Sperre Axenstrasse: «Es ist eine prekäre Situation»

Das Restaurant Tellsplatte spricht von einer «wirtschaftlichen Katastrophe». Die Urner Regierung möchte nun Betrieben wirtschaftlich unter die Arme greifen. Sie hat eine Koordinationsgruppe eingerichtet, die sich um die Anliegen der betroffenen Bevölkerung und Gemeindebehörden kümmert.

Philipp Zurfluh und Andreas Seeholzer
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Ein seltener Anblick: Die Gemeinde Sisikon ist momentan vom Verkehr befreit. (Bild: Andreas Seeholzer, 29. Juli 2019)

Ein seltener Anblick: Die Gemeinde Sisikon ist momentan vom Verkehr befreit. (Bild: Andreas Seeholzer, 29. Juli 2019)

Nach einem Steinschlag von Sonntag, 28. Juli, bleibt die Axenstrasse aus Sicherheitsgründen für voraussichtlich mindestens acht Wochen gesperrt. «Der Kanton Uri hat in den nächsten Wochen eine Ausnahmesituation zu meistern», sagt der Urner Baudirektor und Landammann Roger Nager. Der Ernst der Lage sei erkannt. «Der Regierungsrat setzt alles daran, der Bevölkerung, wo immer möglich, Hilfe zu leisten», versichert Nager.

So konnte beispielsweise das SBB-Angebot auf der Axenstrecke kurz nach dem Ereignis verbessert werden. Das Notfallkonzept für die Blaulichtorganisationen ist seit Montag in Kraft. So erfolgt im Ernstfall der polizeiliche Erstangriff durch die Kantonspolizei Schwyz. Sofern die Feuerwehr Sisikon Unterstützung benötigt, rücken Feuerwehren aus dem Kanton Schwyz aus. Der medizinische Rettungsdienst ist ebenfalls durch die Kollegen in Schwyz sowie durch die Rega sichergestellt. Dies geht aus einer Mitteilung der Urner Baudirektion hervor.

Bringt gesperrte Axenstrasse ein Chaos am Lopper?

Die Axenstrasse bleibt vorläufig zu. Die Nidwaldner Polizei befürchtet mehr Staus auf der A2 und mehr Ausweichverkehr. Mehr Verkehr gibts auch auf der Autofähre, die aber nur bedingt den Fahrplan ausbauen kann.
Martin Uebelhart und Zeline Odermatt

Die Erfahrung mit Naturgefahren soll helfen

Eine Koordinationsgruppe kümmert sich um die Anliegen der betroffenen Bevölkerung und Gemeindebehörden. «Wir werden uns der Probleme annehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen», sagt Roger Nager. Dabei könne man auf Erfahrungen im Umgang mit Naturgefahren zurückgreifen, etwa bei der Sperrung der Schöllenen oder bei der Bristenstrasse. Auch dort musste die Versorgung der Bevölkerung über mehrere Wochen hinweg sichergestellt werden.

«Wenn wir zusammen an einem Strick ziehen, schaffen wir Urner das», ist Landammann Roger Nager überzeugt. Bei wirtschaftlichen Auswirkungen können Urner Betriebe beim Kanton Hilfe beantragen.

Restaurant Tellsplatte befürchtet 90 Prozent Einbussen

Gemäss Astra bleibt die Axenstrasse zwischen dem Kreisel Flüelen und der Abzweigung Wolfsprung für jeglichen Verkehr bis auf weiteres gesperrt. Das gilt auch für den Langsamverkehr und den Weg der Schweiz. Umfahrungsmöglichkeiten sind signalisiert. Der Langsamverkehr muss zwischen Flüelen und Sisikon/Brunnen auf die Bahn oder die Schiffe der SGV ausweichen. Der Restaurationsbetrieb auf der Tellsplatte ist von Flüelen her mit Personenwagen und Langsamverkehr erreichbar. Eine Weiterreise nach Sisikon ist nicht möglich. An der Tellsplatte müssen die Gäste wenden und nach ihrem Besuch des Restaurants wieder Richtung Flüelen abreisen. Auch von Brunnen herkommend kann man jederzeit Sisikon mit dem Auto erreichen.

Gabriela Gick vom Seerestaurant Tellsplatte in Sisikon spricht von «einer wirtschaftlichen Katastrophe»: «Erst hat man uns die Schiffsanlegestelle gestrichen, nun ist mit dem Felssturz auch noch der Weg der Schweiz geschlossen.» Gick rechnet mit Einbussen von 90 bis 95 Prozent. «Für uns ist die Saison 2019 damit gelaufen.» Da hilft es auch wenig, dass das Restaurant von Flüelen aus oder mit dem Boot erreichbar ist.

Gewerbeverband nimmt «Axenverhinderer» in die Pflicht

Die acht Wochen andauernde Sperrung der Axenstrasse wirft bei der SVP Uri Fragen auf. Für die Urner Wirtschaft, die ohnehin mit niedrigen Preisen und der nicht gerade zentralen Lage zu kämpfen habe, sei die Schliessung «keine haltbare Situation», findet die SVP. Die SVP-Landratsfraktion wird daher an der nächsten Session eine Interpellation einreichen

Auch laut Karl Fisch, Präsident des kantonalen Schwyzer Gewerbeverbands, ist es ein Problem, dass die zentrale Verbindung zwischen Schwyz und Uri geschlossen bleibt. Der Umweg über Luzern sei mit Kosten und zeitlichem Aufwand verbunden. «Es ist eine prekäre Situation.» Gewerbeverbandspräsident Fisch appelliert an die «Axenverhinderer», die mit ihren Einsprachen den Ausbau der Strasse verzögern: «Mit der Sperrung werden nun weite Umwege gefahren und so mehr Immissionen verursacht», gibt er zu bedenken.

Laut dem Geschäftsleiter der Mythencenter AG, Mario Camenzind, sind «die sympathischen Urner» ein Teil der Kundschaft im Mythen Center. «Sie sind auf die Strasse angewiesen und wir vermissen sie im Moment», sagt Camenzind. Eine Zahl der Urner Frequenzen zu definieren, sei schwierig. «Aber Uri ist ein Teil unseres Einzugsgebiets und wenn die Axenstrasse ausfällt, hat dies Auswirkungen auf unsere Besucherzahl und somit den Umsatz.»

S-Züge fahren neu von Brunnen bis nach Flüelen

Die Bahnstrecke ist nicht tangiert, da an dieser Stelle im Tunnel gefahren wird. Die Seestrecke wird zurzeit saniert. Die Bahnersatzbusse, die aufgrund der Sperre Zugersee Ost im Einsatz gewesen wären, können wegen des Steinschlags nicht verkehren. Deshalb werden während der Dauer der Strassensperrung die Züge der S2 jeweils von Brunnen über Sisikon bis Flüelen verlängert, um so die Transportkette sicherzustellen.

Axenstrasse bleibt nach Felssturz bis Mitte September zu

Die beiden Felsblöcke, die auf die Axenstrasse zu fallen drohen, lassen sich nur mit grossem Aufwand beseitigen. Durch Helikopter gesicherte Arbeiter müssen die Felsen anbohren und sprengen. Deshalb bleibt die Axenstrasse acht Wochen lang gesperrt.
Florian Arnold