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Interview

Mundartsängerin Sina: «Es ist schwieriger, von Musik zu leben»

Mundartsängerin Sina erzählt, wie sie zu ihrer Stimme schaut. Zudem erinnert sie sich an einen hungrigen Fan.
Markus Zwyssig
Sina – hier an der Magic Night auf dem Heitere in Zofingen – ist bald in Altdorf zu hören. (Bild: Pius Amrein, 7. August 2019)

Sina – hier an der Magic Night auf dem Heitere in Zofingen – ist bald in Altdorf zu hören. (Bild: Pius Amrein, 7. August 2019)

Zurzeit erholt sie sich von einer Kehlkopfentzündung. Bald aber ist die Walliser Mundartsängerin Ursula Bellwald, besser bekannt als Sina, wieder für Konzerte unterwegs – am 8. November auch im Theater Uri. Nachdem heute fast keine CD mehr verkauft werden, sind Konzerte für die Sängerin zu einem überlebenswichtigen Faktor geworden.

Sina, Sie haben mich gebeten, die Fragen schriftlich zu stellen, da Sie zurzeit ohne Stimme sind. Wie geht es Ihnen?

Eine mühsame Kehlkopfentzündung stellt mich zurzeit ruhig. Ich winke und gestikuliere vor allem. In diesen Momenten wäre ich gern Schlagzeugerin. Aber es wird von Tag zu Tag besser.

Was muss eine Sängerin alles machen, um bei Konzerten gut bei Stimme zu sein?

Ich bin nicht so streng mit mir, wie das bei klassischen Sängerinnen oft der Fall ist.

Und ich rauche auch mal eine Zigarette, wenn mir danach ist.

Aber ich schaue schon zu meiner Stimme, übe regelmässig, wärme sie auf vor den Konzerten und schone mich vor intensiven Konzertreihen. Viel schlafen, viel trinken und auch mal den Mund halten – das bringt’s.

Konzerte werden immer wichtiger, vor allem auch, um neue Songs vorzustellen. Würden Sie auf Hochdeutsch nicht viel mehr Leute erreichen als im urchigen Walliser Dialekt?

Der Markt in Deutschland ist zehnmal grösser als derjenige in der Schweiz. Das ist für mich allerdings kein Grund, auf Hochdeutsch umzusteigen. Ich glaube, meine Songs würden an Ausdruck und Inhalt verlieren. Da bleibe ich doch lieber der Muttersprache treu. «Wänn ich ds Mämmi göimu» würde dann heissen «Wenn ich mein Kleinkind wiege». Da sind Welten dazwischen.

Gratis ans Sina-Konzert

(MZ) Die «Urner Zeitung» verlost zweimal zwei Tickets für das Sina-Konzert. Wer gerne gratis am 8. November ins Theater Uri möchte, sendet bis Sonntagabend, 20. Oktober, ein E-Mail an redaktion@urnerzeitung.ch. Bitte notieren Sie Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer. Die Gewinner werden persönlich benachrichtigt.

Sie leben zwar schon seit längerer Zeit im Aargau und nicht mehr im Wallis. Wie wichtig ist Ihnen heute Ihr Heimatkanton?

Wichtig war er immer. Es sind die Mentalität, die Sprache, das Ungestüme und Naturverbundene, die je länger ich weg bin, je wichtiger werden. Ich identifiziere mich sehr mit meiner Herkunft, meinen Wurzeln, die mich geprägt haben. Der Rest der Familie ist im Wallis, das ist Grund genug, regelmässig heimzukehren.

Mit «Emma» haben Sie bereits Ihr 13. Album veröffentlicht. Sind Ihnen die Ideen für neue Songs noch nicht ausgegangen?

Auch ich staune manchmal, was über die Jahre zusammengekommen ist. Songideen überrollen mich tendenziell. Es ist aber dann doch ein intensiver Prozess, eine Geschichte fliegen zu lassen und diese auf das Wesentliche zu reduzieren. Dieser Prozess braucht Zeit und wirft mich auch immer wieder zurück auf Feld 1.

Woher nehmen Sie die Inspirationen für neue Songs?

Ich versuche mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Ein Gesprächsfetzen, der Blinker vom Bus vis-à-vis als Rhythmusidee, ein Wort auf einem Haarfärbemittel oder wenn mir etwas passiert, das ich in Worte fassen möchte. Es war und ist vieles autobiografisch, früher waren die Bilder vielleicht verschlüsselter, heute bin ich da direkter.

Bei den Konzerten wartet das Publikum dann aber letztendlich doch auf die Songs, die alle kennen. Singen Sie Ihren Mundartklassiker «Där Sohn vom Pfarrer» heute noch gerne?

