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Ehemaliger Leiter der Musikschule Uri blickt zurück: «Es gab nicht einmal Notenständer»

Wartelisten für Schüler, keine Infrastrukturen und Autos voll mit Instrumenten – Urs Zenoni übernahm 1980 die Leitung der Musikschule Uri. Zum 40-Jahr-Jubiläum blickt er auf die Anfangszeit zurück.
«Musik gehört zu unserer Gesellschaft und ist ein Teil von uns.» Für Urs Zenoni gehört Musikschulunterricht bei Kindern und Jugendlichen zur schulischen Erziehung. (Bild: PD)

«Musik gehört zu unserer Gesellschaft und ist ein Teil von uns.» Für Urs Zenoni gehört Musikschulunterricht bei Kindern und Jugendlichen zur schulischen Erziehung. (Bild: PD)

(pd/RIN) «Der Start war schon schwierig», sagt Urs Zenoni. «Die Eltern hatten Wünsche, die legitim waren. Aber wir konnten sie nicht erfüllen.» Ein Blick zurück ins Jahr 1980: Ein paar Urner hatten gerade auf private Initiative eine Musikschule gestartet. Eine, die nominell für den ganzen Kanton Uri da sein soll. Das Angebot: hauptsächlich Blockflöte, Klavier und Gitarre. Das Büro, das Urs Zenoni als neuer Leiter bezieht, ist im alten Haus Hagen, zwei Sekretärinnen auf freiwilliger Basis helfen ihm, es gibt ein Telefon und eine Schreibmaschine – das war’s. «Damals bin ich Buchhalter, Sekretär, Lehrer und Manager in Personalunion gewesen», erinnert sich Urs Zenoni.

Es mangelte an Lehrpersonen. In der ganzen Schweiz suchte der ausgebildete Primarlehrer mit dem Lehrdiplom Dirigieren und Posaune nach Lehrkräften. Eine Tessinerin zum Beispiel gab Klavierunterricht in Andermatt. An eine Pensionskasse dachte noch niemand, die Reisen der Lehrpersonen kosteten Spesen, Blockflötenunterricht für alle finanzierte einen Teil davon. Gleichzeitig war die Warteliste lang, Eltern mussten vertröstet werden.

Als Posaunist den Singunterricht geleitet

«Das alles hat sich völlig verändert», so Urs Zenoni, der in eben diesem Jahr 1980 neuer Musikschulleiter wurde. Sei damals noch die Etablierung der Musikschule Uri im Kanton an erster Stelle gestanden, und dann erst die Verbreitung, so sei die Musikschule heute im ganzen Kanton verankert. Gab es damals einzelne Unterrichtsräume in Altdorf, so musste Urs Zenoni einmal – als ausgebildeter Posaunist – Singunterricht in der Aula des Bodenschulhauses geben. Haben die Musikschule und die Schulen in den Gemeinden heute eine Vielzahl an Instrumenten zur Verfügung, so fuhr der Musikschulleiter damals mit einem prall gefüllten Auto in die Aussengemeinden. «Nicht einmal Notenständer hatten wir», betont Zenoni.

Als Urs Zenoni an der Musikschule Uri anfing, gab es sie gerade erst knapp ein Jahr. Davor, so heisst es auf der Internetseite der Musikschule, gab es Gratisunterricht in Altdorf. Luzius Emanuel Wernly, Cellist und Musiklehrer am Gymnasium Karl Borromäus, wollte diesen Unterricht auch in den Dörfern ermöglichen. Seine Bemühungen mündeten in die Gründungsversammlung der Musikschule Uri im März 1979. 110 Schüler aus zehn Gemeinden lernten im Haus Hagen, die ersten Monate leitete Heini Iten die Schule.

«Der Beginn war nicht einfach. Es mussten Bedenken der Lehrer des Gratisunterrichtes ausgeräumt werden. Es mussten Verhandlungen mit dem Kanton und den Gemeinden geführt werden», schreibt die Musikschule. Doch langsam aber sicher führten die Bemühungen zum Erfolg.

Urs Zenoni verliess, gerade 28-jährig, die Musikschule Uri 1982 und wechselt mit der Schulmusik-1- und -2-Ausbildung in der Tasche ans Kollegi. «Dort wurden mir klare Ziele vorgegeben, ich durfte auch meine Ziele umsetzen», sagt er. Ausserdem konnte er da das tun, was er wollte: ein Drittel Schulmusik, ein Drittel Instrumentalunterricht und ein Drittel Ensemble unterrichten.

«Musik schult Hand, Auge und Ohr»

Die Musikschule aber sei eine sehr wichtige Einrichtung für den Kanton – gerade auch das Subventionsprogramm für Kinder aus Familien mit wenig finanziellen Mitteln. «Meiner Meinung nach müssen Kinder nicht nur lesen, schreiben und rechnen können, sondern auch musizieren.» Instrumentalunterricht lehre einen eine Vielzahl an Fähigkeiten. Man schule Hand, Auge und Ohr. «Musik gehört zu unserer Gesellschaft, ist ein Teil von ihr, von uns», so Zenoni.

Zu ihrem 40-Jahr-Jubiläum wünscht er der Musikschule Uri, «dass sie die Zeitströmungen, die auftreten, erkennen und im Angebot aufnehmen kann». Als Beispiel nennt er den Tanz- und Schauspielunterricht, was er eine sehr gute Sache findet. Gleichzeitig solle die Musikschule aber auch das Alte bewahren und fördern. «Jede Zeit hat ihre Grundsätze.» Und alles tauche wieder auf, sei doch der Freejazz heute das, was früher die 12-Ton-Musik war.

Dieses Porträt ist Teil einer Reihe an Artikeln, die anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Musikschule Uri erscheinen.

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