Es gibt noch Hoffnung für die «Alte Post» in Wassen

Bezüglich der Zukunft des traditionellen Hotels wollen die Wassner aus den Erfahrungen der Gemeinde Spiringen lernen.

Paul Gwerder
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Das geschichtsträchtige Hotel Alte Post in Wassen ist seit dem 15. Dezember geschlossen.

Das geschichtsträchtige Hotel Alte Post in Wassen ist seit dem 15. Dezember geschlossen.

Bild: Paul Gwerder (Wassen, 19. Dezember 2019)

Am Donnerstagabend kamen ungefähr 45 Personen ins Mehrzweckgebäude in Wassen, um über die Zukunft des Hotels Alte Post zu diskutieren, welches vor ein paar Tagen geschlossen worden war. Dies ist ein Beweis, dass der Bevölkerung die Schliessung des Traditionshauses, welches eine grosse Bedeutung für das Dorf hat, nicht gleichgültig ist.

«Diverse Personen sind an den Gemeinderat gelangt und haben ihn gebeten, die endgültige Schliessung dieses traditionellen Gastronomiebetriebes in Wassen zu verhindern», steht auf der Einladung «Hotel ‹alte Post› – wie weiter?». Gemeindepräsident Felix Ziegler freute sich über das grosse Interesse der Bevölkerung. Aber er stellte auch sofort klar, dass es nicht Aufgabe der Einwohnergemeinde ist, ein geschlossenes Hotel zu übernehmen oder zu finanzieren. «Wir sehen uns hier in der Rolle als Vermittler, denn es wäre unser Wunschziel, wenn das Hotel im Frühjahr 2020 wiedereröffnet würde», sagte der Gemeindepräsident.

Die Eigentümerin und bisherige Wirtin Marie Claire Arnold-Bayard hatte bei einer Besprechung mit dem Gemeindepräsidenten einige Informationen preisgegeben. Das Hotel, welches im Sommer neun Arbeitsplätze anbietet, verfügt über 18 Hotelzimmer, zwei Zimmer für Angestellte und eine Wirtewohnung. Das Restaurant bietet Platz für insgesamt 120 Personen und zudem zahlreiche Sitzplätze im Freien. Es wird von einem Verkaufspreis von 1,5 Millionen Franken inklusive Inventar gesprochen. Die Besitzerin könnte sich unter gewissen Umständen auch eine vorübergehende Vermietung über maximal drei Jahre vorstellen.

«Alte Post» in Spiringen gehört Aktionären

Als Gäste kamen der Verwaltungsratspräsident des Restaurants Alte Post in Spiringen Bruno Imhof sowie die beiden Mitglieder Lukas Mattli und Josef Herger nach Wassen, um aufzuzeigen, wie so ein Vorhaben gelingen könnte. «Als das letzte Restaurant im Dorf Konkurs ging, haben wir zuerst eine Interessengemeinschaft und später dann eine Aktiengesellschaft gegründet, um den Betrieb zu retten. Heute gehört die ‹Alte Post› den 140 Aktionären mit einem Aktienkapital von insgesamt 250'000 Franken», erklärte Imhof. Weiter fügte er an: «Unser Ziel war, dass Spiringen wieder ein Restaurant hat und das ist uns gelungen. Wir konnten in den letzten zehn Jahren sogar noch 250'000 Franken in das Haus investieren.» Als grösster Stolperstein nannte der Verwaltungsratspräsident die Suche nach einem geeigneten Pächter, was im Fall von Spiringen schwieriger war als das Auftreiben des Geldes.

Felix Ziegler war beeindruckt, dass die Bevölkerung von Spiringen und Umgebung es trotz zahlreicher Hürden geschafft hat, das Restaurant zu kaufen und erfolgreich zu betreiben.

Interessierte Personen leisten finanzielle Starthilfe

In der darauffolgenden Diskussion wurden die verschiedensten Themen angesprochen. Neben der Finanzierung braucht es eine kleine Kontaktgruppe, welche die Federführung in Zukunft übernehmen soll und als erster Schritt das Gespräch mit der Eigentümerin suchen muss. Für den Gemeindepräsidenten ist klar, dass es eine breite Abstützung aus der Bevölkerung braucht, wenn das Vorhaben Erfolg haben soll. Eine Bürgerin sagte: «Für mich ist die Finanzierung das kleinere Problem. Viel grössere Sorgen mache ich mir, wie wir ein geeignetes Pächterpaar finden.»

Ein anderer Sprecher sagte: «Wir müssen die ganze Geschichte im Interesse des Dorfes selber in die Hand nehmen und für uns wäre es eine schlechte Lösung, wenn ein auswärtiger Investor das Haus kaufen würde und nur seine Interessen dann verfolgen würde.» Und jemand gab zu bedenken: «Je länger das Hotel geschlossen ist, desto schwieriger wird es, deshalb müssen wir sofort handeln.»

Einem Heimwehurner liegt das Hotel besonders am Herzen: «Dieser Betrieb hat eine grosse Vergangenheit und ich würde gerne mithelfen, das Hotel zu retten, und ob es gelingt oder nicht – wir werden sehen.» Und zum Verkaufspreis meinte er, dass bei jedem Verkaufsobjekt immer darüber verhandelt werden kann. Ein Wassner brachte es auf den Punkt: «Wir dürfen nicht nur auf den Kaufpreis achten, denn es ist mit hohen Investitionskosten zu rechnen und die Betriebskosten müssen wir ebenfalls kennen. Und neben dieser Summe muss der Umsatz bekannt sein, erst dann können wir über einen Kauf sprechen.»

Als weiteren Schritt schlägt er vor, eine IG zu gründen, welche von jemandem geführt wird, der wirtschaftlich eine Ahnung hat. Danach müsste eine Analyse über das Objekt erstellt werden, die zudem die Umsatzzahlen prüft. Dazu braucht es externe Fachleute, die Geld kosten, welches zurzeit fehlt. Deshalb schlägt er vor, dass interessierte Personen sich möglichst schnell bereit erklären sollen, 500 Franken für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen, auch im Wissen darum, dass dieses Geld im schlechtesten Fall für immer verloren ist. Am Schluss der Versammlung konnten sich Personen, welche Interesse haben, mitzuhelfen, in einer Liste eintragen. In einer zweiten Liste hatten auch Gönner die Möglichkeit, sich einzuschreiben.

Wie Gemeindeschreiber Iwan Stampfli am Freitagmorgen auf Anfrage erklärte, haben 25 Personen sich schriftlich eingetragen, welche bereit sind, mitzuwirken, und stolze acht Spender haben bereits 500 Franken in Aussicht gestellt. Diese Zahlen erwecken die berechtigte Hoffnung, dass das Hotel doch noch gerettet werden könnte.