Leserbrief

Es rumort im Urner Polizeikorps

«Urner Polizei suspendiert zwei Kaderleute», Ausgabe vom 26. November

Paul Spiess, Altdorf
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Was man der «Urner Zeitung» in Sachen der Suspendierung von zwei Kaderangehörigen des sogenannt mittleren Kaders entnehmen kann, lässt mich, als ehemaliges Mitglied der Kapo Uri, nicht kalt. Im Gegenteil, es befremdet mich, zu erfahren, dass der Deckel derart lange auf dem Topf gelassen wurde, obwohl es doch schon lange brodelte. Es ist ja nicht so, dass das Dilemma erst begann, als der neue Chef der Verkehrs- und Sicherheitspolizei das Zepter übernahm.

Dabei vermisse ich, dass der Vorstand der Sektion Uri des Schweizerischen Polizeiverbands nicht längst die Rolle eines Mediators an die Hand genommen hat und auf internem Weg versuchte, die Wogen zu glätten. Für solche Szenarien wäre die Sektion ja wohl auch da. Aber nein, das ganze bis jetzt vor sich hin schwärende Geschwür sollte plötzlich, in aller Öffentlichkeit, aufplatzen.

Der neue Kommandant, Reto Pfister, übernahm den Korps so, wie es war. Heute kann man sagen, dass dieser Neue sofort hätte mit dem «neuen Besen» kehren sollen. Aber wie es so ist, kennt und hört der neue Chef zu Beginn seiner Vorgesetztentätigkeit, besonders wenn er von auswärts kommt, die eventuell vorhandenen Blössen, Wünsche und Hoffnungen, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die er übernimmt, gar nicht. Es gibt am Anfang möglicherweise die eine oder andere Andeutung oder Mitteilung. Wird nichts Exaktes oder Genaues genannt, ist es schwierig, rechtzeitig, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

In diesem Fall scheint mir, könnte es so abgelaufen sein:

Gewisse Mitarbeiter fühlten sich bei Beförderungen oder Stellenbesetzungen übergangen, glaubten, dass die zum Zuge gekommenen Kollegen bevorzugt worden seien und so weiter. In solchen Fällen ist Neid und Zwietracht nicht weit. In solchen Zeiten werden «Seilschaften» mobilisiert und in der betreffenden Abteilung und darüber hinaus kommt es zu unliebsamen Vorkommnissen. Das gemeinsame Ziel wird ausser Acht gelassen. Jede der Seilschaften versucht der anderen zu schaden. Jede Gruppierung will zeigen, über welche Einflüsse sie verfügt und schadet so dem grossen Ganzen. Der Ruf einer loyalen, ethischen Polizei geht so flöten. Mit diesem Schaustück haben es die Ränkeschmiede so weit gebracht, dass das Volk sich verschaukelt vorkommt. Schade um das Ansehen, das die Polizei noch vor Jahren hatte.