Nein, sie wollen nicht nur die bekannten Songs hören. Bei Klubtouren und Konzerten im kleineren Rahmen empfinde ich das Publikum oft als dankbar und offen für Unbekanntes. Aber natürlich dürfen die bekannteren Songs nicht fehlen. Den «Pfarrerssohn» haben wir immer wieder umarrangiert, damit die Lust bleibt, ihn auch nach über tausendmal noch zu singen.

Auf der laufenden Tournee steht der Song sicher auf dem Programm. Sie schauen auf 25 Jahre im Musikbusiness zurück. Was hat sich in dieser Zeit alles verändert?

Es wurde niemals so viel Musik gehört und so wenig dafür bezahlt, bei Spotify sind das etwa 0,006 Rappen pro Stream. Das hat natürlich Konsequenzen, da parallel die physischen Verkäufe um etwa 80 Prozent eingebrochen sind. Konzerte werden zu einem überlebenswichtigen Faktor. Zudem gibt es immer mehr Musikerinnen und Musiker und auch die Zahl der Produzenten und Musiklabels hat sich verdreifacht seit dem Jahr 2000. Dank der Digitalisierung ist es einfacher und billiger geworden, Musik zu produzieren. Das Songwriting braucht allerdings immer noch gleichviel Zeit und mit einer Band im Studio aufzunehmen, ist nicht billiger geworden, wenn man die Musiker fair bezahlen möchte. Grundsätzlich ist es sicher schwieriger geworden, von der Musik zu leben.

Gibt es Songs, die Sie heute nicht mehr singen?

Mit den Jahren verändern sich die Haltung und der eigene Standort. Mit diesem Blick auf Vergangenes ist es bei einigen Themen nicht mehr möglich, Songs so zu interpretieren, wie sie damals gemeint waren. Gott sei Dank stecke ich nicht mehr in den Schuhen einer 27-Jährigen. «Unbeschriiblich wiiblich» zum Beispiel singe ich nicht mehr, dafür gibt es auf der aktuellen CD «Emma» mit «Schön» ein zeitgemässes Update.

Sie sind musikalisch in verschiedenen Stilrichtungen zu Hause. Ohne Scheuklappen arbeiten Sie mit ganz unterschiedlichen Sängern und Musikern zusammen. So gab es in der Vergangenheit auch Abstecher in den Jazz oder in die Weltmusik. Welche Musik macht Ihnen am meisten Spass?

Ich bin sehr offen und mag Projekte über Grenzen hinweg. Das macht den Blick weit, das Verständnis für andere Musik wächst und vor allem lerne ich viel durch diese Kooperationen. Übernächstes Jahr ist eine Tour mit einem klassischen Orchester geplant. Darauf freue ich mich sehr. Übrigens habe ich schon vor 20 Jahren für ein Theaterstück von Sibylle Berg mit Erika Stucky die Musik geschrieben und am Schauspielhaus Bochum auch die Rolle der Frau Tod gespielt. Jedes Projekt hatte musikalischen Einfluss auf meine eigenen Produktionen. Auf dem aktuellen Album war zum Beispiel die textliche Zusammenarbeit mit Tinu Heiniger sehr inspirierend.

Sie waren bereits mehrere Male in Altdorf, sind mit Erika Stucky oder am Musikfestival Alpentöne aufgetreten. Welche Beziehung haben Sie zum Kanton Uri?

Uri beziehungsweise Altdorf umarmt mich immer warm mit seinen Bergen und den Menschen – ich freue mich jedes Mal auf einen Besuch. Geblieben ist mir, dass einmal nach einem Auftritt in Altdorf ein Gast hinter die Bühne kam, aufgeregt und begeistert vom Konzert. Und dann hat er ohne es zu merken die kalte Platte leer gegessen. Die Zweite haben wir dann sicherheitshalber weggestellt.

Was darf das Publikum diesmal bei Ihrem Auftritt am 8. November im Theater Uri erwarten?

Songs vom aktuellen Album, einen Blick über die Schulter auf die letzten 25 Jahre mit einer grossartigen Band und einer erzählfreudigen Sängerin.

Hinweis: Sina spielt am 8. November um 20 Uhr im Theater Uri in Altdorf. Begleitet wird sie von Gitarrist Jean-Pierre von Dach sowie Gregor Heini an der Gitarre, Matthias Kräutli am Schlagzeug und Michael Chylewski am Bass. Tickets für das Konzert sind online unter www.ticketino.com (gebührenfrei) sowie in allen Filialen der schweizerischen Post, bei Uri Tourismus AG oder bei der Redaktion der «Urner Zeitung» in Altdorf erhältlich. An den Vorverkaufsstellen wird eine Gebühr erhoben.

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