April-Scherz.

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