Beim Freiluft-Kino in Altdorf sind auch Schweizer Filmpremieren zu sehen

Die Filmnächte unter den Altdorfer Sternen können kommen: Ab dem 21. August sind auf dem Unterlehn vier Produktionen zu sehen.

Christian Tschümperlin
Drucken
Teilen
Tanzszene aus «The White Crow», einer Filmbiografie über Rudolf Nurejew. (Bild: Praesens-Film)

Tanzszene aus «The White Crow», einer Filmbiografie über Rudolf Nurejew. (Bild: Praesens-Film)

Ab dem kommenden Mittwoch, 21. August, ist es wieder soweit: Während vier Abenden kann jeweils ab 21 Uhr auf dem Unterlehn in Altdorf das Freiluft-Kino besucht werden. Es werden zwei Schweizer Vorpremieren zu sehen sein und zwei Schweizer Premieren. Die Filme werden jeweils in Originalsprache mit Untertiteln aufgeführt. Mit 300 Stühlen sollte es genug Plätze für alle Gäste haben.

Den Auftakt macht am Mittwoch der französische Streifen «Un Homme Presse». Im Zentrum des Filmes steht Alain Wapler. Er ist ein Geschäftsmann wie aus dem Bilderbuch: Wapler hetzt von Termin zu Termin, arbeitet bis zum Umfallen und hat kaum Zeit für Familie und Freunde. Auf den Rat einer Kollegin, er müsse sich erholen, erwidert er: «Ich kann mich erholen, wenn ich tot bin.» Eines Tages holt ihn der Stress aber ein: Schlaganfall. Von nun an steht sein Leben kopf: Wapler hat mit Sprach- und Gedächtnisstörungen zu kämpfen. Ihm wird deshalb die Logopädin Jeanne zur Seite gestellt, die ihn das Sprechen wieder lehren soll. Die beiden nähern sich an. Dabei eröffnen sich den beiden ganz neue Perspektiven.

Humor und Ironie werden positiv bemerkt

«Un Homme Presse» ist eine Tragikomödie aus dem Jahr 2018 von Regisseur Hervé Mimran. Er ist auch bekannt für die Filme Nous York (2012) und Tout ce qui brille (2010). Gespielt wird Alain Wapler von Fabrice Luchini, Jeanne von Leila Bekhti. «Der Film bietet eine mehr als klare Sicht auf die Entmenschlichung durch den Kapitalismus und das erneute Bedürfnis, geliebt zu werden», schreibt ein Experte. Allerdings seien die Bemerkungen Waplers zeitweise unter der Gürtellinie.

Am Donnerstagabend geht es nach Paris in die Zeit während des Kalten Krieges: Der sowjetische Ballett-Star Rudolf Nurejew hat es in «The White Crow» endlich geschafft. Er darf in der französischen Hauptstadt auftreten. Begleitet wird er aber von KGB-Agenten, die ihn von Journalisten und Fans abschirmen. Die Premiere findet im altehrwürdigen Opernhaus Palais Garnier statt. Aufgeführt wird das romantische Ballett La Bayadère. Nurejews Auftritt wird ein Riesenerfolg und macht ihn über Nacht im Westen berühmt. Nachdem er in Paris «Freiheit» gekostet hat, lässt ihn das westliche Lebensgefühl nicht mehr los. Nurejew gelingt es immer wieder, sich seinen Bewachern zu entziehen. Auf einer Party lernt er die junge Clara kennen, die mit dem Sohn des französischen Kulturministers verlobt ist. Nurejew gewinnt das Vertrauen der französischen High-Society. Der KGB wird misstrauisch und will ihn wieder nach Moskau zurückschicken. Nurejew gelingt aber mit französischer Hilfe die Flucht. «The White Crow» ist eine Filmbiografie aus dem Jahre 2019 von Ralph Fiennes. Der Film folgt keinem chronologischen Erzählstrang. Vielmehr wird die Geschichte von Rückblenden auf Nurejews Leben begleitet: Von der Geburt in einem Wagen der sibirischen Eisenbahn über Szenen aus den ärmlichen Verhältnissen, in denen er aufwuchs, bis zur Begegnung mit seinem Mentor Alexander Puschkin.

Auf der Film-Rezensions-Seite Rottentomatoes wurde positiv herausgestrichen, dass der Film einen Loyalitätskonflikt sehr gut herausarbeite um die Frage, ob jemand gleichzeitig seinem Land und sich selbst treu bleiben könne. Der Film brauche aber etwas lang, um in Fahrt zu kommen.

«Besser fühlen als bei jedem anderen Film»

Mit «Blinded by the Light» ist am Freitagabend eine Tragikomödie von Gurinder Chadha zu sehen, die im Januar 2019 im Rahmen des Sundance Film Festivals ihre Premiere feierte. Javed ist ein Teenager mit pakistanischer Abstammung, der in den 1980er-Jahren in der englischen Stadt Luton aufwächst. Er erlebt die wirtschaftlichen und ethnischen Turbulenzen des Grossbritanniens jener Tage hautnah: Die Skinheads in der Nachbarschaft erinnern ihn täglich an sein Leben in der Arbeiterklasse, und sein Vater versucht, ihm seine konservativen Vorstellungen einzutrichtern. Erst ein paar Kassetten mit Musik von Bruce Springsteen werden für den Jugendlichen zu einem Lichtblick in seinem sonst tristen Alltag. Javed findet in Springsteens Musik den Mut, sich mit seinen eigenen Gedichten auszudrücken. Der Kritiker der New York Post schrieb zum Film: «Ich garantiere, Sie werden sich besser fühlen als in jedem anderen Film, der dieses Jahr herauskommt.»

Autorin erweist sich als echter Glücksgriff

Den Schluss macht «Late Night» am Samstagabend. Katherine Newbury (gespielt von Emma Thompson) gilt als Late-Night-Talkshow-Ikone. Ihr Erfolg hat jedoch eine Achillesferse: Ihr Autoren-Team ist mit ausschliesslich männlichen Köpfen besetzt. Eines Tages wird Newbury beschuldigt, eine Frau zu sein, die Frauen hasse. Die Quoten fallen in den Keller. Eine Lösung muss her. Und so wird erstmals in der Geschichte der Sendung eine Autorin eingestellt. Diese ist nur vermeintlich unerfahren und entpuppt sich als Glücksgriff. Mit allen Mitteln bricht sie die festgefahrenen Muster der Sendung auf. Doch es könnte bereits zu spät sein ... «Late Night» ist eine US-amerikanische Tragikomödie von Nisha Ganatra, die am 25. Januar 2019 im Rahmen des Sundance Film Festivals ihre Premiere feierte.

Mehr zum Open-Air-Erlebnis auf www.cinema-leuzinger.ch.