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Es war ein versuchter Mord

Ignaz W. muss 10 Jahre ins Gefängnis, Auftragskiller Sasa S. für 8½ Jahre. Die Verteidiger der beiden Verurteilten haben bereits Berufung angekündigt.
Ignaz W. wird nach der Urteilsverkündigung unter Polizeischutz abgeführt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Ignaz W. wird nach der Urteilsverkündigung unter Polizeischutz abgeführt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Unterschiedlicher hätten die Gefühlslagen wohl kaum sein können, als Landgerichtsvizepräsident Heinz Gisler gestern kurz nach 14 Uhr die Urteile im Prozess gegen Ignaz W. (44) und Sasa S. (24) bekannt gab: Genugtuung und Zufriedenheit auf Seiten der Anklage und des Opfers, Konsternation und bittere Tränen der Enttäuschung bei Verteidigung und einem Teil der Angehörigen von Ignaz W. Und erstmals zeigten auch die Angeklagten sichtbare Emotionen: Der Erstfelder Barbetreiber schüttelte immer wieder den Kopf, Sasa S. schlug die Hände vors Gesicht, beide waren den Tränen nahe.

Der Anklage gefolgt

Im November 2010 war in Erstfeld die Noch-Ehefrau von Ignaz W. angeschossen und schwer verletzt worden. Die Urner Staatsanwaltschaft hatte Ignaz W. beschuldigt, seinen Komplizen Sasa S. gegen Bezahlung als Auftragskiller angeheuert, ihm die Waffe verschafft und auch das Verschwinden nach der Tat organisiert zu haben. Die Richter folgten nun der Anklage. Ignaz W. und Sasa S. wurden des versuchten Mordes in Mittäterschaft schuldig gesprochen. Das Gericht erachtet es zudem als erwiesen, dass Ignaz W. im Januar 2010 vor seinem Nachtklub in Erstfeld auf einen Gast geschossen hat. Es sprach ihn aufgrund der Beweislage aber nicht der versuchten Tötung, sondern «nur» der Gefährdung des Lebens schuldig. Ignaz W. wurde zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren verurteilt, Auftragskiller Sasa S. muss 8½ Jahre hinter Gitter - zusätzlich zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten, für die er in Obwalden verurteilt worden war. Opfer Nataliya K. erhält eine Genugtuung von 10 000 Franken. Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi hatte für Ignaz W. 15 Jahre und für seinen Komplizen 12½ Jahre Gefängnis gefordert. Die Rechtsvertreterin des Opfers hatte eine Genugtuung von 40 000 Franken geltend gemacht.

Die Tat der beiden sei «verwerflich», das Vorgehen «von Gefühlskälte und Skrupellosigkeit geprägt» gewesen, argumentierte das Gericht. Und zum Motiv: Sasa S. habe geschossen, um mit dem «Lohn» seine Schulden tilgen zu können. Bei Ignaz W. seien es diverse Motive gewesen: die familiären Differenzen mit seiner Ehefrau wegen des Besuchs- und Sorgerechts des gemeinsamen Sohnes, erbrechtliche Streitigkeiten respektive der mögliche Zugriff auf ein Erbe, die in Aussicht stehende Lebensversicherung für das Opfer, der Streit zwischen der Noch-Ehefrau und der neuen Partnerin von Ignaz W., aber auch die Angst davor, dass die Ehefrau Interna aus dem Umfeld von Ignaz W. ausplaudern könnte, unter anderem bezüglich finanzieller Machenschaften des Barbetreibers. Strafmildernd berücksichtigt wurde gemäss der Richter die Tatsache, dass es beim Versuch geblieben war und das Opfer keine bleibenden Schäden davongetragen hatte. Bei Ignaz W. wurden dessen Vorstrafen negativ in Betracht gezogen.

«Das Landgericht Uri hat sich bei der Ansetzung des Strafmasses von einem Urteil im Jahre 2007 leiten lassen», erklärte Heinz Gisler gestern. Damals war eine 51-jährige Frau vom Landgericht Uri wegen Mordes durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren verurteilt worden.

«Viele Widersprüchlichkeiten»

Hansjörg Felber, der Sasa S. verteidigte, und Linus Jaeggi, der Anwalt von Ignaz W., zeigten sich nach der Urteilsverkündung «konsterniert». «Ich bin überrascht und kann nicht ganz nachvollziehen, wie die Richter die doch erheblichen Zweifel überwinden konnten», hielt Jaeggi fest. Und Felber betonte: «In diesem Fall bestehen viele Widersprüchlichkeiten, Ungereimtheiten und vor allem Zweifel. Ich habe aber in der kurzen Begründung kein Wort davon gehört, inwiefern man sich mit unserer diesbezüglichen Argumentation auseinandergesetzt hat.» Felber und Jaeggi werden das Urteil anfechten, wollen nun aber zuerst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Zum Strafmass wollte sich Felber nicht detailliert äussern. «Für mich gibt es nur die Frage: War es so oder anders?» Auffällig sei aber doch, dass die Strafmasse angesichts der Taten, die man den beiden Verurteilten vorwerfe, doch erheblich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft lägen. «Ich weiss aber nicht, ob dies ein Indiz für mögliche Zweifel in den Hinterköpfen der Richter gewesen sein könnte.»

Bruno Arnold

«Unsere gute und seriöse Arbeit wurde bestätigt»

Urteilbar. «Das Landgericht hat Ignaz W. und Sasa S. im Sinne der Anklage verurteilt», zeigte sich Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi «grundsätzlich zufrieden mit dem Urteil». «Es war ein Indizienprozess, also wäre auch ein Freispruch möglich gewesen.» Zu den Strafmassen, die unter seinen Anträgen liegen, meinte Ulmi: «Ich behalte mir vor, diese vom Obergericht überprüfen zu lassen, entscheide mich aber erst definitiv, wenn ich die detaillierte Begründung des Urteils und insbesondere die Begründung für die Abweichung gegenüber meinen Anträgen kenne.»

Die Verteidiger der beiden Angeklagten hatten vor Gericht argumentiert, dass die Staatsanwaltschaft vorschnell einen Tathergang konstruiert und dann einfach alles ausgeblendet worden sei, was nicht dazu gepasst habe.

Der Verteidiger von Ignaz W. hatte in seinem Plädoyer vermutet, das Opfer habe den Anschlag selbst inszeniert. Die Frau habe aus einer paranoiden Angst vor ihrem Mann alles versucht, diesen loszuwerden. Dass die Richter dieser Argumentation nicht gefolgt sind, freut Ulmi: «Das Urteil ist eine Bestätigung der guten und seriösen Arbeit der Strafverfolgungsbehörden.» Die Version der Selbstinszenierung sei «völlig absurd». Ulmi zeigte sich «von der Schuld der beiden nach wie vor felsenfest überzeugt»: «Wir hatten nicht nur Indizien, sondern auch handfeste Sachbeweise.» Als solche nannte er einerseits die DNA-Spuren von Ignaz W. auf der Hülse, die nach dem Vorfall vom Januar 2010 gefunden worden war. Anderseits habe man die Tatwaffe bei der Freundin von Sasa S. gefunden.

«Vom Grundsatz her bin ich mit dem Urteil einverstanden», erklärte die Rechtsvertreterin des Opfers, Claudia Zumtaugwald. «Ich habe das Strafmass ungefähr so erwartet.» Bezüglich der Genugtuungssumme für ihre Mandantin hätte sie aber «gerne etwas mehr herausgeholt». «Ich habe zwar mit einer Kürzung gerechnet, aber nicht gleich mit einer derartigen von 40 000 auf 10 000 Franken.

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